Der österreichische Wissenschaftsminister Johannes Hahn lehnt Treffen mit „irgendwelchen Studentengruppen" ab und wird auch nicht von Studenten besetzte Räumlichkeiten an der Universität Wien besuchen, wie von Studentenseite mehrfach gefordert.
„Es handelt sich immer noch um eine Besetzung, ich möchte diesen Unrechtszustand nicht durch meine Anwesenheit in irgend einer Weise legitimieren", so Hahn am Rande einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien.
Sehr wohl sei er bereit, mit der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) in Verhandlungen zu treten, diese sei die legitime Vertretung aller Studenten, betonte der Minister.
Für Nachmittag wurde ein Treffen zwischen Hahn und der ÖH-Spitze vereinbart. Der Ressortchef dämpfte aber allzu große Hoffnungen. Es gebe in den Standpunkten „auch fundamentale Unterschiede", es könne nicht immer eine gemeinsame Meinung gefunden werden.
Größter Hörsaal am Wiener Uni-Campus besetzt
Nach dem Audimax, dem größten Hörsaal des Landes, haben Studenten in der Nacht auf Donnerstag auch den Hörsaal C1 am Wiener Uni-Campus im Alten AKH besetzt. Dabei handelt es sich um Studenten vor allem geisteswissenschaftlicher Studienrichtungen wie etwa Romanistik, Politikwissenschaft oder Internationale Entwicklung, die am Campus beheimatet sind.
Nach Angaben der Uni Wien seien derzeit 70 bis 80 Personen im C1, die Besetzer sprechen von ca. 300, hieß es jeweils gegenüber der APA. Diese sind größtenteils vom Audimax herübergewechselt, um „ihre" Räumlichkeiten nutzen zu können.
Linzer Vize-Rektor sucht Gespräch mit Besetzern
Der Vize-Rektor der Linzer Johannes Kepler Universität, Herbert Kalb, will das Gespräch mit jenen Studenten suchen, die seit Dienstagmittag den Hörsaal 1 der Uni besetzt halten. Eine Teilnehmerin kündigte an, dass Kalb gegen 13.00 Uhr in den Hörsaal kommen werde. Man werde ihm dann den Forderungskatalog überreichen, hieß es vonseiten der Besetzer, die bereits die zweite Nacht in der Uni verbracht haben.
Studentenproteste 2.0: The revolution is twittered
„Aufruf! Putzdienst im Audimax braucht mehr Leute!! Kommt dringend!!", „aufm juridicum schaut alles ruhig aus, einige besetzer in der aula", "15.00 Uhr Plenum im Hörsaal C1", „die Volxküche braucht Kartoffeln und Nudeln", und eine Sekunde später liest sich "13 more tweets since you started searching".
Auf der Website des Kurznachrichtendienstes Twitter dominieren die Hashtags #unsereuni, #unibrennt und #audimax seit Tagen die deutschsprachigen Twittercharts, die Vernetzung der österreichweit protestierenden Studenten funktioniert dank der Digitalisierung besser denn je.
Der Protest findet heute nicht nur in den besetzten Hörsälen und auf der Straße, sondern auch online statt - das Internet bietet maximale Erreichbarkeit bei minimalem Aufwand. Ein sogenannter Tweet, eine Nachricht auf Twitter, versehen mit einem Hashtag - ein mit einer Raute gekoppeltes Schlagwort, ähnlich einem Lesezeichen - erreicht tausende Menschen. Unzählige ReTweets - das Wiederholen der Ursprungsnachricht von anderen Usern - können die Folge sein, und so verbreitet sich der Aufruf, sofort in das Audimax zu kommen, in Echtzeit tausendfach.
apa
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