© 2010 Der Landesrettungshubschrauber Pelikan 2 - Fotoquelle: BRD Meran
© 2010 Der Rettungshubschrauber des Aiut Alpin Dolomites - Fotoquelle: Aiut Alpin
„Selbstüberschätzung, Fehlentscheidungen und Leichtsinn können am Berg fatale Folgen haben“, sagt Toni Preindl, Chef des Bergrettungsdienstes im AVS.
13 Bergsteiger sind heuer in Südtirols Bergen ums Leben gekommen – Einheimische wie Touristen. Das ist keine Zahl, die Preindl beunruhigt. „Mir fällt aber auf, dass die Zahl an Einsätzen wegen Erschöpfung steigt“, sagt er.
Auffällig seien heuer spektakuläre Unfälle am Berg gewesen, vor allem jene wegen Felsbruchs. „Aber wie jedes Jahr hängt die Zahl der Unfälle vom Wetter ab. Auffällig ist heuer beispielsweise, dass wir bislang wenige Suchaktionen hatten. Aber das ist vermutlich auf das schlechte Pilzejahr zurückzuführen“, sagt Preindl.
Dennoch: Es gab in der laufenden Saison schon mehrere Unfälle, auch tödliche Unfälle beim Pilzesammeln. „Die Leute sind auf nassem Untergrund unterwegs, das Gelände ist unwegsam, viele tragen nur Stiefel. Da passiert leicht etwas“, meint Preindl.
Zahlreiche Hilferufe von Erschöpften
Aber auch die zahlreichen Hilferufe von erschöpften Wanderern oder jenen, die am Berg in ein Gewitter geraten, fallen in der Einsatzstatistik zunehmend ins Gewicht.
„Im vergangenen Jahr hatten wir beispielsweise 77 Einsätze wegen Erschöpfung. Das sind viele. Auch rufen immer mehr Leute Hilfe, wenn sie von einem Gewitter am Berg überrascht werden“, sagt Preindl.
Im Allgemeinen seien die Bergsteiger zwar viel besser ausgerüstet als noch vor 30 Jahren, für eine spontan notwendige Übernachtung am Berg hätte aber kaum jemand die Ausrüstung im Rucksack.
Erst vergangene Woche mussten an ein und demselben Tag Pelikan 1 und der Aiut Alpin Dolomites Kletterer aus den Felswänden holen, weil sie dort vom Gewitter überrascht wurden.
„Respekt vor den Naturgewalten, vor dem Berg verloren“
„Viele haben den Respekt vor den Naturgewalten, vor dem Berg verloren. Berg wird oft als Sport gesehen; immer mehr Menschen sind mit Puls- und Höhenmesser unterwegs. Sie streben nach Leistung, nicht nach Erlebnis. Bergsteigen ist nicht nur Sport, Bergsteigen ist Lebenseinstellung“, sagt Preindl.
Bergunfälle seien nicht eine Sache von Touristen, wie viele immer noch glaubten: 30 Prozent der Geretteten in der Statistik der Bergrettung sind Südtiroler.
„Im Verhältnis zu all den Massen, die am Berg unterwegs sind, passieren aber immer noch wenig Unfälle“, sagt Preindl.
Genaue Daten und Analysen über Bergunfälle in Südtirol gibt es aber nicht. „Es liegen nur die Einsatzzahlen, aber keine Analysen vor. In dieser Hinsicht möchte ich mich mit den Kollegen vom CNSAS zusammensetzen, um in dieser Richtung etwas auf die Beine zu stellen – nach dem Vorbild des Österreichischen Kuratoriums für Sicherheit“, sagt Preindl.
d/uli
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