Martin Scorseses „Hugo Cabret“ und der Stummfilm „The Artist“ von Michel Hanazavicius sind mit elf bzw. zehn Nominierungen die großen Favoriten für die diesjährige Oscar-Verleihung.
Beide Werke wurden sowohl in der Königskategorie „Bester Film“ als auch nicht zuletzt für die beste Regie, die beste Ausstattung und die beste Kamera nominiert, gab die Academy of Motion Picture Arts and Sciences am Dienstag das Tableau bekannt.
Etwas abgeschlagen mit je sechs Nominierungen liegen „Moneyball“ mit Brad Pitt und Steven Spielbergs „Gefährten“ (War Horse). Die Oscars werden am 26. Februar in Hollywood zum 84. Mal vergeben. Zum neunten Mal steht US-Komiker Billy Crystal als Moderator auf der Bühne.
Mit den Toppositionen für „Hugo Cabret“ und „The Artist“ feiert Hollywood mit modernen Mitteln die Vergangenheit des Kinos. Scorseses Kinderbuchverfilmung nimmt in 3D Bezug auf George Melies und die Anfänge des Films, Hanazavicius lässt in gestochen scharfen Schwarz-Weiß-Bildern die Stummfilmära der Traumfabrik wieder aufleben.
Im Gegensatz zu „Hugo Cabret“ ist „The Artist“ auch in den Darstellerkategorien nominiert: Der Franzose Jean Dujardin wetteifert um den „Besten Schauspieler“ mit Brad Pitt, George Clooney („The Descendants“) und Gary Oldman („Dame König As Spion“). Berenice Bejo wird versuchen, sich bei den Nebendarstellerinnen u.a. gegen Jessica Chastain und Octavia Spencer (beide „The Help“) durchzusetzen.
Die Kategorie der „Besten Schauspielerin“ werden sich wohl Meryl Streep als Margret Thatcher („The Iron Lady“) und Michelle Williams als Marilyn Monroe („My Week With Marilyn“) ausmachen.
Auch Glenn Close als „Albert Nobbs“, also eine als Mann verkleidete Frau in Irland zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, darf sich Chancen ausrechnen.
Rooney Mara spielt in der amerikanischen Version von „Verblendung“ die Rolle, die im schwedischen Original Noomi Rapace hatte.
Ein Überraschungserfolg des vergangenen Kinojahres war das Sozialdrama „The Help“, dessen Hauptdarstellerin Viola Davis nun ebenfalls einen Oscar ergattern kann.
„The Help“ war mit 169,9 Mio. Dollar an den Kinokassen der erfolgreichste aller nominierten Filme.
Die diesjährige Verleihung wird wohl zu einem Treffen der Altmeister geraten: Bei den Schauspielern brillierten Meryl Streep und George Clooney, bei den Regisseuren finden sich mit Martin Scorsese, Steven Spielberg, Woody Allen („Midnight in Paris“) und Terrence Malick („The Tree of Life“) gleich vier seit langem etablierte Filmemacher unter den aussichtsreichsten Kandidaten.
Auch Deutschland darf mit der Nominierung für „Pina“ von Wim Wenders einem Altmeister die Daumen drücken.
Große Überraschungen blieben dagegen aus. Einige Kommentatoren wunderten sich vielleicht, dass es weder Spielbergs „Die Abenteuer von Tim und Struppi“ noch der Pixar-Film „Cars 2“ unter die besten fünf nominierten Animationsfilme geschafft haben, andere über die ausgebliebenen Nominierungen für Michael Fassbender, Leonardo DiCaprio oder Jungstar Ryan Gosling.
Dafür scheinen in vielen Kategorien die Gewinner noch recht offen zu sein: Höchstens beim Auslands-Oscar wird voraussichtlich wenig am iranischen Film „Nader und Simin – Eine Trennung“ von Asghar Farhadi vorbeiführen, der auch für das beste Drehbuch nominiert ist.
Karl Markovics mit „Atmen“ hatte sich schon vorab aus dem Rennen verabschiedet.
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