Eine gute Lederjacke hat ihren Preis. Doch wer macht nicht gerne ein Schnäppchen? Aber aufgepasst: Betrüger nutzen dies gerne aus. Beim Trick Nr. 3 auf unserer Liste der häufigsten Betrügereien in Südtirol handelt es sich um den sogenannten Lederjacken-Trick.
„Dieser Trick wird seit ein paar Jahren in Südtirols Städten angewandt“, weiß Ugo Lazzara. Es seien schon Viele darauf hereingefallen, auch Menschen, die sich normalerweise nicht so schnell hinters Licht führen lassen.
„Doch dieser Trick ist sehr gut gemacht“, stellt Lazzara fest, „fast alle Pensionisten, bei denen der Trick angewandt wurde, sind darauf hereingefallen.“
Und so geht’s: Das Opfer wird auf der Straße vom Betrüger namentlich angesprochen, der sich als ehemaliger Arbeitskollege ausgibt. Nun aber sei er Besitzer eines Unternehmens, das Lederjacken verkauft.
Der Betrüger gibt vor, erst von einer großen Bekleidungsmesse zurückgekommen zu sein und in seinem Auto noch übriggebliebene Messeware zu haben. Diese würde er verschenken oder günstig verkaufen.
Betrüger erschleicht sich Informationen
„Hier stellt sich die Frage: Wie kommt der Betrüger zum Namen des Opfers? Dazu nenne ich Ihnen ein Beispiel: Der Betrüger folgt der Person ab seiner Wohnung.
Nun geht sie z.B. in eine Bar, während der Betrüger draußen wartet. Das Opfer trinkt einen Kaffee und geht wieder, doch der Betrüger betritt nun seinerseits die Bar. Er trinkt ebenfalls einen Kaffee und meint zum Kellner: ‚Ach, wie heißt denn nochmal der ältere Herr, den ich eben aus der Bar hinausgehen habe sehen? Den kenn ich doch, er wohnt doch in dieser Gegend hier. Aber ich kann mich einfach nicht mehr an seinen Namen erinnern!‘“
„Unfreiwillig gibt der Kellner den Namen des Opfers preis. Und der Betrüger macht weiter: ‚Aber Herr X – ich weiß nicht mehr genau, was – hat doch hier in Bozen gearbeitet…‘. Und der Kellner: ‚Ja, er war ein Professor.‘“
Nun weiß der Betrüger genug. „Am nächsten Tag lauert der Betrüger seinem Opfer vor seinem Wohnhaus auf, verfolgt es und ruft es plötzlich: ‚Professor X, Professor X!‘ Die Person dreht sich um und trifft auf eine ihr unbekannte Person. Und der Betrüger: ‚Erinnern sie sich noch an mich? Ich bin ein ehemaliger Schüler von Ihnen!‘“
Schon erweckte der Fremde Vertrauen. „Natürlich kann sich das Opfer nicht alle seine Schüler oder Arbeitskollegen und Bekannten merken. Und da er vom Unbekannten beim Namen genannt wird und dieser auch seinen Beruf kennt, glaubt er nun wirklich, die Person kennen zu müssen“, erklärt Lazzara.
Die Geschichte mit den Lederjacken
Ist das Vertrauen erst einmal gewonnen, tischt der Betrüger seinem Opfer die Lederjacken-Story auf.
„Er habe ein Lederwarengeschäft in Belluno oder Vicenza, habe gerade eine Messe hinter sich und wolle die Messeware nun nicht wieder mit nach Hause nehmen und sie lieber verschenken.“ Nun bringt der Mann sein Opfer zu seinem Auto. Im Kofferraum befinden sich tatsächlich Lederjacken.
„Meist geschieht der Betrug hier, beim Auto, manchmal aber bringt der Betrüger die Ware aber auch in die Wohnung seines Opfers“, so Lazzara.
„Eine Jacke schenkt er seinem Opfer. Dann aber bietet er ihm eine weitere an – für seine Frau beispielsweise –, im Wert von angeblichen 500 Euro. Für den alten Bekannten macht er aber einen Freundschaftspreis: 300 Euro. ‚Fast geschenkt‘, betont der Betrüger natürlich.“
Billigware um mehrere hundert Euro verkauft
Was das Opfer in diesem Augenblick nicht erkennt: Die Lederjacken sind gefälscht. „Es handelt sich um Billigware, die nicht mehr als 20 bis 25 Euro wert ist“, erklärt Lazzara. Doch der Wunsch nach einem Schnäppchen lasse die Menschen unachtsam werden.
Vor allem Männer würden eher auf diesen Trick hereinfallen. „Hier versucht der Betrüger den Mann damit zu locken, seiner Frau oder den Kindern ein Geschenk zu machen. Ein Mann ist leichter zu überreden.“
Bis zu 600 Euro erbeuten Betrüger mit diesem Trick. „Ein Mann hat sogar 1000 Euro für Lederjacken ausgegeben. Sobald seine Frau die Jacken zu Hause gesehen hat, war sie entsetzt“, erzählt Lazzara.
Lesen Sie morgen: Trick Nr. 4: Die von einem Verwandten nicht bezahlte Ware
Barbara Raich/rb
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