Alle Jahre wieder überraschen Low-Budget-Filme an der Kinokasse. Ob „Blair Witch Project“ (1999) oder „Open Water“ (2004), stets sollten die verwackelten Aufnahmen als vermeintlich authentische Bilder den Zuschauer das Fürchten lehren.
Jetzt ist der US-Horrorstreifen „Paranormal Activity“ in den Kinos.
Angeblich für rund 15.000 Dollar produziert, spielte der Film bisher weltweit über 100 Millionen Dollar ein. Das Kammerspiel erzählt von einem Pärchen, in dessen Haus es nachts spukt.
Börsenmakler Micah tritt gegen die Geister mit moderner Technik an. Er filmt sein Schlafzimmer nachts und sieht sich die Bilder nach dem Aufwachen im Schnelldurchlauf an.
War da nicht ein Schatten? Warum fiel die Tür zu, obgleich es doch gar keinen Luftzug geben konnte? Immer häufiger wecken Geräusche das Ehepaar auf.
Letztlich haben alle Horrorfilme das gleiche grundsätzliche Problem: Warum verschärfen die Protagonisten mit ihrem unlogischen Handeln die Situation, anstatt vor der Gefahr einfach wegzulaufen?
Regisseur und Autor Oren Peli beantwortet diese Frage mit einer reichlich konstruierten Geschichte. Studentin Katie wird schon seit ihrer Kindheit von Geistern verfolgt. Ein Davonlaufen wäre zwecklos, sie müsse sich ihren Ängsten stellen, heißt es.
Doch genau an dieser Eindeutigkeit krankt der Film: Es wird nie infrage gestellt, dass es den bösen Dämon gibt. Dabei erhöht beim Zuschauer doch gerade Unsicherheit über das Gesehene den Nervenkitzel.
Hinzu kommt ein ungewollt humoristischer Aspekt: Ein Geister-Experte gibt mäßig erfolgversprechende Ratschläge und flieht später vor der „negativen Energie“ panisch aus dem Haus. Das wirkt eher komisch, zumal die schauspielerischen Leistungen dürftig sind.
Interessanter als der konventionelle Film-Spuk ist die Entstehungsgeschichte der Low-Budget-Produktion. Der Israeli Peli kam den Pressenotizen zufolge als Videospiel-Programmierer nach Kalifornien.
In San Diego zog er mit seiner Freundin in ein Haus ein. Dort brachte ihn manch merkwürdig knarrende Tür auf die Filmidee. Er schrieb das Drehbuch, ließ 2006 in seinem Haus mit Mini-Crew binnen sieben Tagen drehen und machte den Schnitt danach selbst am Computer.
Peli schickte den fertigen Film zu kleinen Filmfestivals, wurde bei Produzenten vorstellig und ließ sich auch von Absagen nicht entmutigen. Seine Beharrlichkeit wurde belohnt, drei Jahre nach dem Dreh gab es grünes Licht von einem großen Filmstudio.
Wie schon bei „Cloverfield“ (2008) nutzten Werbeexperten besonders das Internet für das Marketing. Der Film wurde zunächst nur in einigen Kinos gezeigt.
Erst als eine Million Nutzer den „Demand-It- Button“ auf der Film-Webseite angeklickt und damit ihr Interesse für den Streifen ausgedrückt hatten, folgte der große Kinostart.
Ein semiprofessioneller Streifen, der gewissermaßen als „Home-Video“ aufgenommen worden war, wurde zum Kassenschlager - für den jungen israelischen Filmemacher ging damit wohl sein „American Dream“ in Erfüllung.
dpa
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