© 2012 D Hermann Brugger, Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin an der EURAC
© 2012 Archivbild
Der Fall des Südtirolers, der am Mittwoch nach über vier Stunden lebend aus einer Lawine geborgen worden war, grenzt laut dem Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin an der EURAC in Bozen, Hermann Brugger, an ein „Wunder“.
„Der wichtigste Faktor für das Überleben ist die Sauerstoffzufuhr“, erklärte Brugger am Donnerstag, denn sie sei dafür verantwortlich, dass die Körpertemperatur nicht rapide absinke.
Lediglich zehn Prozent aller Lawinenopfer würden jedoch eine Verschüttung jenseits von zwei Stunden überleben.
Der 39-Jährige habe also insofern „großes Glück“ gehabt, dass er nicht nur eine Atemhöhle, sondern auch eine Verbindung nach außen gehabt habe, betonte Brugger.
35 Grad Körpertemperatur
Ohne Atemhöhle sei das Schicksal innerhalb von 35 Minuten besiegelt, mit Atemhöhle aber ohne Sauerstoffzufuhr hätten die Verschütteten im besten Fall bis zu zwei Stunden eine Chance.
Bei ausbleibender Sauerstoffzufuhr sinke nämlich die Körpertemperatur mit bis zu neun Grad pro Stunde.
Und unter 32 Grad komme es zu Herzrhythmusstörungen und in weiterer Folge zum Herzstillstand.
Der Feldthurnser hatte zum Zeitpunkt der Einlieferung in das Krankenhaus immer noch eine Körpertemperatur von 35 Grad aufgewiesen.
„Das ist erstaunlich, da der Mann insgesamt vier Stunden und 20 Minuten unter dem Schneebrett lag“, sagte der Experte.
Die Atemhöhle habe sich dadurch gebildet, dass der Tourengeher unter sogenannten Schneeschollen zum Liegen kam, die durch windgepressten Schnee gebildet worden waren.
Diese hätten einen Spalt für die Sauerstoffzufuhr offen gelassen.
Tourengeher im Sarntal überlebte rund 24 Stunden unter Lawine
Neben dem wichtigen Faktor Sauerstoffzufuhr habe sicher auch die gute Kleidung ein allzu schnelles Auskühlen verhindert, erläuterte Brugger: „Auch die isolierende Schneedecke trägt ihres dazu bei.“
Laut seinen Schilderungen habe der 39-Jährige kaum Kälte verspürt und auch kein Kältezittern gehabt, berichtete der Mediziner, der mit dem Mann nach seinem Lawinenunfall sprach.
Das liege vermutlich daran, dass die CO2 angereicherte Atemluft zu einer Gefäßerweiterung an der Körperperipherie geführt habe.
Ihm sei nur ein extremerer Fall bekannt, sagte Brugger. Vor rund zehn Jahren habe ein Tourengeher im Sarntal rund 24 Stunden unter einer Lawine gelegen und überlebt.
Dem Verschütteten war es damals gelungen, durch Rütteln an seinem Skistock ein Loch freizulegen, das eine Luftzufuhr ermöglichte.
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