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Artikel vom 10. September 2010

EURAC-Mumienforscher eröffnen Hightech-Labor

Blickt man durch die Glasscheiben des neuen Labors für antike DNA des Bozner EURAC-Instituts für Mumien und den Iceman, das am heutigen Freitag eröffnet wurde, sieht man vermummte Wissenschaftler an Mikroskopen sitzen und mit Pipetten hantieren.

Albert Zink - Foto: STOL

EURAC-Mumienforscher eröffnen Hightech-Labor

Albert Zink

Ihre Anzüge gleichen Strahlenschutzanzügen und das Labor einem Hochsicherheitsgefängnis. Niemand darf es betreten, ohne vorher eine Blutprobe abgegeben zu haben.

„Zu groß ist das Risiko, dass das Erbgut der untersuchten Mumien mit fremder DNA vermischt wird“, erklärt der Leiter des EURAC-Instituts Albert Zink.

Die Ergebnisse wären somit falsch und der gesamte Extraktions- und Analyseprozess umsonst.

Um jegliche Verunreinigung zu vermeiden, sind die drei Räume, aus denen das Labor besteht, streng getrennt: Jeder Raum hat eine eigene Belüftung und einen speziellen Bodenbelag.

„Das Labor ist auf dem aktuellsten technologischen Stand. Wir haben alle internationalen Kriterien umgesetzt“, so EURAC-Direktor Stephan Ortner.

An Analyse-Anfragen aus anderen Regionen und dem Ausland fehle es nicht.

Ägyptische Mumien aus dem Umfeld von Tutanchamun, deren Eltern Albert Zink mit einem Forscherkollegen aus Tübingen und Kairo ausfindig gemacht hat, und italienische Mumien sollen in Bozen untersucht werden.

Vor allem möchten sich die Forscher aber Ötzi widmen: „Nachdem wir nun das gesamte Genom entschlüsselt haben, werden wir beginnen,
Informationen über Haar- und Augenfarbe zu suchen und zu schauen, ob Ötzi bereits eine Laktose-Toleranz aufwies oder noch nicht. Diese Information gibt wichtige Hinweise darüber, ob er bereits zu einer sesshaften Bevölkerungsgruppe gehörte. Wir werden auch sagen können, aus welcher Gegend er genau stammt“, prognostiziert der Anthropologe Zink.

Am EURAC-Institut sollen auch vergleichende DNA-Analysen mit Skelettfunden aus ganz Südtirol, die aus der Zeit Ötzis stammen, durchgeführt werden.

Auf diese Weise möchten die Forscher einen immer tieferen Einblick in das Leben der Menschen dieser Epoche erhalten.

Doch blicken die Mumienforscher, während sie antike Knochen oder Hautfetzen zermahlen, um daraus das Erbgut der Mumien zu extrahieren und zu analysieren, nicht nur in die Vergangenheit.

Sie erarbeiten für die aktuelle Medizin und Pharmazie Erkenntnisse über die Evolution von Krankheitserregern und somit auch über die Entwicklung aktueller Krankheiten.

Internationale Institute, wie das Pasteur Institut in Frankreich, seien an den Ergebnissen über Krankheiten, wie beispielsweise Tuberkulose, höchst interessiert, so Zink.

„Wir können untersuchen, wie sich ein Erreger über tausende Jahre entwickelt hat“, schildert er.

„Daraus lassen sich wichtige Prognosen für die Zukunft ableiten und möglicherweise neue Medikamente und Therapieformen finden. Denn der Blick in die Vergangenheit kann uns helfen der künftigen Krankheitsentwicklung einen Schritt voraus zu sein“, sagt er.