Sonntag, 14. März 2010
11. November 2009
Foto-Quelle: Staatspolizei © 2009 Foto-Quelle: Staatspolizei Foto-Quelle: Staatspolizei © 2009 Foto-Quelle: Staatspolizei Für Dominik Fabian Defatsch klickten die Handschellen - Foto-Quelle: Staatspolizei © 2009 Für Dominik Fabian Defatsch klickten die Handschellen - Foto-Quelle: Staatspolizei
Lokal

„Naturnser Hitlerjugend": 19-Jähriger verhaftet

Die Ermittlungen der Operation „Schwarzer Fleck“ gegen Mitglieder der so genannten Neuen Hitlerjugend-Szene in Naturns liefen bereits seit Oktober 2008.

Heute klickten für einen 19-jährigen Naturnser die Handschellen. 16 weitere Jugendliche, darunter auch neun Minderjährige im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, wurden angezeigt. 13 der 17 Mitglieder der Naturnser Hitlerjugend (HJN) stammen aus Naturns, drei aus Plaus und einer aus Latsch.

Insgesamt waren 60 Polizisten bei Hausdurchsuchungen im Einsatz. Dabei wurden mehrere Computer und Handys mit angeblich nazistischem Material sichergestellt. Waffen oder Drogen wurden nicht gefunden.

Eltern zeigten sich bei Hausdurchsuchungen unbesorgt

„Die meisten Eltern schienen nicht besonders besorgt oder aufgeregt, als die Polizei zur Hausdurchsuchung kam“, betonte Digos-Chef Giorgio Augusto Porroni heute auf einer Pressekonferenz in Bozen.

Auf die Spur der Gruppe war die Digos durch eine Routinekontrolle in Naturns im Oktober 2008 gekommen. Dabei wurde die Polizei auf eine Mitgliedskarte der „Hitlerjugend Naturns“ aufmerksam. Seither liefen versteckte Ermittlungen und Telefonüberwachungen unter dem Namen „Schwarzer Fleck“. Koordiniert wurden die Ermittlungen von Staatsanwalt Paul Ranzi.

„Aus dem Ermittlungen ging hervor, dass Dominik Fabian Defatsch der Kopf der Gruppe ist“, so Porroni. Er wurde heute festgenommen.

"Die Mitglieder der Gruppe mussten Defatsch um Erlaubnis bitten, wenn eine Aktion gegen jemanden geplant war. Die Opfer waren nach den Übergriffen meist so eingeschüchtert, dass sie uns nichts sagen wollten. Selbst als wir Fotos von den mutmaßlichen Tätern vorlegten, die ja aus dem selben Dorf waren und die sie kannten, leugneten sie, die Jugendlichen zu kennen", sagte Augusto Porroni.

Übergriffe bereits im Mai und im Juni geplant

Neben Nazi-Propaganda im Internet fielen die HJN-Mitglieder durch tätliche Angriffe auf. „Im Mai in Staben und im Juni in Rabland waren Angriffe gegen Punks und Linke geplant, die wir verhindern konnten. Die Gruppe wollte gegen Andersdenkende gewalttätig werden“, erklärte Porroni.

Zu einem tätlichen Angriff kam es dann am Abend des 5. Juli in Rabland, als drei Personen, darunter ein Pole, angegriffen und geschlagen wurden. Auch dafür werden Mitglieder der HJN verantwortlich gemacht. Beim Angriff riefen die Täter nazistische bzw. ausländerfeindliche Parolen und erhoben die Hände zum Hitlergruß.

Die drei Opfer, die schon ein Taxi bestellt hatten, bevor sie angegriffen wurden, konnten schließlich flüchten und mit dem Taxi entkommen.

"Im Juli wurde die Gruppe vorsichtiger"

„Als im Juli Gerüchte zirkulierten, dass die Polizei ermittelt, wurden die Mitglieder der Gruppe vorsichtiger. Nazi-Material im Netz wurde offline gestellt und auch bei Telefongesprächen wurde weniger explizit gesprochen“, so der Digos-Chef.

Dominik Fabian Defatsch, der als Maler arbeitet, war bereits im März 2009 verhaftet worden, nachdem er im Februar in Kastelbell einen 17-jährigen Vinschger tätlich angegriffen und brutal zusammengeschlagen hatte.

Defatsch wird vorgeworfen, gegen das „Mancini“- Gesetz (Verbreitung von rassistischem Gedankengut) verstoßen zu haben. Er wird u.a. auch für körperliche Gewalt verantwortlich gemacht.

Kontakte zu politischen Parteien oder zu Gleichgesinnten in Südtirol der mutmaßlichen HJN-Mitglieder gab es keine, betonte Porroni.

