© 2010 Foto (v.l.): Georg Leimstädtner (Geschäftsführer Dachverband der Sozialverbände), Stefan Hofer (Präsident Dachverband der Sozialverbände) und Alexander Larch (Mitarbeiter)
Der Dachverband der Sozialverbände fordert einen einheitlichen Sprachgebrauch, der Menschen mit Behinderung nicht diskriminiert.
„Was heißt hier behindert?": Dies ist der Titel einer Erhebung, die der Dachverband der Sozialverbände unter seinen 44 Mitgliedsorganisationen durchgeführt hat, um geeignete und nicht diskriminierende Begriffe für das Thema Behinderung zu ermitteln.
Zum Beispiel wird empfohlen, „Menschen mit Behinderung" statt „Andersfähige, Menschen mit Handicap oder besonderen Fähigkeiten" zu verwenden.
Der Dachverband wird nun mit diesen Ergebnissen vermehrt Sensibilisierung betreiben, damit Organisationen, Medien, öffentliche Ämter und die politischen Verantwortlichen aber auch die Bürger diese Begriffsvorschläge im Sprachgebrauch und in Landesgesetzen verwenden.
„Der Mensch kommt zuerst“
„Der Begriff ‚Menschen mit Behinderung‘ will sagen, dass der Mensch zuerst kommt und seine Beeinträchtigung nur ein Aspekt seiner Lebenssituation ist", sagt Stefan Hofer, Präsident des Dachverbandes der Sozialverbände. „Dies wird auch zum Beispiel durch die Bezeichnung ‚people first‘ für die politische Interessensvertretung der Menschen mit Lernschwierigkeiten ausgedrückt."
Hofer ist der Meinung, dass die Sprache den Unterschied machen kann: „Zu oft werden die Begriffe gesund oder normal als Gegensatz zu behindert gebracht. Heute ist das aber nicht mehr so: Normal ist, verschieden zu sein.“
Viele Menschen mit Behinderung fühlten sich gesund, selbstverwirklicht und glücklich, trotz der verschiedenen Hindernisse im Alltagsleben und den Barrieren - konkret oder mental - die noch zu bewältigen seien, so Hofer weiter.
Unsicherheit bei unterschiedlichen Begriffen
Zudem ist aus der Umfrage laut Dachverband der Sozialverbände zu entnehmen, dass es im öffentlichen Sprachgebrauch immer noch viel Unsicherheit und Verwirrung gibt, wenn sehr unterschiedliche Begriffe für ein und denselben Sachverhalt verwendet werden. Dies ist auch bedingt durch kulturelle und länderspezifische Entwicklungen und Sichtweisen.
Neben dem Überbegriff „Menschen mit Behinderung/en“ schlägt der Dachverband der Sozialverbände andere vor: „Menschen mit Sinnesbehinderungen“ um Gehörlose und Sehbehinderte zu bezeichnen. Zu vermeiden seien: taub, taubstumm oder anderssehend.
Menschen, die von Geburt an oder infolge einer Krankheit bzw. eines Unfalls in der Mobilität eine physische Einschränkung haben, sollten als „Menschen mit Körperbehinderung" bezeichnet werden. Zu vermeiden seien die Begriffe Krüppel oder Versehrter.
Menschen, die kognitive Einschränkungen haben, sollten als „Menschen mit Lernschwierigkeiten" benannt werden. Zu vermeiden seien geistig oder mental behindert.
„Menschen mit einer psychischer Erkrankung" statt geisteskrank
Als „Menschen mit einer psychischer Erkrankung" sollen dem Dachverband der Sozialverbände Menschen bezeichnet werden, die an einer psychischen Störung leiden. Weder geistig behindert noch geisteskrank sollte verwendet werden.
Der Ausschuss des Dachverbandes der Sozialverbände hofft, dass diese Bezeichnungen, die nach Rücksprache mit den Betroffenenorganisationen festgelegt wurden, künftig in allen Landesgesetzen und Reglements, in Fachschriften und möglichst auch in den Dokumenten der verschiedenen Organisationen und Ämter zur Anwendung kommen.
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