Die seit 23 Jahren in Italien lebende Finnin Soile Lautsi ist über die Fülle an internationalen Reaktionen zu dem von ihr beantragten Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte gegen Kruzifixe an italienischen Schulen überrascht.
Lautsi sagte in einem am Freitag veröffentlichten Telefoninterview mit der finnischen Nachrichtenagentur STT, die Initiative sei schon vor rund zehn Jahren von ihrem italienischen Ehemann ausgegangen und von einer Atheisten-Vereinigung unterstützt worden.
Lautsi meinte, sie habe zwar gewusst, dass das Thema in Italien tabu sei. Sie hätte allerdings niemals geglaubt, dass das nun verhängte Verbot gegen Kruzifixe in Klassenzimmern auch anderswo, etwa in ihrer Heimat Finnland, für einen derartigen Wirbel sorgen würde.
Die seinerzeit in Straßburg eingebrachte Beschwerde trage eigentlich nur deswegen ihren Namen, weil der Anwalt der Familie dazu geraten habe. Sie betonte, die Initiative sei ursprünglich von ihrem Mann ausgegangen, der sich vor zehn Jahren bei der Leitung der Schule ihrer beiden Söhne vergeblich gegen das Aufhängen der Kruzifixe beschwert hatte.
Sie selbst fühlt sich von den Medien zu Unrecht angegriffen: „Als ob ich irgendein Ungeheuer wäre, das sich über die wunderbaren Kruzifixe hermacht und die italienische Kultur zerstört.
„Von mir aus können die Menschen in Italien so viele Kruzifixe um den Hals tragen wie sie wollen und auch daheim ihre Wände damit tapezieren. Aber warum die Kreuze auch in den Klassenzimmern sein müssen, das verstehe ich nicht", zitierte STT die gebürtige Finnin, die seit 1990 italienische Staatsbürgerin ist. Lautsi bemängelte auch, dass viele kirchliche Schulen in Italien staatliche Unterstützung erhielten.
Ihre beiden Söhne hätten in der Zwischenzeit jene Schule verlassen. Diese hätten sich ebenso wie sie selbst über die Kruzifixe im Klassenzimmer und andere religionsspezifische Traditionen in Italien „reichlich genervt" gefühlt.
Lautsi hofft nun, dass die nächste Familie in Italien, die sich durch die Kruzifixe gestört fühlt, durch eine einfache Bitte an die Schulleitung diese aus einer Klasse entfernt bekommen kann. Die gebürtige Finnin betonte, sie habe seit dem Urteil auch eine Menge positiver Reaktionen erhalten.
apa
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