Der in Amsterdam lebende Künstler Rob Johannesma präsentiert in der ar/ge kunst Galerie Museum in Bozen seine erste Einzelausstellung.
Die Ausstellung von Rob Johannesma (geboren 1970 in Amsterdam) wurde von der ar/ge kunst Galerie Museum in Bozen in Kooperation mit dem Marino Marini Museum in Florenz entwickelt. Die erste Einzelausstellung des holländischen Künstlers in Italien findet zeitgleich in beiden Institutionen statt.
Rob Johannesma widmet sich seit einigen Jahren der Erforschung der symbolischen und narrativen Möglichkeiten der fotografischen Reproduktion.
Er stützt sich dabei auf eine ausgeklügelte Methode der vergleichenden Bildanalyse, die darauf abzielt, ein Resonanzverhältnis zwischen den Ikonen des geschichtlich-künstlerischen Erbes des Abendlandes und den Materialien des globalisierten Medienuniversums herzustellen.
Die Textcodes, welche die abendländische visuelle Vorstellungswelt von der Renaissance bis heute geprägt haben, sind Gegenstand seiner Forschungsarbeit, die die Natur der gegenwärtigen fotografischen Bilder und ihre Wahrhaftigkeitshypothesen als geschichtliche Evidenz zu befragen versucht.
Johannesma verwendet für seine Arbeit vorwiegend Fotos der internationalen Tagespresse, die als Informationsquellen des internationalen Journalismus in direktem Kontakt mit dem Weltgeschehen stehen.
Der Künstler bündelt und bewahrt diese Bilder als visuelle Materialien eines extrem beschleunigten Konsums, die innerhalb weniger Stunden nach ihrem Entstehen bereits alt und hinfällig sind.
Es sind vor allem Bilder von Krieg und Gewalt, Szenen, die durch einen starken geopolitischen Inhalt geprägt sind.
Johannesma vergleicht in seinen Installationen die mechanische Reproduzierbarkeit der Bilder mit der ideellen Konstruktion der Geschichte mittels visueller Paradigmen der großen europäischen Maltraditionen, die er in der holländischen, flämischen und deutschen Renaissancekultur vorfindet.
Fotoarbeit „World-Wielding“
Im Rahmen der Ausstellung wird auch die neue, monumentale Fotoarbeit „World-Wielding“ (2012) gezeigt, die sich entlang der Reproduktion eines Schnappschusses, der im Mai 2011 in einer holländischen Tageszeitung publiziert worden war, mit dem Verhältnis zwischen zeitgenössischer Fotografie und Kunstgeschichte auseinandersetzt.
Die Fotoarbeit zeigt das Skelett eines menschlichen Wesens, das in Srebrenica auf der Erde liegt. Es ist der Schauplatz des Massenmordes an bosnischen Moslems 1995 während des Bosnienkrieges.
Der Künstler hat das Bild einem Prozess der Zersetzung und Wiederzusammensetzung unterzogen, indem er es unzählige Male neu fotografiert. Auf diese Weise verwandelt er das Foto in eine Textanalyse.
Fotocollage „Newspapers“
Auf einem großen Tisch wird die Arbeit „Newspapers“ (2012) ausgestellt. Dies ist eine Fotocollage, die der Künstler aus Materialien der Tagespresse zusammengetragen hat.
Die Arbeit verfolgt die Logik der intuitiven Recherche, der Collagen, parallelen Interpretationen und Dissonanzen. Auf diese Weise wird die Arbeit zu einer Untersuchung auf dem Feld des ikonographischen Patrimoniums der abendländischen Kulturgeschichte.
Videoarbeiten „Blue and Orange“ und „Untitled“
Zwei Videoarbeiten, „Blue and Orange“ (1998) und „Untitled“ (2002) vervollständigen die Ausstellung. Sie illustrieren den Zugang des Künstlers zu jenem Landschaftskonzept, das in seinem Verhältnis von Formen, Farben und Horizonten auf abstrakte und symbolische Weise kodiert wurde.
Johannesma richtet sein Augenmerk hier auf zwei parallele Horizonte, auf eine spekulative und eine narrative Ebene. Er versucht, Fragmente und zerstreute, heterogene visuelle Einheiten zu einer möglichen Bedeutungseinheit zusammenzufügen.
Künstlergespräch zur Eröffnung
Die Ausstellung wird von Luigi Fassi und Alberto Salvadori kuratiert und ist vom 27. Jänner bis zum 13. März zugänglich.
Zur Eröffnung am 27. Jänner gibt es ab um 19 Uhr ein Künstlergespräch zwischen Rob Johannesma und Claudio Giunta (unterrichtet Italienische Literatur an der Universität Trient).
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