© 2010 Harald Martenstein - Foto: Susanne Schleyer
© 2010 Das Buchcover
Der deutsche Autor Harald Martenstein hat gerade seinen zweiten Roman veröffentlicht. „Gefühlte Nähe“ lautet der Titel. Es geht um 23 Männer und ihre Beziehungen zu ein und derselben Frau – im Roman nur „N.“ genannt.
Der eine verehrt sie aus der Ferne, der andere verlässt sie nach der ersten Nacht, der nächste erst nach Jahren. Mosaiksteinartig entsteht so ein Bild vom Beziehungsleben in den Zeiten, in denen die wenigsten Paare noch bis zur Goldenen Hochzeit durchhalten.
Warum hat der Roman ausgerechnet 23 Kapitel?
Martenstein: Die 23 ist ein bisschen eine magische Zahl. Und dann hatte auch mein erster Roman 23 Kapitel. Es hat aber auch einen praktischen Grund: Das ist eine Größenordnung, mit der man gut arbeiten kann. Ich hätte mir sicher noch ein oder zwei Männer mehr einfallen lassen können, aber irgendwann wäre es monoton geworden.
Ist nicht unwahrscheinlich, dass eine einzige Frau all diese Erfahrungen macht?
Martenstein: Vielleicht ist es einfach notwendig, in einer literarischen Geschichte so eine Figur wie N. “bigger than life„ sein zu lassen. Es ist schon eine Heldin, die einiges durchmacht. Aber kein einziges Kapitel beschreibt etwas, das nicht denkbar wäre.
Wie sind Sie auf die vielen verschiedenen Männertypen gekommen?
Es gibt die ein oder andere Episode mit autobiografischem Hintergrund. Es gibt aber auch Geschichten, die ich im Bekanntenkreis erlebt habe oder die mir Freunde erzählt haben. Ich hatte am Anfang ein Sammelsurium an Themen und ein Sammelsurium an Männern, Typen, über die ich gerne schreiben wollte. Ein eitler Schauspieler sollte dabei sein, aber auch über das „letzte Mal“ wollte ich unbedingt schreiben, den letzten Sex, den ein Mann hat.
Mit der Liebe klappt es in „Gefühlte Nähe“ nie, sind Sie ein Beziehungspessimist?
Martenstein: Nein, ich bin kein Beziehungspessimist. Ich beschreibe in meinem Roman nur etwas, das in unserer Gesellschaft seit der Sexuellen Revolution immer häufiger vorkommt: das immer neue Ansetzen, die immer neuen Beziehungsversuche, das, was man serielle Monogamie nennt. Viele Paare in dem Buch verfehlen sich. Man denkt, es könnte was werden, das muss doch klappen, aber dann klappt es eben doch nicht.
Auch die männlichen Figuren sind nicht gerade liebesfähig.
Martenstein: Die Männer in meinem Buch sind häufig abgelenkt und können nur einen Teil ihrer Energie auf die Beziehung verwenden. Sie stecken in beruflichen Krisen, sie haben zu kämpfen – genau das interessierte mich. In klassischen Liebesgeschichten ist es immer so, als gäbe es nichts anderes. Aber im Leben ist das nicht so. Da ist man einerseits frisch verliebt, aber andererseits geht es im Büro drunter und drüber.
Sind glückliche Beziehungen unwahrscheinlich?
Martenstein: Ja, es ist wohl so. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr klein, dass Beziehungen glücklich sind. Es geht nicht ohne eine gewisse Frustrationstoleranz. Eine meiner Großmütter hatte einen Verlobten, der im Krieg gefallen ist. Später heiratete sie meinen Großvater, aber der frühere Verlobte blieb immer ihre große Liebe. Die idealen Partner, das sind die, die sich im richtigen Moment davon machen, bevor der Alltag desillusionierend wird.
Die Beschreibungen von Sex in dem Buch machen nicht gerade Lust auf mehr.
Martenstein: Wenn es sexfeindlich erscheint, würde es mir leid tun. Aber Sex ist nicht Thema des Romans, auch wenn er immer wieder eine Rolle spielt. In den Sexszenen spiegeln sich die Probleme, die die Figuren miteinander haben.
Ist „Gefühlte Nähe“ ein Buch für Frauen?
Martenstein: Ich weiß nicht, ob das mehr Frauen als Männer lesen werden. Das wird sich zeigen. Aber das bisherige Feedback von Frauen ist, dass sie es interessant finden zu lesen, was in Männern vor sich geht. Zum Beispiel in Männern, die ihre Frau betrügen und das vor sich selbst rechtfertigen.
Hätte die Hauptfigur auch ein Mann sein können?
Martenstein: Ich habe kurz überlegt, es andersherum zu erzählen. Jetzt ist es ist die Liebesbiografie einer Frau, aber die Männer spiegeln sich in der Frau wider. Dadurch ist es eher ein Buch über Männer. Es fällt mir natürlich leichter, mich in Männer hineinzuversetzen.
dpa
| Tweet |
Neueste Meldungen
| Panorama | Gefesseltes Männer-Paar sucht... |
|---|
| Sport | Wettskandal: Keeper Mario Cas... |
|---|
| Wirtschaft | Sondertreffen der Euro-Finanz... |
|---|
| Chronik | Massenmörder Breivik lässt si... |
|---|
| Sport | Herren-Abfahrt im Liveticker |
|---|
| Chronik | Schneechaos in Italien |
|---|
| Politik | Ägypter wollen nach Krawallen... |
|---|
| Chronik | Sicherheit im Web: Online-Deb... |
|---|
| Wirtschaft | Verhandlungen in Griechenland... |
|---|
| Politik | Hillary Clinton: Europa „unvo... |
|---|
| Panorama | 1000 Mal „Wer wird Millionär?... |
|---|
| Sport | Bob und Skeleton-Weltcup: Mar... |
|---|