Werbung - Redaktion - Montag, 21. Mai 2012
20. Januar 2010
Oft sind ältere Menschen Opfer von Betrügern © 2010 Oft sind ältere Menschen Opfer von Betrügern Oft sind ältere Menschen Opfer von Betrügern © 2010 shutterstock Oft sind ältere Menschen Opfer von Betrügern
Lokal

Trick Nr. 7: Der falsche Verwandte

„Letztens wird dieser Trick häufiger eingesetzt“, weiß Ugo Lazzara von der Fahndungsabteilung der Bozner Quästur. Der klassische Trick mit dem „falschen Verwandten“, oft auch „Enkeltrick“ genannt, steht unter den acht häufigsten Betrugsmaschen in Südtirol an siebter Stelle.

Die Lüge am Telefon

Bei diesem Trick wird das Opfer nicht wie bei vielen Betrügern üblich auf der Straße angesprochen, sondern von einer Frau angerufen. „Die Betrüger suchen sich meist alte, alleinstehende Menschen aus“, weiß Lazzara.

Das Gespräch laufe meist folgendermaßen ab:

Betrügerin: „Hallo Tante, wie geht’s, erinnerst du dich noch an mich?“.

Und die Frau: „Wer spricht denn – bis du das Klara?

Betrügerin: „Ja, ich bin’s, Klara. Wie geht’s denn, Tante? Was machst du so?“

An dieser Stelle beginnt die Frau von sich zu erzählen, nichts ahnend, dass am anderen Ende der Leitung nicht ihre Nichte, sondern eine Fremde spricht. Dabei gibt die alte Frau Informationen preis, die für die Betrügerin Gold wert sind, um das Gespräch glaubwürdig weiterzuführen.

„Verwandter“ in Geldnöten

Nach einem kurzen Gespräch aber rückt die Betrügerin mit ihrem Anliegen heraus: „Schau, ich bin gerade auf Durchreise in Bozen. In Meran habe ich ein Auto gekauft und eine Anzahlung von 7000 Euro gemacht. Jetzt muss ich noch 12.000 Euro bezahlen. Meinst du, du kannst mir helfen? Ich werde dir das Geld dann auch so schnell als möglich wieder zurückzahlen! Du musst wissen, dass das Auto nur in diesen Tagen so günstig angeboten wird – es ist im Angebot! Wenn ich es um diesen Preis haben will, muss ich sofort zahlen. Du wirst mir doch sicher helfen?“

Frau: „Hm, ja.. Aber ich habe nicht so viel Geld zu Hause, wie soll ich das denn anstellen?“

Betrügerin: „Hast du denn nichts auf der Bank? Wenn es nicht 12.000 Euro sind, dann vielleicht 10.000, oder 7000 Euro. Auch damit wäre mir schon geholfen.“

Frau: „In Ordnung, ich werden schauen, was ich machen kann.“

Laut Lazzara geschehen solche Anrufe meist zur Mittagszeit, wenn die Banken geschlossen sind. Am Nachmittag geht das Opfer auf die Bank und holt das Geld. Kurz darauf ruft die falsche Enkelin wieder an. Das Gespräch gehe dann meist ungefähr so weiter:

Betrügerin: „Hallo Tante, alles in Ordnung? Hast du das Geld geholt? Weißt du, leider schaffe ich es nicht selbst nach Bozen zu kommen, weil ich hier beim Autohändler in Meran bin. Aber ich schicke dir einen Freund vorbei, er heißt XY. Sobald er bei dir ist, kannst du ihm das Geld geben.“

Der vermeintliche Freund – ein Komplize – holt dann auch das Geld ab und verschwindet damit. „Oft denkt das Opfer erst dann über die ganze Sache nach, wenn alles vorüber ist. Es wird misstrauisch und ruft den (wahren) Verwandten – in diesem Fall die Enkelin – an.“ So fliegt der Schwindel auf – denn die Verwandte weiß natürlich nichts von dem Geld.

Wie aber kann die Anruferin wissen, dass sein Opfer eine Enkelin hat? Laut Lazzara sind es die Frage-Antwort-Spielchen, durch die Betrüger oft hinterlistig an Informationen kommen.

Betrüger: „Hallo Tante, weißt du noch, wer ich bin?“

Frau: „Wer bist du?“

Betrügerin: „Rate mal!“

Frau: „Bis du Klara?“

Betrügerin: „Genau, ich bin’s Klara!“

Wenn das Opfer keine Enkelkinder hat?

Und was, wenn das Opfer gar keine Enkelkinder hat? „Dann wird der Betrüger einfach auflegen. Diese Leute machen vielleicht 100 Versuche am Tag. Auf 100 Anrufe haben sie in sechs Fällen Glück und die Personen fallen auf sie herein. Einige von ihnen werden sich weigern, das Geld nicht persönlich zu übergeben. Von diesen sechs händigen dann vielleicht zwei das Geld auch wirklich aus.“

Dies reiche aber vollkommen, so Lazzara. „Innerhalb einer Woche werden so rund zehn Leute betrogen. Wenn die Betrüger von allen 10.000 Euro bekommen, ist das schon ein guter Verdienst!“

Betrüger schwer zu fassen

Auch in diesem Fall könne die Polizei meist wenig ausrichten. „Wir werden normalerweise erst dann über den Vorfall informiert, wenn er schon geschehen ist. Dann ist es schon zu spät.“

Die einzige Möglichkeit sei die Kontrolle der eingegangenen Anrufe. „Oft aber werden die Opfer von Telefonkabinen aus angerufen. Oder es handelt sich um gestohlene Handys bzw. ausländische Handynummern, die nur schwer zurückverfolgt werden können.

Lesen Sie morgen: Trick Nr. 8: Das vermeintliche Polizei-Zeitschriftenabo

Barbara Raich/rb




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