Donnerstag, 09. Februar 2012
28. Oktober 2009
© 2009 Ausgelöst wurde die Prostestwelle in der vergangenen Woche von Wiener Studenten. © 2009 Ausgelöst wurde die Prostestwelle in der vergangenen Woche von Wiener Studenten. Mittlerweile hat sich der Protest auch auf andere Bundesländer ausgeweitet. Das Foto zeigt Salzburger Studenten bei einer Demo am Mittwoch. © 2009 Mittlerweile hat sich der Protest auch auf andere Bundesländer ausgeweitet. Das Foto zeigt Salzburger Studenten bei einer Demo am Mittwoch. Sudierende marschieren mit Banner am Mittwoch durch das Zentrum von Salzburg. © 2009 Sudierende marschieren mit Banner am Mittwoch durch das Zentrum von Salzburg. Zwei Stunden später: Auch zahlreiche Studenten in Wien gehen erneut auf die Straße. © 2009 Zwei Stunden später: Auch zahlreiche Studenten in Wien gehen erneut auf die Straße. © 2009 APA Ausgelöst wurde die Prostestwelle in der vergangenen Woche von Wiener Studenten. © 2009 APA Ausgelöst wurde die Prostestwelle in der vergangenen Woche von Wiener Studenten. Mittlerweile hat sich der Protest auch auf andere Bundesländer ausgeweitet. Das Foto zeigt Salzburger Studenten bei einer Demo am Mittwoch. © 2009 APA/AFP Mittlerweile hat sich der Protest auch auf andere Bundesländer ausgeweitet. Das Foto zeigt Salzburger Studenten bei einer Demo am Mittwoch. Sudierende marschieren mit Banner am Mittwoch durch das Zentrum von Salzburg. © 2009 APA Sudierende marschieren mit Banner am Mittwoch durch das Zentrum von Salzburg. Zwei Stunden später: Auch zahlreiche Studenten in Wien gehen erneut auf die Straße. © 2009 APA Zwei Stunden später: Auch zahlreiche Studenten in Wien gehen erneut auf die Straße.
Lokal

68er-Revival an Unis - Südtioler mittendrin

An zahlreichen österreichischen Universitäten herrscht derzeit der Ausnahmezustand. Seit dem vergangenen Donnerstag halten Hunderte von Studenten den größten Hörsaal („Audimax") der Universität Wien besetzt, um auf die schlechten Studienbedingungen aufmerksam zu machen. Mittlerweile gibt es ähnliche Proteste an den Universitäten von Graz, Linz, Innsbruck, Klagenfurt und Salzburg.

Seit heute halten Studenten an der Technischen Universität und an der Universität für Bodenkultur in Wien Hörsäle besetzt. Das gleiche gilt für drei Hörsäle in Graz, besetzt sind auch die Aula der Universität Klagenfurt und einer der beiden großen Hörsäle der Fakultät für Geisteswissenschaften der Uni Salzburg.

Die Streikenden sind u.a. nicht mit der Umstellung der Diplomstudiengänge auf das Bachelor-Master-System einverstanden.
Weiter angeheizt wurde der Ärger durch die angekündigte Einführung von neuen Zugangsbeschränkungen in beliebten Fächern wie Publizistik.
Zuletzt hatten sich immer mehr deutsche „Numerus-Clausus-Flüchtlinge" an den österreichischen Universitäten eingeschrieben.

Die Rektoren mehrerer Unis hatten daraufhin gefordert, wieder Auswahlverfahren für bestimmte Fächer einzuführen, um so die Zahl der Studierenden zu begrenzen.

Südtirol Online hat sich bei Südtiroler Studenten in Österreich umgehört und deren Eindruck von der studentischen Protestwelle eingefangen.

