„Sag mir, wo du zur Schule gehst und ich sage dir, wie viel du weißt.“ Das ist das Fazit einer aktuellen Studie über die öffentliche Schule in Italien, die heute in Rom präsentiert wurde.
Der Bericht der Turiner Fondazione Agnelli zeigt auf, was spätestens seit der PISA-Studie bekannt ist: Die Schüler im Norden sind besser als jene im Süden Italiens.
Und – dies betont die Studie – die Kluft zwischen Norden und Süden wird immer größer. Denn allein schon der Standpunkt der Schule bestimmt oftmals über den Erfolg der Schüler, heißt es in der Studie.
Im Norden zu studieren, bedeutet für einen Schüler bereits von vornherein Vorteile: Laut Studie erreicht ein solcher Schüler rund 68 PISA-Punkte mehr, als ein Mitschüler im Süden.
Eine weitere erschreckende Erkenntnis der Studie: Ein 15-Jähriger, der heutzutage eine süditalienische Schule besucht, ist etwa auf dem schulischen Niveau eines 13-Jährigen einer norditalienischen Schule.
Vor allem bei den neuen Technologien gebe es große Unterschiede: Während in Südtirol einer von fünf Schülern einen Computer in der Schule benutzt, ist es südlich von Neapel einer von 27 Schülern.
Dies mag auch damit zusammenhängen, dass die Lehrpersonen in Italien die ältesten Europas sind. Ihr Durchschnittsalter beträgt laut Erhebungen von 2009 40 Jahre (in Apulien und Kampanien 42,2 Jahre).
Nur 24,6 Prozent von ihnen ist dem Gebrauch von Computern in der Schule nicht abgeneigt, sechs Prozent halten ihn für unbedingt notwendig.
Schlecht genutzte Ausgaben
In den Ausgaben für die Bildung ist der Grund für diese Kluft allerdings nicht zu finden. Insgesamt investiert Italien 3,5 Prozent des BIP in die Schule und liegt damit nur knapp unter dem Durschnitt der OECD-Staaten von 3,8 Prozent (OECD = Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ihr gehören 31 Staaten an).
Wie aus der Studie hervorgeht, ist der Autonomen Region Trentino-Südtirol Bildung am meisten Geld wert: Für einen PISA-Punkt werden hier 165 Euro ausgegeben.
Allerdings gibt auch der Süden einiges für Bildung aus: 148 Euro pro PISA-Punkt sind es auf Sardinien, 130 Euro auf Sizilien. Im Veneto sind es 113 Euro, in der Lombardei 120 Euro.
Die Resultate aber lassen vielfach zu wünschen übrig und sind keineswegs homogen.
Erfolge durch die Bildungsreform?
In die Bildungsreform von Unterrichtministerin Mariastelle Gelmini setzen die Macher der Studie nun ihre Hoffnungen. Sie könnte die Situation verbessern.
Die umstrittene Reform sieht die Streichung von 87.000 Lehrerstellen und 44.500 Jobs im administrativen Schulbereich innerhalb der nächsten drei Jahre vor, was dem Staat Einsparungen im Wert von sieben Prozent der jährlichen Ausgaben für die Schulen bescheren soll.
Berlusconi will außerdem das Budget der Universitäten kürzen.
Zudem sollen Schüler künftig wegen schlechten Benehmens durchfallen können. Volksschüler sollen fünf Jahre lang vom gleichen Lehrer unterrichtet werden und Schuluniformen tragen (Südtirol ist hier ausgenommen).
Wird das eingesparte Geld wieder in die Bildungseinrichtungen zurückfließen, so die Studie, kann es eine Chance für die Schule in Italien geben.
Empfohlen wird, die Zahl der Repetenten und die Absprungrate (derzeit haben 20 Prozent der Italiener zwischen 20 und 24 nur einen Mittelschulabschluss) zu verringern und die Lernerfolge zu erhöhen.
Und in Zukunft soll nicht mehr auf die „Inputs“, also auf die Ausgaben für die Schule, geachtet werden, sondern auf die „Outputs“, auf die Ergebnisse der Schüler.
Barbara Raich
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