Was kostet die Welt? Um diese programmatische Frage kreist ein junger Südtiroler Spielfilm, der vor geladenem Publikum im Cineplexx in Bozen Premiere hatte.
Der Film erzählt vom Lieben und Leiden, von Hoffnung und Enttäuschung junger Menschen im Südtirol unserer Zeit und richtet dabei seinen inhaltlichen Fokus auf das Verhältnis der Jugendlichen zum Geld.
Gerade diese Jugendlichen sind nämlich in der landläufigen Vorstellung der Inbegriff von heroischem Idealismus, großartigen Zukunftsentwürfen und selbstlosem Einsatz für Umweltschutz, Tierschutz und mehr Gerechtigkeit auf der Welt. Mutige Weltverbesserer mit wenig Einblick in die reale Tagespolitik und noch weniger Verständnis für notwendige Kompromisse zwischen Pflichterfüllung und Selbstentfaltung.
Dieses über Generationen überlieferte, von Literatur und Psychologie untermauerte Bild des traumwandlerischen Idealisten prallt hart auf die Leistungsanforderungen unserer Welt und hat den bekannten Südtiroler Filmemacher Jochen Unterhofer lange Zeit beschäftigt.
In seinem 44-minütigen Spielfilm „Was kostet die Welt“, den er im Auftrag der Raiffeisenkassen Südtirol gedreht hat, beschäftigt sich Unterhofer nun mit der Kehrseite dieses Idealismus. Er fragt ganz konkret nach den finanziellen Vorstellungen der Jugendlichen, nach ihrer Beziehung zum eigenen bzw. zum Geld ihrer Eltern und entwirft dabei ein sehr realitätsnahes und spannendes Bild der jungen Erwachsenen in Südtirol.
Die hübsche Bauerntochter mit wenig Verständnis für die Geldsorgen ihrer Familie und dem schulischen Fleiß ihrer besten Freundin verliebt sich in den ebenso hübschen Sohn wohlhabender Eltern, der sie zuerst mit teuren Geschenken umgarnt und dann sehr bald wieder aus ihrem Leben verschwindet. Die traurige Liebesgeschichte, die es in deutscher und italienischer Version gibt, findet ein jähes Ende und öffnet inmitten der ersten großen Enttäuschung den Blick auf neue Möglichkeiten der Selbstverwirklichung.
Ein klassischer Liebestragödienstoff also, etwas plakativ und wenig überraschend, aber überzeugend in seiner aufklärerischen Beispielhaftigkeit. Das Mädel findet seinen Stolz wieder, lernt auf eigenen Füßen zu stehen und ihren Visionen zu folgen. Der verwöhnt-vereinsamte Junge erfährt seinerseits, dass man mit Geld nicht alles kaufen kann.
Buch von Selma Mahlknecht
Die junge Südtiroler Autorin Selma Mahlknecht hat das Buch zur Idee von Jochen Unterhofer verfasst und den Figuren, die in der deutschen Version den Südtiroler Dialekt verwenden, durch die Schlichtheit und die Alltäglichkeit der Dialoge durchaus Glaubwürdigkeit verliehen.
Verblüffend professionell machen ihre Sache die von der Schauspielerin Simone Mayr betreuten jugendlichen Laienschauspieler, allen voran Myrjam Lun, Sara Caminetti und Johannes Springeth. Voller Enthusiasmus und Energie erzählen sie dann auch von der „schönsten Zeit ihres Lebens“, in der das Filmteam um Regisseur Jochen Unterhofer und Kameramann Peter Pfund unter begrenzten Produktionsbedingungen intensivste Arbeit geleistet hat.
Aus diesem mutigen Projekt ist ein durchwegs sehenswerter Film geworden, der dank der innovativen RED Digital Aufnahmetechnik eine Bildauflösung auf Kinoniveau ermöglicht.
Der Spiegel, den Jochen Unterhofer dabei der Südtiroler Gesellschaft vorhält, verzerrt nicht, sondern dokumentiert exemplarisch unterschiedliche Einblicke und familiäre Realitäten und zeichnet die Jugendlichen trotz aller Kritik mit sehr viel Verständnis und Nähe. Hoffnungsvoll vertrauen sie am Ende auf ihre eigenen Talente und wagen den Weg in eine unsichere Zukunft. Ein schönes Omen für alle Jugendlichen in Südtirol – und vielleicht ein Zeichen dafür, wie wirkungsvoll eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kultur sein kann.
Jutta Telser
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