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Artikel vom Montag, 12. April 2010

Fahrt in den Tod für junge Mutter – Trauerfeier in Schlanders

Es sollte ein Freudentag werden, er endete in einer Katastrophe. Michaela Kuenz Oberhofer und Michaela Zöschg stiegen am Montag Vormittag – wie 35 andere Passagiere auch - in den Regionalzug R108 von Mals in Richtung Meran.

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Foto: APA/AP

Michaela Zöschg war auf dem Weg zu ihrem Neugeborenen im Bozner Krankenhaus. Das Baby, ein Frühchen, war nicht mit ihr im Zug. Es liegt wohlauf im Spital.

Die 18-jährige Michaela Kuenz Oberhofer hingegen hatte schulfrei, um ihrer Führerscheinprüfung abzulegen. Beide kamen nie an ihrem Ziel an.

Sie sind zwei der neun Todesopfer, die von den Erdmassen, die sich heute kurz vor neun Uhr bei der Durchfahrt des Zuges zwischen Latsch und Kastelbell lösten, erdrückt wurden.

Die beiden Frauen wurden von Geröll, Schlamm und Matsch überschwemmt und erstickten in der Schlammlawine.

28 weitere Zugreisende wurden verletzt, sieben davon schwer. Alle Opfer – mit Ausnahme von zwei verletzten Bundesdeutschen – stammen aus Südtirol.

Landeshauptmann Luis Durnwalder, der heute sofort an die Unfallstelle geeilt war, drückte am Abend bei einer Pressekonferenz in Bozen nochmals sein Mitgefühl aus. „Eine Tragödie hat uns heimgesucht“.

Die Fahnen in Südtirol werden auf Halbmast gesetzt, als sichtliches Zeichen der Landestrauer.

Am Dienstagabend wird Bischof Karl Golser in Schlanders einer Trauerfeier vorstehen, an der auch die Landesregierung teilnehmen wird.

„Ganz Südtirol trauert“, drückte Durnwalder den Angehörigen seine Anteilnahme aus. Den Familien und Angehörigen sicherte er seine Hilfe zu.

„Es gibt Verantwortliche, die für diesen Unfall zur Rechenschaft gezogen werden. Es wird jedoch eine Weile dauern, bis die Gerichte ihr Urteil fällen. Wir wollen Soforthilfe leisten“, betonte Durnwalder.

Die Rettungskräfte sind noch vor Ort im Einsatz. Immer noch wird nach eventuellen Verunglückten gesucht. Oberstaatsanwalt Guido Rispoli hat den Einsatzkräften die Erlaubnis erteilt, auch unter den Waggons nach Verwundeten zu suchen.

„Wir können derzeit noch nicht mit Sicherheit ausschließen, ob unter den Waggons noch Opfer liegen, weil die Waggons noch nicht beiseite geschafft werden konnten“, so der Landeshauptmann.

stol