Sonntag, 12. Februar 2012
12. März 2010
© 2010 © 2010 shutterstock
Lokal

Spielsucht stark verbreitet

Glücksspiele sind in Südtirol sehr beliebt und weit verbreitet. Allerdings nimmt es bei immer mehr Südtirolern krankhafte Ausmaße an.

In den vergangenen Jahren haben die Ausgaben für Glücksspiele in der Bevölkerung besorgniserregend zugenommen, warnte Peter Koler vom Forum Prävention heute auf einer Pressekonferenz in Bozen.

„Die Glücksindustrie ist zu einem der größten Industriezweige in Italien avanciert. Von Jahr zu Jahr steigen die Umsätze. Zwischen 2008 und 2009 ist der Sektor um weitere 13 Prozent gewachsen. Die Gesamtsumme beläuft sich auf mehr als 50 Milliarden Euro jährlich. Dem Staat bleiben dabei netto rund neun Milliarden Euro an Steuereinahmen“, listete Koler auf.

Ziel sei es, große Teile der Bevölkerung zum Spielen zu animieren und dadurch die leeren Staatskassen zu füllen. Für einige Glücksspieler mit fatalen Folgen: Allein im Zeitraum 2006 bis 2008 seien im Rodenecker Therapiezentrum Bad Bachgart 130 Patienten wegen Spielsucht ambulant behandelt und 60 Patienten stationär aufgenommen worden, erklärte dessen Direktor, Helmut Zingerle auf der Pressekonferenz.

Suizidrate sehr hoch

„In Südtirol dürfte ungefähr ein Prozent der Bevölkerung spielsüchtig sein. Das sind 5000 Menschen“, so Zingerle. Das Fatale daran: „Spielsüchtige sind besonders selbstmordgefährdet. 30 Prozent unserer Patienten haben schon Suizid-Versuche hinter sich.“

Bei den Patienten handle es sich vorwiegend um Männer, vielfach alleinstehend bzw. geschieden. Ihre bevorzugten Glückspiele seien Automatenspiele, Casino, aber auch Lotto, Videopoker, Rubbellose und Gratta e Vinci.

„Die meisten kommen erst nach zehn Jahren Sucht zu uns“

„Die Hälfte unserer Patienten leiden neben dem Glücksspielproblem auch an Alkoholsucht bzw. an psychischen Störungen wie Depressionen und Persönlichkeitsstörungen“, so Zingerle.

Der Weg zur Suchtbehandlung sei lang: „Die meisten Patienten kommen erst nach zehn Jahren Glücksspiel zu uns“, betonte der Direktor der Therapieeinrichtung. Die Sucht als solche sei nicht sofort erkennbar. Auffällige Symptome seien immer längere Spieleinheiten und „wenn das Spielen wichtiger als alles andere im Leben wird. Wenn sich jemand nur mehr auf das Spielen konzentriert und das Spiel den süchtigen Spieler als Gedanke verfolgt“, beschrieb Zingerle die Krankheitszeichen. Zunehmender Kontrollverlust sei die Folge: „Es vergehen oft Stunden, ohne dass jemand Hunger oder Durst verspürt.“

Broschüre erhältlich

Da das Risiko Glücksspiel für immer mehr Personen in Südtirol zum Problem wird, hat die Arbeitsgruppe „Spielsucht“ die Broschüre „Glücksspiel: Infos und Risiken“ herausgegeben. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Vertretern der vier Dienste für Abhängigkeitserkrankungen, des Vereins „Hands“, der Caritas Schlanders, des Therapiezentrums Bad Bachgart und aus Vertretern des Forum Prävention zusammen.

„Unser Ziel ist es, in der Bevölkerung das Bewusstsein für die mit dem Glücksspiel verbundenen Gefahren zu schärfen und Betroffene, aber auch Angehörige über Hilfsangebote zu informieren“, betonte Koler. Die Broschüre ist bei allen oben genannten Stellen erhältlich. Sie kann auch online bei www.forum-p.it bestellt werden.

stol




Hier können Sie den Artikel bewerten
 
 
On-Tour Fotos zum den Archiv