Sonntag, 12. Februar 2012
02. September 2010
Das Siegesdenkmal in Bozen © 2010 Das Siegesdenkmal in Bozen Das Siegesdenkmal in Bozen © 2010 D Das Siegesdenkmal in Bozen
Lokal

Siegesdenkmal: Rom will Tafeln und „Künstlerzaun“

Alle Vorschläge zur Entschärfung des Siegesdenkmals in Bozen auf lokaler Ebene nützen nichts, wenn Rom, bzw. das zuständige Denkmalamt in Venedig, diesen Ideen nicht zustimmen.

Seit Jahren bissen Land und Gemeinde diesbezüglich auf Granit. Doch nun scheint endlich etwas Bewegung in die Sache zu kommen: Erklärungstafeln und ein „künstlerisch gestalteter“ Zaun sollen nach der Renovierung angebracht werden.

So hat es zumindest Landeskonservator Leo Andergassen bei einem seiner zahlreichen Gespräche mit dem Denkmalamt Venedig in Erfahrung gebracht. Nach der Sanierung, die im nächsten Jahr abgeschlossen sein soll, möchte der Staat das Denkmal auch entsprechend erklären und diesbezüglich auch Kontakt mit der Gemeinde Bozen aufnehmen.

Was dann auf den Tafeln stehen soll, wird wohl Gegenstand von Verhandlungen sein und ist heute noch nicht bekannt.

Der Zaun um das Denkmal allerdings, der vor allem Sicherheitszwecken dient, muss bleiben, hat Venedig verordnet, auch wenn er künstlerisch gestaltet werden kann.

Erste Reaktionen zurückhaltend

In einer ersten Stellungnahme zeigt sich Kulturlandesrätin Sabina Kaslatter Mur angesichts der Nachrichten aus Venedig zurückhaltend und möchte am Montag die Landesregierung mit dem Thema befassen.

Ihr persönlich geht der Vorstoß allerdings zu wenig weit: „Das Denkmal soll klar als Mahnmal erkennbar werden“, wünscht sich Kasslatter Mur weitere Eingriffe.

Dass die Mühlen in Rom langsam mahlen, hat sie am eigenen Leib erfahren: Ende des Jahres 2009, also kurz nach Beginn der Restaurierungsarbeiten am Siegesdenkmal, hatte sie einen Brief an den zuständigen Kulturminister Sandro Bondi gesandt.

In diesem Enthalten war die erneute Bitte, die (von vielen Südtirolern mit Unverständnis aufgenommene) Renovierung des Denkmals auch zum Anlass zu nehmen, das Denkmal endlich in den richtigen historischen Kontext einzuordnen und zu einem Erinnerungsort umzugestalten.

„Denkmal musealisieren und Erklärungstafeln aufstellen“

„Dieses Ziel könnte erreicht werden, in dem man das Denkmal musealisiert und Erklärungstafeln aufstellt, die die faschistische Diktatur und die Bedeutung des Denkmals erklären“, schrieb Kasslatter Mur.

Drei Monate (!) später erhielt Kasslatter Mur auf dieses Schreiben eine spärliche Antwort von Roberto Cecchi, dem Verantwortlichen der Generaldirektion für Landschaft, Denkmalpflege, Architektur und zeitgenössische Kunst.

In diesem heißt es kurz und bündig, man werde sich auf einer der nächsten Sitzungen des Amtes mit dem Thema befassen. Weitere offizielle Ankündigungen von Rom gab es bis auf weiteres nicht.

Auch Landeshauptmann Luis Durnwalder würde ein Anbringen von Erklärungstafeln begrüßen, die auf die wahre Bedeutung des Denkmals hinweisen. Seiner Meinung nach sollte aber auch der Zaun vor dem Denkmal entfernt werden.

Was das Mussolini-Relief am Gerichtsplatz betrifft, könnte dieses „ohne weiteres entfernt und in einem Museum aufbewahrt werden“.

„Stadt in alle Schritte eng einbinden“

Vizebürgermeister Klaus Ladinser begrüßt den ersten Schritt der römischen Regierung, möchte jedoch, dass die Stadt in alle Schritte eng eingebunden wird. Er selbst würde sich – wie Dieter Steger – eine Öffnung des Siegesdenkmals wünschen, aber nur, wenn dieses entsprechend erklärt wird.

Die Kritik der „Süd-Tiroler Freiheit“ dazu kann er nicht nachvollziehen: „Die Forderung einer Schleifung ist nicht realistisch“, betont Ladinser.

Zu Wort meldet sich auch Brigitte Foppa, Gemeinderätin der Grünen. Sie weist darauf hin, dass der beste Weg, um Frieden mit dem Denkmal zu schließen, jener wäre, einen Gedenkparcours zu installieren, wie es die Grünen schon seit langer Zeit angeregt hätten.

d/pir




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