Zum zweiten Mal lädt das Südtiroler Kulturinstitut zum Wiener Theaterfrühling ein. Zu Gast ist das Wiener Burgtheater mit „Phädra“ von Jean Racine.
Seit der Spielzeit 2010/2011 hat Matthias Hartmann die Intendanz des Hauses übernommen. Er war bereits mit mehreren Inszenierungen bei den „Gastspielen Südtirol“ vertreten. Das Burgtheater präsentiert am 29. Februar und 1. März mit „Phädra“ eine Inszenierung, die als Ko-Produktion mit den Salzburger Festspielen entstanden ist.
Verstrickung zwischen Schuld und Vertuschung, Geständnis und Lüge
Schon seit Monaten lebt Phädra in Ungewissheit über das Schicksal ihres Mannes. König Theseus gilt als verschollen, nun erhält sie die Nachricht seines Todes. Wer soll die Nachfolge antreten? In der kurzen Spanne, in der die politische Macht zur Disposition steht, ergreift eine andere Gewalt ihre Macht über die Menschen: Phädra liebt ihren Stiefsohn Hippolytos und gesteht ihm nun ihre bislang unterdrückte Leidenschaft.
Doch Hippolytos frönt einer anderen, nicht minder verbotenen Liebe: Sein Herz schlägt für Prinzessin Arikia, die athenische Kriegsgefangene. Als König Theseus unerwartet zurückkehrt, nimmt eine fatale Verstrickung zwischen Schuld und Vertuschung, Geständnis und Lüge, Staatsräson und Begehren ihren Lauf.
Racines Gestalten sind Zerrissene zwischen Vernunft und Gefühl. Insbesondere Phädra wird das Opfer einer Leidenschaft, die sie mit aller Macht bekämpft, die aber gerade dadurch immer mehr zur Raserei wird. Auch ihre große Klarsicht kann sie nicht vor der unerbittlichen Logik der Macht und der Erotik schützen.
Matthias Hartmann inszeniert die Tragödie mit viel feiner Komik und macht sie zum Fest eines blendenden Ensembles, in dem nicht nur Sunnyi Melles in der titelgebenden Hauptrolle glänzt.