Werbung - Redaktion - Donnerstag, 17. Mai 2012
09. Dezember 2010
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Lokal

PISA-Studie 2009 im Detail - „Mehr fordern und fördern“

Südtirols Bildungswelt hat einen Dämpfer bekommen. „Einen Dämpfer, der mich stört“, betonte Bildungslandesrätin Sabina Kasslatter Mur am heutigen Donnerstag bei der Pressekonferenz zur PISA-Studie 2009. Sie stellt den Südtiroler Schülern ein schlechteres Zeugnis aus, als noch 2006.

Nachdem die neuen Ergebnisse des weltweit größten Schulleistungsvergleichs bereits am Mittwoch bekannt wurden, zogen Südtirols Schulverantwortliche heute eine erste Bilanz.

„Wir haben einen Dämpfer erlitten, aber keinen Blechschaden“, nahm Kasslatter Mur zu einem früheren Kommentar Stellung. Am Mittwoch habe sie die Situation schlimmer eingeschätzt, nach einer gründlicheren Analyse spricht die Schullandesrätin heute nur noch von einem „Windstoß“.

Schulamtsleiter Peter Höllrigl sprach von einem Ergebnis, das – aufgrund anderer jüngerer Erhebungen – den Erwartungen entsprochen habe. „Die PISA-Studie zeigt uns deutlich auf, wo wir uns anstrengen müssen.“

Auf den Lorbeeren habe man sich sicherlich nicht ausgeruht, betont Höllrigl, „das zeigen die Ergebnisse.“ Südtirols Schule befinde sich auf einem guten Weg.

Im Lesen nur noch Durschnitt

Den größten Rückschlag hat Südtirols Schule im Vergleich zu PISA 2006 im Bereich Textverständnis erlitten. Lagen die 15-Jährigen vor wenigen Jahren noch im Spitzenfeld, so erzielen sie heute bei der Lesekompetenz nur noch Durchschnittswerte.

Dabei haben die deutschsprachigen Schulen besser abgeschnitten als die italienischsprachigen.

Südtirol erreichte 490 Punkte und liegt dabei unter dem OECD-Schnitt (493) und hinter Deutschland (497), aber vor Italien (486) oder Österreich (470), das allerdings bei der Lesekompetenz unter den 34 teilnehmenden OECD-Staaten nur auf Platz 31 rangiert.

An der Spitze in Sachen Textverständnis liegen Shanghai, Südkorea, Finnland, Hongkong und Singapur. Bei PISA 2006 erzielte Südtirol 502 Punkte.

„Die Lesekompetenz ist der kleine Dämpfer, der mich stört“, sagte die Schullandesrätin heute.

„Texte verstehen gehört mehr denn je zu den Schlüsselkompetenzen“, so Kasslatter Mur, „besonders in einem Medienzeitalter.“

Hier sehe sie einen klaren Auftrag: Das Textverständnis müsse gesteigert werden. Gemeinsam mit anderen Schulvertretern wolle sie „überlegen und erarbeiten, wie wir im Hinblick auf 2012 wieder zulegen können.“

Spitze bei Mathematik und Naturwissenschaften

Deutlich besser sind Südtirols Ergebnisse in den Bereichen mathematische und naturwissenschaftliche Grundbildung. Südtirol liegt hier im europäischen Spitzenfeld.

In Mathematik erreicht Südtirols Schule 507, das ist über dem OECD-Schnitt (496), aber auch besser als Italien (483) oder Österreich (496). Besser hat Deutschland (513) abgeschnitten.
Spitze sind hingegen Shanghai, Singapur, Hongkong, Korea, Finnland, die Schweiz und Japan. Südtirol hat bei der PISA-Studie 2006 im mathematischen Bereich 513 Punkte erlangt.

Auch in den Naturwissenschaften liegt Südtirol mit 513 Punkten über dem OECD-Durchschnitt (501) und vor Österreich (494) und Italien (489). Deutschland erreichte 520 Punkte.

Spitzenreiter sind Shanghai, Finnland, Hongkong, Singapur und Japan. Bei PISA 2006 erzielte Südtirol einen Durchschnitt von 526 Punkten.

PISA ist „eine Stichprobe“

PISA messe nicht einzelne Schulen, Lehrpersonen oder Schüler, sondern ein Bildungssystem, uinterstrich Rudolf Meraner, der Direktor des Pädagogischen Instituts, heute.

„Es handelt sich um eine Stichprobe, das heißt es gibt immer eine Bandbreite in den Ergebnissen“, war es Meraner ein Anliegen hervorzuheben. Unterschiede von nur wenigen Punkten seien deshalb statistisch gesehen nicht signifikant. „Das ist nicht wichtig“, so Meraner.

„Wir können mit Sicherheit sagen, dass die Schulsysteme in Shanghai, Korea, Finnland, Hongkong, Singapur, Neuseeland, Japan und Australien besser sind als unseres“, so Meraner.

Die darauffolgende Gruppe (in der untenstehenden Grafik von den Niederlanden bis Griechenland, darunter befinden sich auch Südtirol, Italien oder Deutschland) liege aber im Durchschnittsbereich.

„Es lässt sich hier nicht feststellen, ob ein Land besser ist, als das andere.“

Mehr fordern und fördern

„Die Schule ist ein lernendes System und Rückmeldungen sind als Signale hilfreich“, bemerkte Kasslatter Mur. Man werde nun in Zusammenarbeit mit Lehrpersonen und Führungskräften Maßnahmen überlegen und entwickeln.

Betrachte man die Kompetenzniveaus in Sachen Textverständnis, sehe man, dass Südtirols Schule im Mittelfeld zwar punkten könne, an den unteren und oberen Bereichen aber ausbaufähig sei (siehe Grafik).

18 Prozent der untersuchten Schüler liegen unter dem zweiten Kompetenzniveau, nur vier Prozent erreichen das höchste Leistungsniveau. Die Stärken liegen im Mittelfeld.

„Wir haben Spitzen auszubauen“, stellte die Schullandesrätin fest. Die Schwächeren müssten mehr gefördert, aber auch die Begabungsförderung müsse verstärkt werden.

„Ich glaube, Leistungsansprüche können ruhig erhöht werden“, so Kasslatter Mur außerdem. Schule sei keine Nebensache, sondern Lebensmittelpunkt der Kinder und Jugendlichen. Deshalb müsse man auch verstärkt Familien, die ganze Gesellschaft in die Bildung miteinbeziehen.

Das wichtigste Ergebnis liegt in der Schullandesrätin allerdings nicht im Lesen, der Mathematik oder den Naturwissenschaften. „Ich bin stolz darauf, dass Südtirol nach wie vor in der Lage ist, soziale Ungleichheiten auszutarieren“, betonte Kasslatter Mur.

Länder wie Deutschland oder Österreich hätten da ihre Probleme. „Ich denke, dass dieses Ergebnis gesellschafspolitisch das wichtigste ist.“

Barbara Raich


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