Samstag, 04. Februar 2012
26. September 2010
Heidi Gronauer © 2010 Heidi Gronauer Heidi Gronauer © 2010 D Heidi Gronauer
Kino / TV

Zelig-Direktorin: „Damit kann Südtirol punkten"

Mit elf Filmen haben 27 Studenten ihren dreijährigen Ausbildungszyklus in der Bozner Dokumentarfilmschule Zelig abgeschlossen. Gezeigt wurden die Filme am 24. und 25. September im Bozner Filmclub beim zweiten ZeLIG FilmFest, das nur alle drei Jahre stattfindet.

STOL hat mit Zelig-Direktorin Heidi Gronauer über das FilmFest, aber auch über den aufstrebenden Filmstandort Südtirol und über die Filmschule gesprochen.

Südtirol Online: Wie fällt Ihre Bilanz des ZeLIG FilmFest 2010 aus?

Gronauer: Sehr positiv. Zwei Dinge haben mir besonders gut gefallen. Einerseits, dass der Kinosaal an beiden Tagen nicht nur voll mit jungen Leuten und Cineasten war, sondern dass wir ein sehr breites Südtiroler Publikum mit Zuschauern aller Altersgruppen hatten. Sehr viele Leute - ehemalige Studenten und Dozenten von Zelig - kamen aus dem Ausland, um zu sehen, was in der Filmschule in den vergangenen drei Jahren passiert ist. Gefallen haben mir aber auch die Reaktionen aus dem Publikum. Einige Filme, die ich ja schon kannte, habe ich im Filmclub mit neuen Augen gesehen. Denn das kollektive Sehen - das gemeinsame Lachen, die Betroffenheit - ist ja auch ein Erlebnis. Auf der großen Leinwand funktioniert ein Film eben anders, im positiven Sinne.

STOL: Haben Sie unter den elf Dokumentarfilmen einen persönlichen Favoriten?

Gronauer: Ja, aber das dürfen Sie mich nicht fragen. Mir liegen alle Studenten und alle Filme sehr am Herzen. Klar ist, dass einige Filme, die keinen so starken Lokalbezug haben und allgemeingültig sind, auf internationalen Festivals eher Erfolg haben werden.

STOL: Wo werden die Filme der Zelig-Absolventen zu sehen sein?

Gronauer: Wir setzen uns mit jedem Studententeam zusammen, um zu schauen, wo wir die Filme promoten können. Dabei geht es nicht nur um Festivals, sondern auch um TV-Sender. Wir überlegen uns genau, wer an welcher Geschichte, an welchem Doku-Film interessiert sein könnte, um unseren Film zu verkaufen. Wir schicken die Filme aber auch sehr gezielt zu den wichtigen Festivals, z.B. nach Leipzig, Amsterdam, Turin und Florenz. Wird ein Film zu einem dieser großen Festivals eingeladen, ist das schon eine sehr wichtige Anerkennung. Darüber hinaus können auch Organisationen, Vereine und Personen, die in den Dokus gezeigt werden, über verschiedene Kanäle helfen, die Filme bekannt zu machen.

STOL: Ist es schwer, Filme an Fernsehsender zu verkaufen?

Gronauer: Ja. Selbst bei einem unserer Filme, der bei allen Aufführungen äußerst erfolgreich war, sogar bei einer Fernsehmesse gelaufen ist und einen internationalen Fachvertrieb hatte, war das Verkaufsergebnis eher dünn. Der Film wurde in Polen und in Finnland verkauft. Der Markt für Dokumentarfilme im Bereich TV ist einfach sehr schwierig. Es geht aber nicht immer nur um das Verkaufen. Wenn ein TV-Redakteur eine Doku sieht, sie ihm gefällt, er sie aber trotzdem nicht nehmen kann, haben der Regisseur oder das Team des Films immerhin schon offenere Türen, wenn sie ihm ein neues Projekt vorstellen möchten.

STOL: Ist die Wahl der Themen frei, oder spielt die Co-Finanzierung eine Rolle?

Gronauer: Die Themenwahl ist frei, wobei die Freiheit natürlich immer die Grenzen der Machbarkeit hat. Wir machen aber auch eine sehr realistische Analyse der möglichen Kosten für die Schule.

STOL: Wie viel kostet ein Abschlussfilm?

Gronauer: Das variiert stark und hängt von der Zahl der Drehtage und dem Ort der Doku ab. Grundsätzlich bietet Zelig allen Studenten die gleichen Produktionsbedingungen an. Die Doku-Filmschule stellt das komplette technische Equipment zur Verfügung. Die Kosten eines Films sind aber nur ein - wenn auch wichtiger - Teil, bevor man ein Projekt beginnt. Bei der Planung von "My Marlboro City", der in Brindisi gedreht wurde, war z.B. die heikle Frage der organisierten Kriminalität und der Gefährlichkeit der Dreharbeiten vor Ort durchaus ein Thema, denn im Film werden Probleme angesprochen, die die lokale Mafia direkt angehen.

STOL: 90 Prozent der Zelig-Absolventen arbeiten im Bereich Film. Wo?

Gronauer: Zelig ist eine Dokumentarfilmschule, aber unsere Absolventen arbeiten nicht nur in diesem Bereich, sondern auch im Kommunikationsbereich von PR-Agenturen oder bei Fiction-Filmen.

STOL: Die gezielte Filmförderung des Landes ist also auch eine Chance für Zelig-Studenten?

