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Artikel vom Mittwoch, 30. November 2016

Kunst der Vielfalt: Gottlose Körper

Die Theaterreihe "Kunst der Vielfalt", die die Lebenshilfe in Zusammenarbeit mit dem Theater La Ribalta organisiert, sieht es als ihren kulturellen Auftrag an, dem Bozner Publikum zeitgenössisches Theater anzubieten. Theater, das die Vielfalt in all ihren Ausformungen thematisiert. Ab 15. Dezember präsentiert die Reihe 7 Stücke.

Ab 15. Dezember präsentiert "Kunst der Vielfalt" 7 Stücke. - Foto: Kunst der Vielfalt

Ab 15. Dezember präsentiert "Kunst der Vielfalt" 7 Stücke. - Foto: Kunst der Vielfalt

Diese 7. Ausgabe nennt sich „Gottlose Körper“. Verborgene, verzerrte, abgelehnte, skandalöse Körper. Gottlos in unserem Sinn ist ein Schauspieler, der eine Entscheidung trifft, autonom urteilt, nach Wahrheit und Verantwortung sucht und sich abseits aller Vorgaben bewegt. Er verrät die Tradition. Gottlose Körper betreten die Bühne in Gestalt unterschiedlichster Darsteller, in unterschiedlichsten Formen und Stücken.

Neuauslegung von Tschechows „Kirschgarten“ 

Die Reihe beginnt mit einem Stück, das in der vergangenen Theatersaison für Aufsehen sorgte, einer Neuauslegung von Tschechows „Kirschgarten“ durch Nina’s Drag Queens. Transvestiten treffen sich zu einem Vaudeville von umwerfender Eleganz wie amphibische Kreaturen, Ikonen zwischen gegensätzlichen Welten, ausgelassene Engel, göttliche Tiere.

„Spuren der Seele“

Es folgt die „Sirenetta“, die uns dazu anregt, über die schwierigste Form der Liebe nachzudenken, nämlich jene zu uns selbst und unserem Körper, den wir bewohnen. Die berühmte Fabel von Andersen erlebt eine Neuauslegung im Sinne einer Metapher für sexuelle Identität. In den „Spuren der Seele“ unseres Teatro La Ribalta  - Kunst der Vielfalt besucht uns sodann jener vermeintlich leidvolle Körper, der im vergangenen Jahrhundert als lebensunwürdig eingestuft wurde.

Abschluss in der Museion Passage

Als beschwörendes und stimmenreiches Schattenspiel erscheint der Körper im Stück „L’insonne“ des Regisseurs Claudio Autelli. Er beschwört aus der Ferne in seiner geheimnisvollen Präsenz. Der Monat März beginnt mit der bereits weltweit aufgeführten Komödie „La lettera“ von Paolo Nani. Nanis Komik ist weit entfernt von jenem gewöhnlichen Cabaret, das wir aus dem Fernsehen kennen. Nani ist eine Ikone der Körperkomik, auf einer Linie mit Buster Keaton und Charlie Chaplin.

Der Körper im Stück „Esilio“ der Piccola Compagnia Dammacco ist der eines aus der Arbeitswelt verstoßenen Menschen, ein verbannter und ausgegrenzter und folglich in den Augen der anderen gottloser, weil nicht mehr angepasster Körper. Dieser Körper verwandelt sich, wird schwach, verletzlich und andersartig. Und zum Abschluss macht unsere Theaterreihe Halt in der Museion Passage mit einer kleinen, aber eindringlichen Kleinkunst-Darstellung, dem „Spiel“des Tänzers Alessandro Bedosti und seiner Partnerin Antonella Oggiano.

stol

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