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Artikel vom 18. Juli 2012

Von Vals ins All: Forschen für ESA

Möglichst schönes Wetter – das wünschen sich in Südtirol viele: Schüler, Urlauber aber auch all jene, die für Gastbetriebe arbeiten. Und seit Montag gehören zu diesem Kreis auch zwei deutsche Forscher.

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In Jena werden die Sternsensoren hergestellt.© Jena-Optronik GmbH

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Detailarbeit: Die Fertigung der Sternsensoren © Jena-Optronik GmbH

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Matthias Pischeli und Steve Fröhlich, zwei Männer um die 30, kommen aus Jena  in Thüringen. Sie gehen ein sogenanntes Realsky-Experiment an, wachen dafür auf 2.100 Metern Meereshöhe auf Jochtal und schauen gespannt in den Himmel.

Südtirol Online hat bei den Forschern nachgefragt.

Südtirol Online: Sie gucken im Eisacktal nach den Sternen – warum?

Steve Fröhlich: Wir arbeiten für die Firma Jena-Optronik. Primär bauen wir Sternsensoren.

STOL: Was sind Sternsensoren?

Fröhlich: Sternsensoren werden für die Raumfahrt verwendet und dienen der Lageregelung von Satelliten. Sie sind ein navigatorisches Instrument.

STOL: Das heißt die Sternsensoren dienen zur Orientierung?

Fröhlich: Genau. Die Sterne haben eine charakteristische und gut vermessene Verteilung am Himmel. Die Bestimmung ihrer Position ermöglicht daher die hochgenaue Ausrichtung eines Satelliten bzw. sie ermöglicht, seine Instrumente richtig einzustellen.

STOL: Um welche Instrumente handelt es sich?

Fröhlich: Das kann eine Art Kamera sein oder auch Antennen: Die müssen zum Beispiel genau auf die Erde zeigen, um Telefonate oder Fernsehsignale gut zu übertragen.

STOL: Ihre Aufgabe liegt im Bau der Sternsensoren. Sie liefern also ein Instrument, das hilft, einen Satelliten so auszurichten, damit er seine Aufgabe erfüllen kann. Arbeiten Sie dabei gerade an einem bestimmten Auftrag?

Fröhlich: Wir liefern unsere Sensoren aber an Satellitenhersteller und Raumfahrtagenturen weltweit. Letzten Endes ist in diesem Fall die ESA unser Kunde, die Europäische Raumfahrtbehörde. Die Satelliten, zu deren Ausrichtung wir aktuell mit unseren Sternsensoren beitragen sollen, sind für die Erdbeobachtung gedacht. Die Satelliten überwachen Meere und die Höhe der Wellen. Sie können wichtige Informationen liefern – zum Beispiel beim Thema Klimawandel. Oder denken Sie an ein Tsunami-Szenario: Anhand des Satelliten könnte man sehen, wie weit das Wasser ins Land gezogen ist, welche Gebieten vielleicht abgeschnitten sind und wo man konkret helfen muss.

STOL: Um die Sterne genau erkennen zu können, befinden Sie sich jetzt Eisacktal.

Fröhlich: Richtig. Wir können den Sternenhimmel natürlich auch künstlich im Labor nachstellen. Später muss aber der Satellit am natürlichen Sternenhimmel arbeiten – und deshalb nun das Realsky -Experiment, also das Experiment mit "echtem Himmel".

STOL: Und warum in Südtirol?

Fröhlich: Das Besondere hier ist die Höhe. Die Erdatmosphäre trübt den Blick. Je höher man ist, desto dünner wird die Atmosphäre, durch die wir gucken müssen. Der Blick auf die Sterne wird klarer, trotzdem wird man nie das erreichen, was man im Weltall sieht. Ein weiterer Punkt ist die Rundumsicht: Ich habe hier kaum noch einen Berg, der mir den Blick zum Himmel versperrt.

STOL: Und wieso das Jochtal?

Fröhlich: Mein Arbeitskollege war letzten Winter zum Skifahren auf dem Gitschberg und hat dann bemerkt, wie klar die Nacht hier ist.

STOL: Also sind die Bedingungen gut?

Fröhlich: Gut schon – aber die astronomische Dämmerung fehlt.

STOL: Astronomische Dämmerung?

Fröhlich: Das bedeutet, dass sich die Sonne, nachdem sie gesunken ist, mindestens 18 Grad unter dem  Horizont befindet. Dann ist es richtig dunkel. Da aber gerade Sommer ist, gibt’s die astronomische Dämmerung hier im Moment nicht. Das Experiment wollen wir aber trotzdem durchziehen – von circa 23 bis 5 Uhr. Wobei die Bedingungen früh am Morgen natürlich schon nicht mehr so gut sind.

STOL: Hat das Experiment schon begonnen?

Fröhlich: Nein. Wir planen bis Freitag in Südtirol zu bleiben, aber alles hängt vom Wetter ab. Wir brauchen eine sternenklare Nacht, keine Wolke am Himmel. Das sind die besten Bedingungen, dann können wir unsere Experimente durchführen. Wenn das nicht klappt, müssen wir wieder unverrichteter Dinge abreisen.

pg