Werbung - Redaktion - Freitag, 25. Mai 2012
17. November 2009
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Chronik

Zehntausende Studenten auf den Straßen

Tausende von Studenten in Italien, Österreich und Deutschland haben am Dienstag gegen die derzeitigen Uni-Verhältnisse protestiert. In Bozen schlossen sich Studenten der Freien Universität Bozen den Protestierenden an.

Gegen 16 Uhr zogen rund 13 Studenten durch die Museumstraße, um so am Internationalen Studententag ebenfalls ein Zeichen zu setzen.

Kritik an Gelmini-Reform

In Italien richtete sich die Kritik vor allem gegen Bildungsministerin Mariastella Gelmini, die bis Oktober 2011 rund 130.000 Stellen an Universitäten und Schulen kürzen will.

Massendemonstrationen fanden laut den Organisatoren in 50 Städten des Landes statt. Ein Demonstrantenzug defilierte bis zum Regierungssitz in Rom.

Bei einer Demonstration in Mailand kam es zu Spannungen zwischen Studenten und der Polizei. Vier Schüler wurden festgenommen, nachdem sie Unruhen angestiftet hatten.

Die Demonstranten skandierten Slogans für das Bildungsrecht. Sie beschuldigten die Regierung Berlusconi, mit der Reform das staatliche Universitätssystem zu verarmen.

Die Gelmini-Reform sieht beträchtliche Einsparungen im Universitätsbereich vor. Im Reformpaket heißt es, dass fünf Professoren, die pensioniert werden, nur durch eine Person ersetzt werden können.

Geplant ist hinzu eine radikale Änderung des Auswahlverfahrens für Professorenstellen und strenge Auflagen für Hochschulen mit Budgetdefiziten. Damit soll vor allem ein deutlicher Schritt gegen die Günstlingswirtschaft in den Universitäten unternommen werden, so die Regierung.

Österreich: Seit 22 Tagen wird protestiert

In Österreich dauern die Proteste mittlerweile bereits seit 22 Tagen an. Begonnen hatte die Welle von Besetzungen an der Akademie der Bildenden Künste, tags darauf wurde mit dem Audimax der größte Hörsaal der Uni Wien besetzt. Nur wenige Tage später hatten Studenten in Graz, Salzburg, Klagenfurt, Linz und Innsbruck Hörsäle zu ihrem Hoheitsgebiet erklärt.

Die Forderungen der österreichischen Studenten: mehr Autonomie, mehr Geld, mehr Demokratie und keine Zugangsbeschränkungen.

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) sammelt anlässlich des heutigen Internationalen Studententages Mail-Beschwerden von Studierenden. Unter mailto: hierbrennts@oeh.ac.at können sie deponieren, „wo konkret in ihrem Studium der Schuh drückt", so ÖH-Chefin Sigrid Maurer. Die Ergebnisse sollen beim vom Wirtschaftsministerium geplanten Hochschuldialog am 25. November eingebracht werden.

Innsbruck: "Wir tanzen nicht nach eurer Pfeife"

Rund 250 Studenten versammelten sich heute vor der Sowi-Bibliothek, erklärten Innsbruck zur "Walzerstad" und verkündeten "Wir tanzen nicht nach eurer Pfeife." Ihr Protest richtete sich gegen Wissenschaftsminister Johannes Hahn, der am Montag angekündigt hatte, rund zwei bis drei Millionen Euro "Notfalls-Reserven" für die Leopold-Franzens-Universität locker zu machen. Die protestierenden Studenten sehen darin aber nur eine "nette Geste".

Deutschland: „Bildung ist unverkäuflich"

Zehntausende Studenten sind heute auch in Deutschland auf die Straße gegangen, um für eine bessere Bildung einzutreten. Protestmärsche und Aktionen gab es unter anderem in Berlin mit etwa 5.000 Teilnehmern, in München, Frankfurt am Main und Düsseldorf.

In Wiesbaden zogen nach Gewerkschaftsangaben 8.000 Schüler und Studenten gemeinsam mit Lehrern durch die City. Deutschlandweit rechneten die Veranstalter mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Der Aktionstag sei der Auftakt zu einem „heißen Herbst des bundesweiten Bildungsstreiks".

Vor der Münchner Universität versammelten sich in der Früh mehr als 1.000 Studenten, insgesamt wurden bis zu 10.000 Studenten und Schüler erwartet. Das Audimax wurde weiter von mehreren hundert Studenten besetzt gehalten. An weiteren bayerischen Hochschulen wurde mit bis zu 3.000 Teilnehmern gerechnet. In Frankfurt am Main zogen etwa 500 Schüler und Studenten durch die Innenstadt und machten ihrem Unmut lautstark Luft.

Der Aktionstag ist einer der Höhepunkte des Bildungsstreiks 2009. Schon seit Tagen halten Studenten in zahlreichen Universitäten Hörsäle besetzt. Im Zentrum der Kritik stehen die Bachelor- und Masterstudiengänge, die Studenten fordern ihre Abschaffung in ihrer derzeitigen Form. Außerdem verlangen sie bessere Lernbedingungen, mehr Mitbestimmung und die Abschaffung der Studiengebühren. Das Motto lautet „Education is Not for Sale" („Bildung ist unverkäuflich").

stol/apa/dpa




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