Werbung - Redaktion - Dienstag, 22. Mai 2012
25. Januar 2012
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Gesundheit

Südtiroler Lawinenopfer wird Präzedenzfall für Forschung

Frühling 2010: In den Sarner Alpen wird ein Skitourengeher lebend geborgen, nachdem er über zwei Stunden lang vollständig unter einer Lawine begraben war.

Der Verunglückte wird sofort im Bozner Krankenhaus erwärmt. Dabei treten eine ganze Reihe von Komplikationen auf, die völlig untypisch sind und in der medizinischen Fachliteratur noch nie beschrieben wurden.

Die Wissenschaftler des EURAC-Instituts für Alpine Notfallmedizin haben den Fall untersucht und die Ergebnisse nun in den „Annals of Emergency Medicine“ publiziert, einer weltweit renommierten amerikanischen Fachzeitschrift für Notfallmedizin.

Der Fall

Es ist März 2010, es schneit seit Tagen. Das Hydrographische Amt der Provinz Bozen warnt vor erhöhter Lawinengefahr in den Bergen und verzeichnet Stufe vier auf einer Skala bis fünf.

Ein Tourengeher beschließt trotz dieser Bedingungen, alleine im Sarntal eine Skitour zu unternehmen. Als er eine Höhe von knapp 2200 Metern erreicht, wird er von einer Lawine verschüttet.

Es vergehen zwei Stunden und sieben Minuten, bis die Rettungssanitäter den Mann finden und bergen können.

Mit einer Körpertemperatur von 24 Grad Celsius ist sein Bewusstsein bereits schwer beeinträchtigt. Mit dem Hubschrauber wird er ins Bozner Krankenhaus gebracht, wo er mit nichtinvasiven Methoden erwärmt wird.

Sein Herz setzt dabei immer wieder aus, starke und extreme Schwankungen des Blutzuckerspiegels treten auf; zusätzlich hat sich kurz nach Beginn der Erwärmung ein Lungenödem gebildet.

Diese komplexe Verknüpfung von Komplikationen war den Notfallärzten bis dahin nicht bekannt und wurde in der medizinischen Fachliteratur noch nicht beschrieben.

Der Skitourengeher kann jedoch wider Erwarten nach 24 Stunden Wiederbelebung und zwei Tagen Krankenhausaufenthalt nach Hause gehen, und das ohne irgendwelche weiteren gesundheitlichen Schäden.

EURAC:„Einzigartig"

Einzigartig ist der beschriebene Fall laut den EURAC-Wissenschaftlern aufgrund der ungewöhnlichen Art und Weise, wie der Patient auf die starke Unterkühlung reagiert hat: Wenn auch nicht ansprechbar, war er keineswegs bewusstlos.

Ebenso außergewöhnlich war seine Stoffwechselreaktion auf die Erwärmung, die mit dem Zuführen warmer Luftströme und warmem Sauerstoff durchgeführt wurde.

„Wichtige Grundlage für weitere Studien auf diesem Gebiet“

„Mit der Publikation in der renommierten Fachzeitschrift ‚Annals of Emergency Medicine‘ steht dieser besondere klinische Fall jetzt der ganzen Wissenschaftsgemeinde zur Verfügung. Dies ist eine wichtige Grundlage für weitere Studien auf diesem Gebiet“ erklärt Hermann Brugger, der Leiter des EURAC-Instituts für Alpine Notfallmedizin.

„Diesen Fall haben wir im Detail beschrieben: Wir gehen genau darauf ein, mit welchen Methoden der Patient von den Ärzten behandelt worden ist und wie er darauf reagiert hat. Dadurch kann dieser Artikel auch die medizinische Ausbildung des Rettungspersonals unterstützen”, erläutert Giacomo Strapazzon, Arzt und stellvertretender Institutsleiter.




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