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Artikel vom Donnerstag, 7. März 2013

„Höhere Dichte grauer Hirnsubstanz bei mehrsprachigen Kindern“


Auf einer Pressekonferenz haben das Kompetenzzentrum Sprachen der Freien Universität Bozen und die Universität Vita-Salute San Raffaele in Mailand die Ergebnisse einer Langzeitstudie zu mehrsprachig aufwachsenden Kindern vorgestellt.

Rita Franceschini

Rita Franceschini - Foto: STOL

„Wir haben zwei Jahre lang Kinder aus Südtirol untersucht, um neuro-kognitive Auswirkungen bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern zu untersuchen”, erklärte Prof. Rita Franceschini die Studie. „Sprachtests waren ebenso wie die Magnetresonanz Teil der Studie.”

Die 16 im Forschungsprojekt eingebundenen Kinder wachsen in bilingualen Familien oder in einer bilingualen Umgebung in Südtirol auf. Zum Zeitpunkt der ersten Messung besuchten sie die Grundschule.

Die Ergebnisse seien sehr aussagekräftig, weswegen sie auch in der renommierten Zeitschrift „Cortex“ veröffentlicht worden seien, unterstrich Franceschini.

"Höhere Dichte grauer Substanz"

Das Hauptergebnis bildet die Entdeckung einer höheren Dichte grauer Hirnsubstanz im unteren, linken Parietallappen des Hirnareals bei mehrsprachigen Kindern.

Ein zweites Ergebnis zeigt sich im Vergleich zu einer vorangegangenen Untersuchung mit mehrsprachigen Erwachsenen: die untersuchten zweisprachigen Kinder gleichen in ihren Gehirnaktivierungen viel eher zweisprachigen Erwachsenen als einsprachigen.

„Daraus kann man folgern, dass schon die ersten Lebensjahre, die in einem mehrsprachigen Umfeld verbracht werden, für die Bildung und Entwicklung der künftigen neurokognitiven Strukturen ausschlaggebend sind”, fasste Prof. Rita Franceschini die Forschungsergebnisse zusammen.

Für die Studie wurden zwei Messungen im Abstand von rund einem Jahr durchgeführt. Es handelt sich um die erste Längsschnittstudie dieser Art.

Nicht-sprachliche Fähigkeiten

Einen weiterer Teil der Forschungsarbeit bestand darin, nicht-sprachliche Fähigkeiten zu messen, also Aspekte wie Aufmerksamkeit, Entscheidungsfähigkeit und Konfliktlösung.

Mehrsprachig aufwachsende Kinder mit hoher Sprachkompetenz waren laut Studie nachweislich schneller und genauer beim Ablegen kognitiver Tests verglichen mit einsprachig aufgewachsenen Kindern.

Ihre Reaktionszeit ist durch das Wechseln von einer Sprache in die andere schon früh trainiert, ihre Aufmerksamkeit und Kontrollfunktion gegenüber einsprachigen Kindern erhöht.

„Mehrsprachige Kinder entwickeln automatisch auch andere Fähigkeiten“, so die Schlussfolgerung der Forscher.