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Artikel vom 12. September 2012

„Klingt erst nicht nach Musik“

Der deutsche Medien- und Soundkünstler Ulf Langheinrich zeichnet in der Welturaufführung der multimedialen Performance „MOVEMENT C“ dreidimensionale Bilderwelten, in denen sich die Grenzen zwischen Realität und Imagination überblenden und schließlich verschwinden.

MOVEMENT C
MOVEMENT C

Die multimedialen Performance MOVEMENT C wird am 12. und 13. September in Bozen uraufgeführt.

Ulf Langheinrich

Ulf Langheinrich

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Langheinrich eröffnet damit am 12. und 13. September das Festival Transart (Beginn um 20.30 Uhr im Ex-Alumix).

Im Interview spricht der Künstler über Verlangen und Scheitern, über Stroboskope und über oft frustrierende Technik.

Woher kommt Ihr Interesse für das Verändern von Musik und von musikalischen Geräuschen sowie die Umsetzung in eine andere Kunstart?

Ulf Langheinrich: Ich habe gar kein Interesse am Verändern per se, vielmehr an der Kreation sehr spezifischer akustischer Zustände, die sich durch Eigenschaften wie Temperatur, Konsistenz oder Viskosität beschreiben lassen. Das klingt erst mal nicht nach Musik, aber verweist auf das, worauf es mir ankommt und das ist nicht die Manipulation von Klängen als Ort der ästhetischen Sensation im Sinne von: "vorher war es so und nun ist es in etwas anderes verwandelt".

Auch die visuellen und reinen Lichträume sind vor allem Zustände und Verschiebungen von Zuständen, zumindest sehe ich das so. Allerdings wirft die Arbeit mit einer Tänzerin und die Präsentation von Abbildungen menschlicher Emotion in Gesicht und Körper immer ganz andere Fragestellungen auf, das war schon zu Zeiten von MODELL 5 (granular synthesis 1995) so.

Nun geht es immer auch um Identifikation und Projektion, um Sexualität und Sterblichkeit. Das trifft jedenfalls in meinen Arbeiten so zu, und der Versuch durch Verunklärung (also doch Manipulation) als eine Art Reinigung im Sinne von Destillieren oder Raffinieren zu einem Bild hinter den Bildern zu kommen – dieser Versuch ist immer ein vergeblicher. Insofern sind gerade jene Arbeiten, die mit menschlichem Abbild operieren, Arbeiten über Verlangen und Scheitern.

Sie schöpfen in Ihren Arbeiten die sich rapide entwickelnden technischen Möglichkeiten kontinuierlich und voll aus. Wo können wir MOVEMENT C hinsichtlich der Technik-Standards lokalisieren?

Langheinrich: Eigentlich ganz unspektakulär: 3D-Projektion, Licht, Quadro Sound, nichts Interaktives oder Generatives. Die Präzision in der Setzung der Mittel verlangt allerdings durchaus hohe Qualität in den Abbildungsapparaten und drängt auch zu immer besseren – nein – genaueren, und damit letztlich subtileren und nicht irgendwie sensationellen technologischen Lösungen. Die Probleme entstehen immer dann, wenn man das Versprechen all dieser Apparaturen einlösen will.

Ich habe beispielsweise über die avanciertesten Displays relativ simple Strukturen nicht abbilden können, es kam zu Bildzusammenbrüchen und bizarren Erfindungen generiert durch Algorithmen, die alles besser machen sollen, aber an elementaren Strukturen scheitern.

Mich interessiert – und leider zu oft auch frustriert – die Reibung zwischen unserer Hoffnung durch immer neuere und bessere Illusions-Maschinen von Inferiorität und Einsamkeit und letztlich von Sterblichkeit erlöst zu werden und der Erkenntnis, dass diese Illusions-Maschine eine eigentlich dürftige und immer enttäuschende Membran eines höchst inferioren Vexierspiels ist, ein Spiel in dem „Illusion = Manipulation“ gemeint ist, nicht von irgendwelchen Bösen woanders, sondern von uns selbst.

Das Stroboskop ist in MOVEMENT C ein zusätzliches Element – es ist ein der Clubwelt entnommenes Element. Warum setzen Sie dies ein?

Langheinrich: Es ist eine Möglichkeit, mit Licht und Zeit zu arbeiten, und vielleicht auch eine weitere und andere Möglichkeit, auf der Ebene der Zeitwahrnehmung zu intervenieren, nämlich durch getaktete – oder genauer – anders getaktete Realitätswahrnehmung. Ich setze Stroboskope also nicht als Generatoren eigener Bildillusionen eines imaginierten Publikums ein – im Sinne von Mind-machine –, sondern immer nur zur Verflüssigung meiner Bilder.

Häufig betonen Sie in Ihren Arbeiten, dass die Mittel zugunsten des Zwecks relativ unwichtig sind. Das Ergebnis, die Wirkung, sowohl im Visuellen als auch im Akustischen, scheinen im Zentrum Ihres Interesses zu stehen?

Langheinrich: Ja und nein. Die Wahrheit ist, dass ich mich fast nur mit den Mitteln auseinandersetzen muss. Es geht immer um Mittel, denn über sie entsteht das Werk. Ansonsten müsste ich Lesungen halten über meine Ambitionen.

Kann die Technologie die Wahrnehmung verstärken?

Langheinrich: Sound kann Menschen umbringen. Das ist dann sehr spezifischer Sound, generiert mit technologisch ambitionierten (militärischen) Mitteln.

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Der Eröffnungsabend im Ex-Alumix beginnt mit einer skulpturalen Performance: Unter dem Titel „Sensations of a Sculpture Before Taking” Shape eröffnet der Südtiroler Künstler Michael Fliri das Festival für zeitgenössische Kultur.

Im Anschluss wird die Welturaufführung der multimedialen Performance „MOVEMENT C“ gezeigt.

Die Veranstaltung findet im im Ex-Alumix statt und beginnt um 20.30 Uhr. Für den 12. September sind keine Tickets mehr erhältlich. Allerdings gibt es Restkarten für den 13. September. Infos zum Ticketkauf gibt es hier.

Personen mit Herzproblemen und Epileptikern, sowie schwangeren Frauen wird vom Besuch der Veranstaltung abgeraten. Kein Zutritt für Minderjährige unter 14 Jahren.