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Artikel vom 28. Juli 2012
Ausgehend vom dem partikulären, dämonischen, ja boshaften, weil rachsüchtigen Nachtreich der tyrannisch regierenden „Königin der Nacht“, das sich mit dem hochtrabend kultischen und subkutanen ordenartigen Sonnenreich von „Sarastro“ bekriegt, entsteht – natürlich freimaurerisch in der heiligen Dreizahl eingekeilt – ein übertretendes sinnlich – erotisches Schauspiel von vorbildloser musikalischer Ewigkeitswirkung.
Science Fiction-Welt der 50er Jahre
Wenn Goethes Mutter ihre populistische Missgunst bekundet: „Alle, Handwerker, Gärtner, ja Sachsenhäuser, deren ihre Jungen die Affen und Löwen machen, gehen hinein, so ein Spektakel hat man hier noch nicht erlebt,“ dann gelten diese Parameter auch für die Neuinszenierung in der Felsenreitschule, wo der Regisseur Jens –Daniel Herzog als legitimer Selbstinterpret sein Spektakel als Forschungsverschwörung mit der Umgehungstrasse in die Science Fiction-Welt der fünfziger Jahre deutet.
Die Bühne von Mathis Neidhardt überzeugt mit einer praktikablen (Tempel) Konstruktion in der Nachahmung der Segmentbögen der Felsenreitschule, wo unzählige Türen in das Sarastro – Reich führen.
Während die Welt der „Drei Damen“ und das dunkle Reich der „Königin der Nacht“ in einer operettenhaften Vampiren Welt stattfindet, überwacht Sarastro in einem Forschungslabor, das gelichzeitig als Internatsschule wie in der Feuerzangenbowle getarnt ist, als groteskes 007 Roboterwesen seinen nebeligen Sonnenkreis.
Diese Licht – Dunkelmetaphern versinken allerdings völlig in einer nicht nachvollziehbaren szenischen Deutung, weil der Regisseur in keinem Moment auch nur irgendeine plausible psychologische Personenführung für sein Konzept hat.
Im Gegenteil, er lässt ein altbackenes Rampentheater abspulen, bringt besonders die Solisten in musikalische Verlegenheit und treibt sie fast ausnahmslos durch reines Textsprechen in extreme Künstlichkeit, statt sie in den (viel zu langen) Dialogen konversieren zulassen.
Eigentlich ist alles so belanglos und mündet in einer langweiligen Tristesse, was mit dem oft kritisierten Regietheater gar nicht gemein hat, weil es nur durch die Ausstattung persifliert wird.
Harnoncourt wählt extreme Tempi
Dass sich das Kontroverse auch musikalisch ausweitet liegt an Nikolaus Harnoncourt, der wohl die eigenwilligste „Zauberflöte“ aller Zeiten mit den historischen Instrumenten seines Orchesters „Concentus Musicus Wien“ interpretiert, wobei, um es vorweg zu nehmen, das Orchester mit dem großartigen Konzertmeister Erich Höbarth (neben ihm Alice Harnoncourt) einen phänomenalen Mozart spielt.
Harnoncourt wählt extreme Tempi, was bei den Sängern zu Irritationen führt, wie zu Beispiel bei „Ach ich fühl es“ der Pamina (wacker im schnellsten Tempo und neben Sarastro Georg Zeppenfeld die wundervolle, noch jugendliche Mozarthoffnung Julia Kleiter) und besonders bei der Arie des Manostatos (nicht wie üblich „Monostatos“, weil Mozart im Autograph die erste Silbe mit „a“ schreibt) „Alles fühlt der Liebe Freuden“ Rudolf Schaschings kleine Stimme versinkt, allerdings spielt das Orchester gerade dazu mit der stupend begleitenden Piccolo Flöte einen überragenden Mozart.
Das Extrem geht natürlich auch vielfach in die ungewöhnlich innehaltende Breite, denn Harnoncourt verweigert die bekannt protzende Weihe auch beim fanstatisch im Wunderpiano musizierenden Wiener Staatsopernchor.
Es gibt viele unkontrollierbare Aspekte von Luft, Wind, Freude, oder Mut bei Mozart, die Harnoncourt mit mimetischer Naturnähe zur kontrollierten Musik anwachsen lässt, aber trotzdem sind die Sänger nur in der Mittelmäßigkeit angesiedelt. Wohl weil sie vom charismatischen Maestro zu viel Respekt haben, aber auch weil die in Salzburg olympisch hochgelegte Mozartlatte vielfach wackelt und leider auch öfters abgeworfen wird.
Dass der am Boden streunende Sarastro seine neben ihm kriechende „Alte“ (die Königin der Nacht) zu allerletzt auch noch erwürgen will, zeigt eine sadistische Abkehr von der Mozart’schen Aufklärungslogik.
von C.F. Pichler aus Salzburg
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