Allerdings habe es Kontakte und gelegentliche Reisen nach Deutschland gegeben, wo sich Mitglieder der Gruppe mit Nazi-Material versorgt hätten. Diese Kontakte seien aber nicht bedeutsam gewesen.

Kontakt zu vier Verhafteten der Operation „Odessa"

18 Monate nach der Operation „Odessa" ist der Digos damit neuerlich ein Schlag gegen die HJ-Szene im Land gelungen. Im Rahmen von „Odessa" klickten im April 2008 für 16 Neonazis aus dem Meraner Raum die Handschellen. Damals wurde auch zahlreiches rechtsextremes Material sichergestellt.

Eine direkte Verbindung zwischen den Operationen „Odessa" und „Schwarzer Fleck" bestehe nicht, betonten die Ermittler auf der heutigen Pressekonferenz in der Quästur Bozen. Allerdings sollen vier Jugendliche, die heute angezeigt wurden, zu „Odessa"-Verdächtigen Kontakt gehabt haben.

HJ-Szene im Burggrafenamt hat bereits des Öfteren für Aufsehen gesorgt

Die rechtsradikale Szene im gesamten Burggrafenamt und vor allem in Naturns hatte bereits im vergangenen Juli für Aufsehen gesorgt.

Damals war bekannt geworden, dass die Carabinieri in Naturns 15 bis 20 Jugendliche der rechtsradikalen Szene zuordnen seien. Medienberichten vom Sommer zufolge sollen allerdings 70 Jugendliche der sogenannten Neuen Hitlerjugend angehören.

Damals hatten die Gemeindeverantwortlichen mit Verwunderung auf die Hitlerjugend-Vorwürfe reagiert. Man habe die ideellen und materiellen Voraussetzungen für eine offene und eine vereinsgebundene Jugendarbeit geschaffen.

Das Jugendzentrum Naturns habe sich eine große Sachkompetenz in der Betreuung der Jugendkulturen erarbeitet. Das Jugendzentrum und der Jugenddienst sind Gründungsmitglieder des Streetworkervereins Strymer.

Die Zusammenarbeit zwischen den Jugendarbeitern vor Ort und den Streetworkern sei sehr gut, betonte der Gemeindeausschuss.

Aufgrund dieser Betreuung kenne man die Gruppe, die rechtsradikales Gedankengut vertrete und habe spezielle Sensibilisierungsprogramme initiiert, erklärte der Naturnser Gemeindeausschuss im Juli.
Zudem begrüßte er den vom Landeshauptmann vorgeschlagenen Runden Tisch und unterstützt die Aktion der Bezirksgemeinschaft.

st/rb/joi

Das Video zu den Ermittlungen wurde heute von der Bozner Quästur veröffentlicht:

Fotos: Operation "Schwarzer Fleck"

Klicken Sie auf ein Bild um in den Vollbildmodus zu gelangen
Hier können Sie den Artikel bewerten
 

Panorama

Mark Owen
Take-That-Sänger Mark Owen in Entzugsklinik

Take-That-Sänger Mark Owen (38) will sein Alkohol- und Eheproblem in einer Entzugsklinik in den Griff bekommen. weiterlesen

Sport

Arjen Robben
Robben rettet Bayern

Serie ausgebaut, Platz eins verteidigt - Bayern München hält dank Arjen Robben auch mit der zweiten Garde die Titelkonkurrenz in Schach. weiterlesen

Politik

EU plant angeblich Kredite oder Kreditgarantien für Griechenland

Die Finanzminister der Euro-Zone werden nach Angaben eines ranghohen EU-Vertreters am Montag voraussichtlich die Grundzüge für ein Griechenland-Hilfspaket beschließen. weiterlesen

Wirtschaft

„Brauchen eine neue ‚Kaminkultur’“

Zu einer gemeinsamen „Kaminkultur“ und damit zu einem stärkeren Bewusstsein für den normgerechten Kaminbau rief der Obmann der Kaminkehrer im Landesverband der ... weiterlesen

Chronik

Skifahrer fällt in Bach

Ein Skifahrer hat sich am Samstagabend im Gadertal bei einem Freizeitunfall schwere Verletzungen zugezogen. weiterlesen

Kultur

Gustav Kuhn versucht sich als Deejay
„DJ Kuhn im Rosengarten“: Gustav Kuhn mixt CD - Hörprobe

Maestro Gustav Kuhn zeigt sich mit seinem neuesten Projekt von einer ungewohnten Seite: Als Deejay komponiert er einen „Laurin Lounge Mix“ und verwandelt sich in „DJ Kuhn ... weiterlesen

Anzeige