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Artikel vom 15. Mai 2012
Haben Sie im stillen Kämmerlein gehofft, dass es mit dem Preis klappt?
Hoppe: Nein, ich bin absolut überrascht. Ich bin wirklich überrascht und auch ziemlich überwältigt. Es ist eine sehr große Freude und eine Ehre, aber es ist auch eine Last. Es gibt ja Literaturpreise wie Sand am Meer, aber dieser ist doch etwas sehr Besonderes. Er steht einfach in einer sehr langen Tradition und ist der schönste und renommierteste Literaturpreis, den es in Deutschland gibt.
Wir wichtig sind Auszeichnungen für einen Schriftsteller, der ja eigentlich sehr einsam arbeitet?
Hoppe: Preise sind gewissermaßen zweischneidig in dem Sinne, dass man sich nicht auf sie fixieren darf. Die Vorstellung, zu schreiben, um einen Preis zu bekommen, geht nicht. Zugleich ist es aber auch wunderbar, das es solche Preise gibt. Plötzlich merkt man, es gibt da so einen Resonanzraum, in den man all die Jahre hineingearbeitet hat. Und wenn dann eine Jury sagt, hier ist jemand, der hat etwas zu sagen und den zeichnen wir aus, ist das eine schöne Sache.
An wen denken Sie, wenn Sie schreiben?
Hoppe (lacht): Fast hätte ich gesagt an mich. Also: Die Vorstellung, für jemanden da draußen zu schreiben, ist für mich sehr komisch. Das Entscheidende beim Schreiben ist, dass man die ganze Konzentration in die Sache legt. Und wenn die Sache selbst stimmt, dann wird sie sich auch nach außen vermitteln. Wem, das weiß man vorher nie, denn der Leser ist wirklich das unbekannteste Wesen, das es gibt.
Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Geschichten?
Hoppe: Ich glaube, der Musenkuss ist ein Mythos. Ideen hat man automatisch, wenn man mit gesteigerter Aufmerksamkeit durchs Leben geht, und das macht das Schreiben so anstrengend. Man muss eigentlich immer aufmerksam sein und dann begegnen einem unglaublich viele Dinge, aus denen man dann mit Hilfe der Fantasie etwas Neues macht. Aber Fantasie allein ohne die Realität, das würde nicht funktionieren.
Ihr jüngstes Buch war eine Wunschbiografie. Sind Sie mit Ihrem wirklichen Leben nicht zufrieden?
Hoppe: Doch, sehr. Aber ich glaube, dass unsere Träume und Wünsche ein Teil unseres realen Lebens sind. Wir sind immer das, was wir sind, und zugleich sind wir auch das, was wir gern wären. Und je älter man wird, desto lieber spricht man auch über das, was man vielleicht gern gemacht hätte, weil man weiß, dass man's nicht mehr machen wird.
Sollten Autoren sich wieder stärker in die politischen Debatten einmischen?
Hoppe: Ein Schriftsteller hat aus meiner Sicht keine höhere oder besondere gesellschaftliche Verpflichtung. Es gibt immer verschiedene Typen, die einen halten es für nötig, die anderen weniger. Ich würde nur kein Programm daraus machen in dem Sinne, ein Schriftsteller muss sich so oder so verhalten. Das sollte jeder für sich entscheiden. Bei uns werden ja zu vielen Fragen Schriftsteller befragt. Aber, unter uns gesagt, sie wissen es auch nicht besser als andere Leute. Der Schriftsteller als der klügere Mensch – das ist eine Illusion.“
Interview: Nada Weigelt/dpa
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