Für die einen ist es die Suche nach dem Sinn des Lebens, für die anderen eine Art Wellness: Auf den Spuren Hape Kerkelings wandeln immer mehr Pilger zu den Wallfahrtsorten Europas.
2010 rechnet man in Santiago de Compostella mit neuen Pilgerrekorden. Dann nämlich fällt der Festtag des Heiligen Jakobus am 25. Juli wieder auf einen Sonntag, weshalb das kommende als Heiliges Jahr ausgerufen wurde.
Offenbar spiegelt der ungebrochene Pilgerboom das Bedürfnis der Menschen nach einem Gegenpol zu ihrem hektischen Dasein. So ist die Zahl der Jakobspilger nach einer von der Fachzeitschrift „Buchreport“ zitierten Erhebung von gerade einmal 13 im Jahre 1978 auf mehr als 125.000 im Jahr 2008 gestiegen.
2007, nach Erscheinen des Kerkeling-Buches „Ich bin dann mal weg“, machten sich sogar rund 70 Prozent mehr Menschen auf den Pilgerweg als ein Jahr zuvor. Wer seinen Rucksack packt, um sich per pedes auf Sinnsuche zu begeben, hat die Qual der Wahl zwischen zahlreichen informativen, besinnlichen und unterhaltsamen Büchern für seine Pilgerreise.
Für erste Eindrücke des bevorstehenden Abenteuers eignet sich der 1991 erstmals erschienene Longseller „Santiago de Compostella“, den der Freiburger Herder Verlag in diesem Jahr in einer Neuausgabe auf den Markt gebracht hat. Kurt Benesch, Autor zahlreicher kulturhistorischer Bücher und Reiseführer, lässt die Geschichte des ältesten Wallfahrtsortes in Europa wieder aufleben. Den reizvollen Kontrast dazu bieten die Bilder des Fotografen und Jakobspilgers Rolf Hesse.
Als spirituelle Einstimmung ist Manfred Gerlands Buch „Faszination Pilgern“ gedacht. Der evangelische Pfarrer widmet sich den Hintergründen dieser religiösen Form des Unterwegsseins und stellt Pilgerwege aus der Vergangenheit und Gegenwart, aus der christlich-jüdischen Tradition und anderen Religionen vor. Daneben verrät der Autor, der selbst begeisterter Pilger ist, viele Ideen zur Gestaltung der eigenen Pilgerfahrt, ob allein oder in der Gruppe.
Leser mit einer Abneigung gegen dicke Wälzer werden sich für den Band „Jakobsweg in 60 Minuten. Das Geheimnis des Jakobswegs. Ein spirituelles Abenteuer im Zeichen der Muschel“ begeistern können, denn hier ist alles Wissenswerte über den Pilgerweg so zusammengefasst, dass garantiert keine Langeweile aufkommt. Der Band wurde in der Reihe „Die Welt in 60 Minuten“ von Jonathan Byron heraus gegeben und von kompetenten Autoren verfasst.
Die Bilder sprechen für sich im „Bildatlas der Pilgerstätten und heiligen Orte“ von Friedemann Bedürftig. Stonehenge oder Klagemauer:
Das Buch zeigt die heiligsten Stätten der Menschheit von der Frühzeit bis zu den fünf großen Weltreligionen unserer Tage. Daneben werden Ursprung und Geschichte der großen Kulte und Religionen in Wort und Bild erklärt. Mehr als 450 Farbaufnahmen, Hintergrundtexte, detaillierte Übersichtskarten und erläuternde Info-Kästen machen die Reise zu den Wurzeln des Glaubens zu einem besonderen Erlebnis.
Als weitgereister Mann und Begleiter von Pilgergruppen aus Übersee, die er zu den bedeutendsten Wallfahrtsstätten Europas führt, hat Arthur Pahl viel zu erzählen - Heiteres und Trauriges, Ärgerliches und tief Bewegendes. Sein Band „Himmlische Pfade“ schließt an sein erfolgreiches Erstlingswerk „Verschlungene Wege“ an und unterhält mit neuen wahren Geschichten von Pilgern und Gottsuchern.
Wem der Jakobsweg zu ausgetreten erscheint, dem empfiehlt die in Rom lebende Ethnologin Edith A. Weinlich den Frankenweg, der noch im Mittelalter der meist frequentierte Pilgerweg vom Rheinland in die berühmte Goldene Stadt war. Wer die 1000 Kilometer lange Strecke abschreitet, dem verspricht Weinlich in ihrem Buch „Via Francigena. Mein Pilgerweg nach Rom“ eine unvergessliche Begegnung mit einer vergangenen Welt- und Seelenordnung und ganz nebenbei ein Eintauchen in die überwältigende Schönheit der italienischen Landschaft. Erschienen ist das Buch im österreichischen Tyrolia Verlag, der seit 1992 den Schwerpunkt auf Pilgerfahrten gelegt hat.
Für all jene, denen das Geld und die Zeit fehlt, sich auf Pilgerschaft zu begeben, hat Winfried Hille sein Buch „Der innere Jakobsweg: Sieben Schritte zu mir selbst“ geschrieben. Die Lektüre soll in Zeiten rasanten Wandels zur Besinnung anregen.
Susanna Gilbert-Sättele/dpa
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