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Artikel vom 13. Juli 2012
Alles ist verloren! Dramatisch beginnt die berühmte Komödie des bekannten deutschen Dichters Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781).
Major von Tellheim steht unverschuldet vor den Scherben seiner Existenz. Soeben war er noch ein mutiger und ehrenhafter Offizier seiner Gnaden Friedrich II. von Preußen, dem er im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) tapfer und treu ergeben gute Dienste geleistet hat.
Und nun? Tellheim wird verdächtigt, von den besiegten thüringischen Adeligen bestochen worden zu sein, damit diese die geforderten Kriegszahlungen in nur geringer Höhe zu entrichten bräuchten. Er steht unter Anklage, ist kriegsversehrt und am Boden zerstört.
Das Wichtigste eines Soldaten seiner Majestät wurde ihm genommen, die Ehre.
Lug und Trug! Tellheim hat die zu zahlende Summe aus eigener Kasse beglichen, um die nach dem Kriege mittellose thüringische Oberschicht finanziell nicht weiter zu belasten. Durch dieses tugendhafte Verhalten erwarb er sich nicht nur die Hochachtung der thüringischen Stände, sondern auch die Liebe einer Frau: Minna von Barnhelm, eine Tochter aus wohlhabendem Hause.
Beeindruckt durch seine glanzvolle Tat, ist ihr sogleich klar, dies ist die Liebe ihres Lebens, eine Liebe, die der Offizier erwidert. Doch nun fühlt er sich Minna nicht mehr ebenbürtig. Die Gleichheit, das festeste Band zwischen Mann und Frau, scheint zerschnitten.
Minna hat seit Ende des Krieges nichts mehr vom Liebsten gehört. So begibt sie sich mit Franziska auf die Suche nach ihm und steigt just in dem Gasthaus ab, indem auch Tellheim logiert.
Dieser ist in argen Geldnöten, will sich aber weder von treuen Freunden noch alten Schuldnern helfen lassen, auch seinen letzten Diener will er entlassen, doch dieser lässt sich nicht verjagen, sondern steht weiter treu an der Seite seines Herrn.
Um wenigstens seine Schulden beim Wirt begleichen zu können, versetzt Tellheim Minnas Verlobungsring. Diese erkennt den Ring sofort und möchte Aufklärung: Ist der Geliebte hier?
Sie stellt Tellheim zur Rede. Der Major ist in seiner Ehre gefangen, sein tiefer Fall macht es ihm unmöglich, Minna zu ehelichen.
Sie ist bestürzt, fängt sich aber und weiß Tellheims Edelmut für sich zu nutzen: So behauptet sie, sie sei enterbt und daher bettelarm.
Tellheim vollführt einen Sinneswandel. Um seine Minna von der Schmach der Armut zu erlösen, will er sich zum Schuldner machen.
Doch der Erbonkel Minnas und die Entscheidung des Königs werden angekündigt. Ist Tellheim ruiniert und Minna des listigen Spiels entlarvt? Was steht nun höher: Geld und Herkunft oder Liebe und Moral?
Ein Prototyp der deutschen Komödie
Minna von Barnhelm gilt als Prototyp der deutschen Komödie und gehört zu den meist gespielten deutschsprachigen Stücken. Dabei beschäftigt sich der Aufklärer Lessing humoristisch mit ernsten Themen seiner Zeit, die auch heute noch von Bedeutung sind: schnöder Mammon und gesellschaftliche Hierarchie werden genauso kritisch beäugt wie die Beziehung zwischen Mann und Frau sowie die Frage nach Vernunft und Emotion.
Der Regisseur Roland Selva hat den klassischen Stoff behutsam redigiert und an die aktuellen Verhältnisse angepasst, ohne dabei die Kernaussagen Lessings zu verzerren.
Mit Christina Lasta, Ingrid Maria Lechner, Daniela Mair, Stephan Wolf-Schönburg, Georg Kaser, Horst Herrmann, Anton Gallmetzer und Moritz Selva kann er dabei auf ein ausdrucksstarkes und einfühlsames Ensemble zurückgreifen.
Termine und Tickets
Spielort der heurigen Sommersaison ist die ehemalige Gutsverwaltung des Barons Felix von Longo in Neumarkt, deren Ambiente wunderbar mit dem Stück harmoniert.
Das Stück wird am 23., 26., 27., 30. und 31. Juli, am 1., 6., 7., 9., 10., 13., 14., 16. und 17. August um jeweils 21 Uhr aufgeführt.
Reservierungen und Infos unter 0471/812128 (Bürozeiten) oder per E-Mmail an: info@fsu-neumarkt.com. Weitre Informationen gibt es unter: www.fsu-neumarkt.com.