© 2012 shutterstock Das Wort und Unwort des Jahres 2011 - Bild: shutterstock/STOL
© 2012 Welche werden die Wörter und Unwörter des Jahres?
Zum siebten Mal waren in den vergangenen Wochen und Monaten alle in Südtirol Lebenden dazu aufgerufen, ihre Wörter und Unwörter des Jahres in einer der drei Landessprachen zu benennen.
In den vergangenen Wochen wurden Vorschläge in Deutsch, Italienisch und Ladinisch eingesendet.
"Heuer gab es bei den Vorschlägen einen großen Zuwachs. 2010 bekamen wir ca. 600 Einsendungen, diesmal waren es schon 900", erklärte Monika Obrist vom Südtiroler Kulturinstitut am Mittwoch auf einer Pressekonferenz gegenüber STOL.
Zum Vergleich: In der Schweiz gingen 1000 Vorschläge bei der Wahl der Wörter des Jahres ein
Rund 600 Vorschläge kamen in Südtirol für das deutsche "Wort/Unwort des Jahres", 250 für das italienische und etwa 50 für das ladinische.
„Ich bin sehr zufrieden und vor allem froh, dass wir so viele Einsendungen bekommen haben", betonte Obrist.
„Vielleicht ist der Unmut heuer größer als in anderen Jahren“, nennt Obrist einen Grund für die rege Teilnahme.
Geholfen hätte sicherlich auch, dass erstmals im Internet per Online-Formular abgestimmt werden konnte.
„Vertrauenskrise ", und „Treuhandgesellschaft“ sind deutsches Wort und Unwort des Jahres
Aus allen vorgeschlagenen Wörtern und Unwörtern des Jahres, die bis zum 31. Dezember eingegangen sind, hat eine Fachjury die markantesten Begriffe des Jahres 2011 in Südtirol ausgewählt.
Das Wort des Jahres 2011 ist „Vertrauenskrise ", das Unwort ist „Treuhandgesellschaft“.
„Die derzeitige Finanzkrise ist nicht zuletzt auch eine Krise des Vertrauens. Und eine ebensolche ergreift wohl viele, die daran zweifeln, ob wirklich alle den Gürtel gleich eng schnallen müssen, oder auch jene, die sich unter ‚transparenter Vorgangsweise‘ etwas anderes vorstellen als das, was im SEL-Skandal wochenlang in den Medien serviert wurde. Vertrauenskrise wurde deshalb von der Jury zum Wort des Jahres in deutscher Sprache in Südtirol gewählt“, erklärte Obrist am Mittwoch.
Treuhandgesellschaft klinge gut und vertrauenswürdig, sei aber zumindest in Italien vielfach nichts anderes als eine legale Art, Beteiligungen an einem Unternehmen zu vertuschen.
"Ein irreführender Begriff also, und somit ein Unwort, das im Zuge der Energie-Affären keineswegs zum ersten Mal in den Südtiroler Medien aufgetaucht ist", betonte Obrist.
Der negative Beigeschmack, den solche Gesellschaften in Südtirol mittlerweile hätten, hafte nun auch jenen Treuhandgesellschaften an, die eigentlich nichts „Böses“ im Schilde führten.
Italienisches Wort und Unwort des Jahres 2011
Im Italienischen fiel die Entscheidung für das Wort des Jahres auf „indignato“. Das Wort nimmt auf die zunehmende Menge der Empörten, der Wutbürger und Indignados Bezug.
Unwort des Jahres 2011 ist „indennitá“. „Was sehr positiv und gerechtfertigt klingt, ist im politischen Zusammenhang eher ein Privilegium für jene, die es eigentlich nicht nötig hätten. Nicht zuletzt wegen einer Mediendebatte war das Wort 2011 in aller Munde“, erklärte die Leiterin der Sprachstelle im Südtiroler Kulturinstituts.
Ladinisches Wort und Unwort des Jahres 2011
Bei den Ladinern wurde der „Ursus Ladinicus“ zum Wort des Jahres gewählt.
„Dem einzigartigen prähistorischen Bären wurde ein eigenes Museum in St. Kassian gewidmet. Die Jury hat sich auch aus Dank für die Verwendung von ladinischen Begriffen in der internationalen wissenschaftlichen Terminologie für diesen Ausdruck entschieden“, so Obrist.
Der „Fondo Brancher" wurde das ladinische Unwort 2011.
Der Fonds, mit dem Italien die „Abwanderung“ der ladinischen Gemeinden des Veneto nach Südtirol verhindern wollte, sei nichts als eine leere Sprachblase geblieben.
"Denn ausgezahlt wurde bis heute nichts. Fondo Brancher ist also ein Wort, das lediglich der Beruhigung diente. Taten folgten keine", unterstrich Obrist.
Die Organisatoren
Veranstalter der Aktion "Wort/Unwort des Jahres" sind die Sprachstelle im Südtiroler Kulturinstitut, das Institut für Fachkommunikation und Mehrsprachigkeit der Eurac, die Ladinische Abteilung der Bildungswissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität Bozen und die Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann.
stol
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