Aus Wien: „Angefangen hat alles mit einer harmlosen Demonstration"

Andreas Fink, Student der Politikwissenschaften in Wien, hält sich bereits seit einigen Tagen im Wiener „Audimax" auf. „Angefangen hat alles vor einer Woche mit Studentenprotesten an der Akademie der Bildenden Künste. Der Protest griff am Donnerstag auf die Universität Wien über. Das Ganze mündete in der Besetzung des ‚Audimax'."

Mittlerweile habe man sich dort „häuslich" eingerichtet. Im „Audimax" werde gegessen, diskutiert und auch Party gefeiert. Es gebe eigene Putztrupps und in der so genannten „Volksküche" werde von Studenten für Studenten gekocht.

„Fasziniert bin ich von den rund 50 Arbeitsgruppen, in denen wir Studenten versuchen die derzeitige Situation zu diskutieren. Zwei Mal am Tag finden Vollversammlungen statt, bei denen keine hierarchischen Entscheidungen getroffen werden, sondern alles basisdemokratisch ausdiskutiert wird", so Fink.

„Situation ist untragbar"

Dass von einigen Bildungspolitikern die Wiedereinführung von Studiengebühren forciert wird, findet Fink nicht zielführend. Die Situation habe sich im Laufe der Jahre zugespitzt.

„Mittlerweile ist die Lage an vielen Unis untragbar. Die Hörsäle sind übervoll, die Studienplätze beschränkt und die Lehrenden und Forschenden erhalten nur prekäre Arbeitsverträge, was sich wiederum negativ auf die Lehre auswirkt", erklärt Fink. Uni-Zugangsbeschränkungen und die Wiedereinführung von Studiengebühren hält Fink deshalb für die falschen Antworten. „Es braucht mehr Geld für den Bildungssektor und europaweite Lösungsvorschläge."

„Studenten sind aus der Lethargie erwacht"

Beeindruckt ist Fink auch von der hohen Anzahl der Protestierenden in Wien, von der Medienresonanz und den Solidarisierungsaktionen anderer Universitäten sowie einiger Professoren. „Dadurch ist die Bildungsdebatte, die in den vergangenen Jahren eingeschlafen ist, wieder entfacht worden. Und das ist eigentlich das Wichtigste."

Denn: „Dass sich so viele Studenten aus der Lethargie befreit und auf die Hinterbeine gestellt haben, ist der größte Erfolg. Bisher hat es vor allem eine individuelle Sichtweise auf die Probleme gegeben. Mit Ellenbogen-Taktik hat man versucht sich seinen Seminarplatz zu sichern. Nun ist der Blick kollektiv, die Studenten versuchen gemeinsam an Lösungen zu arbeiten."

Ob die Forderungen der Studenten erhört werden und die Protestwelle mit Erfolg gekrönt sein wird, darüber schweigt sich Fink aus. „Das ist schwer zu sagen. Die Probleme an den Unis sind vielfältig und können nicht von heute auf morgen gelöst werden. Es heißt abwarten."

Das „Audimax" bleibe jedenfalls bis Donnerstag besetzt. „Heute findet um 17 Uhr in Wien eine Großdemonstration statt, bei der wir nochmals lautstark auf unsere Forderungen aufmerksam machen werden", so Fink abschließend.

Aus Salzburg: „Einige verzweifeln an der Situation"

Auch Hanna Bizjak, Studentin der Kommunikationswissenschaften in Salzburg, blickt derzeit mit Interesse auf die Studentenproteste.
„Ich bin von der prekären Situation an der Uni Salzburg zwar nicht mehr direkt betroffen, da ich meine Diplomarbeit schreibe. Aber als ich mich vor Kurzem mit Erstsemestrigen unterhalten habe, wirkten diese ziemlich verzweifelt."