Gronauer: Ja, absolut. An der TV-Serie "A un passo dal cielo" mit Terence Hill, der ja im Pustertal gedreht wurde, arbeiten mehrere Zelig-Absolventen mit. Dass Südtirol so viele gut ausgebildete Film-Leute hat, ist für Produktionen von außen ein enormer Vorteil, mit dem Südtirol punkten kann, wenn man Produktionen hierherholen will. Man sollte auch nicht vergessen, dass so ein Teil des Geldes, das in Südtirol für Filme ausgegeben wird, hier bleibt. Das ist bei weitem nicht überall so.

STOL: Wie wird man Zelig-Student?

Gronauer: Unsere Studenten müssen sich bewerben. Um zur Aufnahmeprüfung eingeladen zu werden, muss jeder Bewerber eine Arbeit zu bestimmten Themen einreichen, die von der Zelig vorgegeben werden. Heuer waren Videos zu Themen wie "Das bin ich", "So lebe ich", "Was wäre ich, wenn ich als soundso geboren wäre" gefragt. Wir machen dann eine Vorauswahl und laden 50 Kandidaten eine Woche nach Bozen ein, um die Bewerber kennenzulernen. Die mehrtägige Aufnahmeprüfung soll aber auch den Studenten helfen, die Schule besser kennenzulernen, denn nicht für alle Studenten ist Zelig die richtige Schule. Letztlich nehmen wir 30 Studenten, die eine dreijährige Ausbildung durchlaufen.

STOL: Wie viel kostet ein Studienjahr?

Gronauer: Für Studenten, die ihren Wohnsitz nicht in Südtirol haben, 1300 Euro. Studenten aus Südtirol zahlen 900 Euro.

STOL: Wie viele Studenten bewerben sich für die 30 Plätze?

Gronauer: Üblicherweise über 100, diesmal waren es aber nur 78. Vor allem aus Deutschland kamen heuer weit weniger Bewerbungen. Die Südtiroler machen im Durchschnitt ein Viertel unserer Studenten aus, wir sind aber auch sehr international. Neben Italienern und Deutschen haben wird heuer u.a. Studenten aus Norwegen, Estland, eine Kanadierin, die aus China kommt und einen Studenten aus Tansania.

STOL: Bleiben viele der Zelig-Absolventen in Südtirol?

Gronauer: Ja, einige. Viele kommen aus dem Ausland und kehren nach den drei Jahren in Bozen in ihre Länder zurück, manche bleiben aber auch hier. Die Tatsache, dass es Zelig gibt, beziehungsweise dass hier Studenten ausgebildet werden, hat dazu geführt, dass in Südtirol viele Produktionsfirmen gegründet wurden - schon vor mehreren Jahren waren es deren 21. Die 35 Leute - meist ehemalige Zelig-Studenten - die dort im Bereich Film-Kommunikation-Werbung regelmäßig arbeiten, holen sich dann bei größeren Produktionen - weil das Zelig-Netzwerk gut ist - weitere Zelig-Studenten. Unsere Doku-Filmschule trägt also dazu bei, dass in Südtirol Produktionen im audiovisuellen Bereich angekurbelt werden. Ein Unternehmen muss nicht nach München gehen, um sich einen Image-Film machen zu lassen, im Gegenteil. Eine Südtiroler Firma hat zum Beispiel von der Stadt München einen bedeutenden Auftrag bekommen.

STOL: Wie viele Filme dreht ein Zelig-Student während seiner Ausbildung?

Gronauer: Im ersten Jahr zwei und im zweiten Jahr einen. Nebenher sind die Studenten aber auch aufgefordert, außerdidaktische Projekte zu machen, die wir mit Tutoren unterstützen. Das letzte Jahr ist dann dem Diplomfilm gewidmet, mit dem die Studenten die Ausbildung in der Zelig abschließen.

Interview: Rupert Bertagnolli

Einige Doku-Filme 2010 und der vergangenen Jahre kann man sich im Film-Archiv der Zelig-Website ansehen.

Die Abschlussfilme 2010:

Hinter dem Meer (südtiroler dialekt/italiano/spanisch – english subtitles)

Laas – Revuca (südtiroler dialekt/slovakisch - sottotitoli in italiano and english subtitles)

Facebook's "Adorno changed my Life” (english/deutsch - english subtitles)

Heart-Quake (italiano/albanese - sottotitoli in italiano and english subtitles)

Burlesque - un sogno brillante (italiano - english subtitles)

Guañape Sur (spanish - english subtitles)

Who Am I to feel so free (italiano - english subtitles)

Väter (südtiroler dialekt – english subtitles)

Walden, oder Leben in den Bergen (südtiroler dialekt – sottotitoli in italiano and english subtitles)

My Marlboro City (dialetto pugliese – english subtitles)

Unfinished Italy (italiano – english subtitles)

Die Absolventen 2010:

Kamera: Stefania Bona, Fabio De Felice, Bastian Esser, Philipp Grieß, Nina Hoegg, Melina Huppertz, Jakob Stark, Manuela Wilpernig

Schnitt: Sven Kurt Albertini, Marina Baldo, Kathrin Dietzel, Milena Holzknecht, Michele Lezza, Cornelia Märki, Brett Orloff, Luigi Pepe, Francesca Scalisi

Regie: Giulia Attanasio, Georg Boch, Benoit Felici, Martin Fliri, Lars Gehrmann, Veronika Kaserer, Renata Medero Aguilar, Mark Olexa, Valentina Pedicini, Jànos Richter




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