Helene Hegemann, die 17-jährige Autorin des Überraschungs-Bestsellers „Axolotl Roadkill“, ist unter massive Plagiatsvorwürfe geraten.
Prompt folgte die Verteidigung: „Originalität gibt’s sowieso nicht, nur Echtheit“, schrieb der Nachwuchsstar in einer vom Ullstein Verlag verbreiteten Erklärung. „Das, was wir machen, ist eine Summierung aus den Dingen, die wir erleben, lesen, mitkriegen und träumen.“
Der Blogger Deef Pirmasens sieht das anders. Auf seiner Internetseite (www.gefuehlskonserve.de) hatte er Hegemann vorgeworfen, ganze Passagen ihres Buches aus dem im vergangenen Jahr erschienenen Roman „Strobo - Technoprosa aus dem Berghain“ von einem Autor Airen übernommen zu haben.
Hegemann räumte ein, sie sei „total gedankenlos und egoistisch“ gewesen, weil sie nicht alle Menschen erwähnt habe, deren Gedanken und Texte ihr geholfen hätten. „Inhaltlich finde ich mein Verhalten und meine Arbeitsweise aber total legitim.“
Der Fall macht deutlich, wie schmal der Grat zwischen Ideenklau und gegenseitiger geistiger Befruchtung geworden ist. In Zeiten, in denen Copy & Paste, Kopieren & Einfügen zu einem der wichtigsten Handgriffe der Computerarbeit geworden ist, fällt die Abgrenzung oft schwer.
Hegemann erzählt in ihrem Buch aus der Perspektive eines 16 Jahre alten Mädchens, das sich durch eine kaputte Welt voller Sex, Drogen und Zynismus schlägt.
Sie habe ihre Freunde, andere Autoren und auch sich selbst dabei total beraubt, schreibt sie. Von Airen habe sie eine Seite regelrecht abgeschrieben, habe damit aber auch in Kommunikation mit ihm treten wollen.
Der Ullstein Verlag, der stolz schon den Ausverkauf der ersten Auflage gemeldet hatte, schob indirekt der jungen Autorin den Schwarzen Peter zu.
„Offenkundig hat sie die Tragweite dieser Frage unterschätzt und ist auf Quellen und Zitate aus dem Netz - wie etwa den Blog von Airen - nicht eingegangen“, erklärte Geschäftsführerin Siv Bublitz.
Blogger Pirmasens, der „Axolotl“ und „Strobo“ Passage für Passage verglichen hatte, war mit den Erklärungen nicht zufrieden.
„Was (Hegemann) aber nicht versteht oder verstehen will ist, dass Remixen, Samplen, Transformieren usw. vollkommen in Ordnung geht, so lange man sich nicht mit fremden Federn schmückt.“ Und dem Verlag warf er vor, seine Sorgfaltspflicht verletzt zu haben.
Die Geschichte ist deshalb besonders pikant, weil „Axolotl Roadkill“ in der deutschen Kulturszene groß mit Vorschusslorbeeren bedacht wurde. Das Buch eroberte auf Anhieb die Bestsellerlisten.
Die „Zeit“ sprach von einem „literarischen Kugelblitz“, und die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ jubelte: „Ein deutsches Romandebüt mit einer solchen Kraft hat es lange nicht gegeben.“
Die offizielle Vorstellung des Buches am 19. Februar in Berlin dürfte jetzt jedenfalls besondere Aufmerksamkeit finden.
dpa
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