In Salzburg hätten - wegen des immensen Studenten-Ansturms - u. a. Einführungsvorlesungen der Kommunikationswissenschaften in Veranstaltungslokale ausgelagert und mittels Video übertragen werden müssen. Ähnlich wie in Wien mobilisieren sich nun auch Salzburgs Studenten verstärkt. „Nach Flyer-Aktionen findet heute um 15 Uhr eine Demonstration statt", so Bizjak. Auch sie sieht, ähnlich wie Andreas Fink, in der Wiedereinführung von Studiengebühren nicht die Lösung der Probleme.

„Grundsätzlich bin ich gegen Zugangsbeschränkungen an den Unis. Allerdings frage ich mich angesichts der sich zuspitzenden Situation, ob es nicht doch Beschränkungen braucht, damit die Situation nicht ausufert", zeigt sich Bizjak nachdenklich. „Ich weiß, dass im November am Institut der Kommunikationswissenschaften so genannte Knock-Out-Prüfungen stattfinden, um unter den Studenten ‚auszumisten'. Ob das der richtige Weg ist, ist fraglich. Allerdings ist es nicht leicht, hier Lösungsvorschläge zu präsentieren."

Aus Innsbruck: „Studiengebühren haben keine sichtliche Verbesserung gebracht"

Protest, wenngleich um einiges leiser, macht sich auch in Innsbruck breit. „Warum es in Innsbruck keine so massiven Studentenrevolte gibt - keine Ahnung", so Karin, Psychologie-Studentin in Innsbruck. „An einigen Fakultäten der Uni Innsbruck ist die Situation ebenfalls sehr schlimm, u. a. auch an jener der Psychologie".

Die Forderungen, die die Wiener Studenten im „Audimax" verschriftlicht haben, teilt Karin im Großen und Ganzen. Auch sie spricht sich - genauso wie Andreas Fink und Hanna Biziak - gegen die Wiedereinführung von Studiengebühren aus. „Sie haben keine sichtliche Verbesserung gebracht. Als wir die Studiengebühren noch bezahlen mussten, waren die Hörsäle genauso überfüllt."

Die einzige „Beschränkung", mit der sie am ehesten sympathisiert, ist jene der Aufnahmeprüfung. „Dieser Art von Prüfung kann ich etwas abgewinnen, da für alle die gleichen Bedingungen herrschen. Aufnahmeprüfungen machen aber nur dann einen Sinn, wenn anschließend tatsächlich eine gute Betreuung und genügend Lehrveranstaltungsplätze garantiert werden."

... es gibt auch Kritik ...

Die Protestmaßnahmen an den österreichischen Universitäten stoßen aber auch auf Kritik. So distanziert sich die Innsbrucker ÖH von einer geplanten Kundgebung am Donnerstag in der Innenstadt. Sie selbst plant am Freitag eine (etwas) andere Aktion: Bei einem Treffen mit dem österreichischen Wissenschaftsminister, Johannes Hahn", sollen ab 10 Uhr unter dem Motto „Heiße Luft für Gio Hahn" Luftballons steigen.
Auch die Medizin-Fakultäten in Wien und Innsbruck distanzierten sich vom „Vandalismus", forderten gleichzeitig aber ebenfalls mehr finanzielle Mittel.

„Themen auch für Südtirol relevant"

Fazit: „Eine ausreichende Finanzierung der Unis, ein Stopp dem Verschulungsprozess der Universitäten, selbstbestimmtes Studieren, die Wiedereinführung von Wahlfächern, keine verpflichtenden Studieneingangsprüfungen, die Re-Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen sowie freie Masterzugänge", fasst Fink die wichtigsten Forderungen der "Audimax"-Besetzer zusammen.

Es handle sich dabei um Themen, die „nicht ausschließlich Österreich, sondern ganz Europa betreffen. Auch in Südtirol sind sie relevant, allein schon wenn man an die Diskussionen über die Studiendarlehen denkt", betont der Politik-Student.

Johanna Gasser/apa/dpa

Fotos: Studentenproteste in Wien - Audimax besetzt

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Video: Mehr als zehntausend Teilnehmer bei Studentenprotesten in Wien
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