Donnerstag, 02. September 2010
06. Februar 2010
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Kino / TV

„Zeiten ändern dich“: Bushidos Film

Nicht viele Musiker haben eine Karriere vorzuweisen, die interessant genug scheint, um auch als Kinofilm nacherzählt zu werden.

Bushidos Weg zum erfolgreichen deutschen Rapper schien Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel aber genug Stoff zu bieten, um diesen unter dem Titel „Zeiten ändern dich“ zu verfilmen.

Herausgekommen ist dabei kein Bio-Pic, sondern eine Mischung aus Milieustudie, „Coming of Age“-Drama und Aufsteigermärchen, in dem sich der 31-jährige Hip-Hopper die meiste Zeit selbst spielt.

Eine Fahrt im Tourbus bietet dabei den Rahmen. In diesem sitzt Anis Mohamed Ferchichi, wie der Sohn eines Tunesiers und einer Deutschen mit bürgerlichem Namen heißt, am Höhepunkt seiner Karriere.

Eine Geburtstagskarte seines gewalttätigen Vaters, mit dem er jahrelang keinen Kontakt hatte, ist ihm dann Anlass, Rückschau auf sein von Wut und Hass geprägtes Leben zu halten.

Drehbuchautor Eichinger nimmt dabei die Bushido-Biografie nur als Grundlage und versucht stattdessen mehrere Blickwinkel auf den Rapper mit dem Gangsterimage zu werfen.

Zum einem sind es die tristen Verhältnisse, die das Leben des jungen Anis ausmachen. Seine Mutter, gespielt von Hannelore Elsner, scheint der einzige Halt zu sein.

Der zweite Strang ist eine Art Entwicklungsgeschichte, in dessen Verlauf Bushido sich seinen eigenen negativen Seiten stellen wird - die eigentliche Rap-Karriere selbst nimmt erst ab dem zweiten Teil des Streifens wirklich Raum ein.

Bushido ist dabei aber ohnehin immer Bushido, ob er nun als Jugendlicher mit mütterlichem Startkapital eine Karriere als Drogendealer startet, oder wenn er als Bürgerschreck mit Migrationshintergrund bei den Eltern seiner gut betuchten Freundin Selina (Karoline Schuch) auftaucht, der er später die Nase blutig schlagen wird.

Seine Musik selbst nimmt gerade am Anfang nicht den erwarteten Stellenwert ein und in Summe hat „Zeiten ändern dich“ auch bei weitem nicht das verstörende Potenzial eines durchschnittlichen Bushido-Songs.

Seine kontroversiellen Titel hört man im Film nicht, ein paar Schlägereien unterstreichen dafür das Image vom bösen Buben, der aber natürlich ein gutes Herz hat.

Gegen Ende, wenn der laut Eichinger als Reise aufgebauter Film langsam ins Finale in Form eines Auftritts vor dem Brandenburger Tor mündet, wird es gar ein wenig rührselig.

Sein Berater und Mann für grobe Verhandlungen namens Arafat (Moritz Bleibtreu) gebärdet sich da als eine Art Ghetto-Yoda und offenbart Bushido, dass er erst frei sein wird, wenn kein Hass mehr in seiner Seele ist.

Dazu muss Bushido sich knapp vor dem Konzert mit seinem inzwischen gebrechlichen Vater versöhnen. Mit diesem auf der Rückbank rast man dann zurück zum Brandenburger Tor, wo Cameo-Gast Karel Gott inzwischen „Biene Maja“ singt.

Nach der großen Versöhnung von Vater, Mutter und Kind endet der Film dann mit dem rappenden Bushido, dessen letzte Worte „Alles wird gut“ lauten.

Vergleicht man „Zeiten ändern dich“ mit dem ähnlich gelagerten Werk “8 Mile“ über den US-Rapper Eminem aus dem Jahr 2002, so scheint mit dem Bushido-Film zumindest ein für die Zielgruppe ansprechendes Werk gelungen zu sein.

Wer aber nicht zu den Fans des selbst ernannten „Staatsfeindes Nr.1“ zählt, der sollte sich eher auf cineastische Durchschnittskost einstellen, was daran liegen mag, dass man eine Geschichte im klischeebeladenen Genre „Gangsta-Rap“ wohl auch unmöglich ganz ohne solche erzählen kann.

dpa

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