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Artikel vom 08. Juni 2012
Im Rahmen der ar/ge kunst Ausstellung stellt Schwazer die Episode vom „Raub der Europa“ als historisch-ikonografisches Sujet in den Mittelpunkt seiner künstlerischen Auseinandersetzung.
So wird dieses mythologische Thema bei Schwazer zu einem archetypischen Motiv, das in zahlreichen Werken, Bildern und Schriften auf vielfältige Weise interpretiert wurde und im Verlauf der europäischen Kulturgeschichte häufig rezipiert wurde.
Im ersten Raum ist die Arbeit „Der Raub der Europa" (2012) ausgestellt. Dabei handelt es sich um eine philologische Rekonstruktion der mythologischen Szene des Ovid, so wie sie von Tizian und Rubens dargestellt wurde. Im Mittelpunkt der Szene befindet sich die Figur der Europa, die auf dem Rücken des Zeus in Gestalt eines Stiers davon reitet.
Die Arbeit besteht aus einer Aneinanderreihung von Lochkarten im Sinne der mechanischen Technik des Jacquard-Webstuhls. Die Zeichnung selbst ist ein figuratives Mosaik, dessen Motiv von der Gesamtheit der gestanzten Löcher bestimmt wird, welche in ihrer Gesamtheit das Profil der Figuren und des Hintergrunds ergeben.
Die Arbeit wird durch einen minimalistischem Kubus („Punched Europe“, 2012) ergänzt, der aus hunderten komprimierten Papierstücken besteht, die während der Ausstanzung der Löcher als Ausschuss übriggeblieben waren.
Im zweiten Raum ist die Arbeit „Point Design“ (2012) zu sehen, die als Matrix für die Perforation der Lochkarten nach dem Vorbild Jacquards fungiert.
Gleichsam einem Fotonegativ bzw. einer lithografischen Druckplatte, erscheint die Arbeit auf den ersten Blick als ornamental abstrakte Szene.
Die Arbeit steht in Bezug zum „Raub der Europa“ und lässt zugleich ihre Anlehnung an das Gemälde Tizians erkennen. Dabei fungiert „Point Design“ als Matrix für die Kollage aus gestanzten Lochkarten.
Im Ausstellungsraum verteilt finden sich weitere Fragmente und Zeugnisse der künstlerischen Recherche Schwazers. So sind einzelne Details wie der Kopf der Europa („The Head of Europe“, 2012) zu sehen, die der Künstler mit einem historischen Jacquard-Webstuhl und Lochkarten gewebt hat.
Zudem findet sich ein kleines, ebenfalls gewebtes Portrait von Joseph-Marie Jacquard („Jacquard“, 2012) an der Ausstellungswand, welches nach einer Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert gefertigt wurde. Es erinnert an die fundamentale Rolle dieses französischen Erfinders, der auch Inspiration für die Ausstellung war.
Die abschließende Skulptur Grandfathers Stuff (2012) besteht aus einem Zylinder, der mit handgewebten Leinentüchern aus lokaler Herstellung bedeckt ist. So wird die Einbeziehung der Südtiroler Tradition handgewebter Textilien zu einem sichtbaren Verweis des Künstlers auf sein Herkunftsland.
Die Ausstellung findet vom 8. Juni bis 28. Juli statt.