Gemeinsam mit Ugo Lazzara von der Fahndungsabteilung der Bozner Quästur erklärt Südtirol Online in einer Artikelserie die acht häufigsten Betrugsmaschen, denen die Südtiroler auf den Leim gehen. Ganz oben auf Lazzaras Liste steht der Trick mit den falschen Gemeinde-, Enel-, Telecom-Angestellten.
„Es handelt sich meist um männliche Betrüger“, weiß Lazzara. „Sie geben sich als Angestellte eines Unternehmens oder der Gemeinde aus und versuchen durch einen Vorwand ins Haus zu gelangen.“
Die angebliche Gründe für ihr Erscheinen sind vielfältig: Die Betrüger geben etwa an, sich die letzten Rechnungen ansehen, oder besondere Rabatte bzw. neue Telefonverträge präsentieren zu wollen. „So schaffen sie es, dass man ihnen die Tür öffnet und sie in die Wohnung lässt“.
Verlangen denn die Wohnungseigentümer keinen Ausweis? „Manchmal haben die Betrüger gefälschte Ausweise bei sich. Die sind aber meist so gemacht, dass man sie im ersten Moment nicht als Fälschung enttarnen kann. Vor allem für ältere Leute ist es schwer, da zu unterscheiden.“
Ist der falsche Angestellte erst einmal in der Wohnung, verwickelt er sein Opfer zuerst in ein Gespräch.
„Die Person – meist sind es ältere Leute – wird losgeschickt, alte Rechnungen zu holen. Der Betrüger gibt anschließend vor, die Papiere kontrollieren zu wollen.“
Komplize tritt auf den Plan
Ausschlaggebend für diesen Trick ist allerdings, dass die Betrüger zu zweit sind.
„Nachdem der erste in die Wohnung gelangt ist, läutet der Komplize nach kurzer Zeit an der Türglocke“, erklärt Lazzara. „Die zweite Person gibt sich als Kollege der ersten aus und gelangt so ebenfalls in die Wohnung.“
Zu diesem Zeitpunkt hat sich der erste Betrüger bereits ein Bild von der Wohnung gemacht und weiß ganz genau, wie er weiter vorgehen muss: Er hat herausgefunden, wo die Person in der Wohnung ihre Papiere aufbewahrt, wo sich das Schlafzimmer befindet und wo es also etwas zu holen geben könnte.
Nun erst kommt die Geschichte in Bewegung: „Eine der beiden Personen gibt vor, auf die Toilette gehen zu müssen, während die andere das Opfer weiterhin ablenkt.“
Innerhalb kurzer Zeit ausgeraubt
Ziel des kleinen Ausflugs in der Wohnung ist aber natürlich nicht die Toilette, sondern das Schlafzimmer des Wohnungsbesitzers. „Innerhalb weniger Minuten wird das Opfer ausgeraubt. Die Betrüger stoßen in üblichen Verstecken meist auf Bargeld oder Schmuck.“
Woher die Betrüger denn wissen, wo sie suchen sollen? „Meist sind die Opfer ältere Leute, die ihre Wertsachen leider gerne im Schlafzimmer verstecken. Normalerweise zielen die Betrüger also auf Kommoden, Nachtkästchen, Schränke ab. In wenigen Minuten sind sie dort erfolgreich.“
Lesen Sie morgen: Trick Nr. 2: Der falsche Sanitätsbetrieb-Angestellte
Barbara Raich/rb
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