Donnerstag, 02. September 2010
30. Oktober 2009
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Chronik

Sowi bleibt besetzt - Kritik aus eigenen Reihen

Der größte Hörsaal an der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät (Sowi) der Universität Innsbruck ist auch weiterhin studentisches Hoheitsgebiet.

Rund 50 Aktivisten harrten am Freitag in der Aula aus und verlängerten damit die am Donnerstag begonnene Protestaktion gegen die „Missstände in der Hochschulbildung".

„Wir hoffen, dass es im Laufe des Tages wieder mehr werden", sagte der Sprecher der Streikorganisatoren gegenüber der APA.
Die Besetzer der Aula in der Sowi hätten den Donnerstagabend vor allem dafür genutzt verschiedene Arbeitsgruppen einzurichten. „Unter anderem haben wir eine Putz- und Verpflegungsgruppe eingerichtet", schilderte der Sprecher.

In einem Mitternachtsplenum habe man festgelegt, wie der Diskurs über die inhaltliche Ausrichtung aussehen solle. Die Nacht sei weitgehend ruhig verlaufen, um 3.00 Uhr habe man schließlich die „Bettruhe ausgerufen". Am Vormittag vertrieben sich einige der Aktivisten die Zeit mit Federballspielen und Filmschauen. Andere widmeten sich der inhaltlichen Diskussion.

Kritik aus den eigenen Reihen

Die Protestaktionen stoßen aber nicht nur auf Zustimmung bei den Studenten.

„Die Vorwürfe der Demonstranten, dass sich Sowi-Studierende nicht an der Demo am Donnerstag beteiligen, mögen zwar berechtigt sein, haben allerdings ihre Gründe. Dass sich Sowi-Studenten nicht an dieser Protestaktion beteiligen, liegt nicht daran, dass wir uns wenig mit bildungspolitischen Themen befassen, sondern daran, dass die Forderungen der Demonstranten von hinten bis vorne nicht durchdacht und total kontrovers sind", äußern Monika Zipperle aus Riffian, Manuela Raffeiner aus St. Valentin an der Haide, Daniel Götsch aus Schnals sowie Johannes Stauder aus dem Sarntal - alle Sowi-Studenten an der Uni Innsbruck - ihren Unmut gegenüber Südtirol Online.

Man müsse nicht zwingend Wirtschaft studieren, um zu erkennen, wie utopisch die Ideen der Protestierenden seien. „Einerseits sagen sie, dass die Situation der Studierenden so nicht mehr tragbar ist, die Hörsäle überfüllt sind, und dass das Studieren qualitativ nicht mehr möglich ist. Doch im selben Atemzug fordern sie: keine Zugangsbeschränkung, keine Studiengebühren, mehr Geld."

Wo solle denn das Geld herkommen, fragen sich die vier Gegner der Proteste. „Haben die Protestierenden ihre schlauen Forderungen auch soweit durchdacht. Wo sollen die zwei Prozent BIP, die sie fordern, weggenommen werden? Aber einfacher ist es, sich in unsere Aula zu setzen, Bier zu trinken, zu rauchen, dermaßen Lärm zu machen, dass man in der Bibliothek nicht mehr lernen kann, Plakate zu malen mit hohlen Aufschriften und darunter mit T-Shirts zu sitzen, die Aufschriften wie ‚Arbeiten ist Scheiße' tragen (...)."

Spreche man die Protestierenden an und frage sie, wo das Geld abgezwackt werden solle, um ihren Forderungen nachzukommen, „hört man nichtssagende Kommentare, wie ‚Das ist nicht unsere Aufgabe, darüber sollen sich die Politiker Gedanken machen."

Die Konsequenzen des Protestes für Zipperle, Raiffeiner, Götsch und Stauder: „Bleiben wird davon eh nicht mehr als ein Haufen Dreck auf der Sowi und eine nach Rauch stinkende Aula. (...) Früher oder später werden die Demonstranten und die Politiker in Wien einsehen müssen, dass kein Weg an Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen vorbeiführen wird, um eine erträgliche Studiensituation für alle zu schaffen."

joi/apa

Die vollinhaltliche Stellungnahme von Zipperle, Raffeiner, Götsch und Stauder:

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