Die vortreffliche Lena Meyer-Landrut (18) vertritt Deutschland am 29. Mai beim Eurovision Song Contest. Aber es gab noch einen Sieger beim deutschen Vorentscheid: Stefan Raab (43).
Frage an Lena Meyer-Landrut: „Wie schätzt du deine Chancen für Oslo ein?“ Antwort: Lautes Prusten. „Du, das kann ich dir auch nicht sagen! Wer da am Ende gewinnt, das weiß niemand.“ Auch wieder wahr.
Ja, so ist sie, die erfrischend natürliche und gleichzeitig etwas abgedrehte neue Lieblingsschülerin des deutschen Fernsehpublikums, die sich am Freitagabend klar gegen ihre Konkurrentin Jennifer Braun (18) durchsetzte.
Showinitiator und Jurypräsident Stefan Raab zu ihrem Erfolgsgeheimnis: „Es gibt viele, die sind so, und es gibt wenige, die sind anders, und du bist eben anders.“ Das TV-Studio als Raum der Erkenntnis.
Und also sprach die Gewinnerin selbst im Augenblick ihres Triumphes: „Das ist so verdammt krass, das ist so derbe. Das ist echt ganz schön fett, das ist so fett, das ist so verdammt derbe.“
Den Titel, mit dem sie in Oslo auftritt, haben die ARD-Zuschauer gleich auch noch ausgesucht: „Satellite“ heißt er. Was Spezielles mit Sprechgesang. Wäre interessant zu wissen, ob die ProSieben-Seher anders entschieden hätten - nach dem Motto: Wadde singe dudde da?
Beide Sender hatten erstmals in dieser Form kooperiert. Sechs Sendungen gab’s bei ProSieben, zwei bei der ARD, darunter das Finale. Kanzlerduelle und Grand-Prix-Vorentscheide: wenn es um die wirklich wichtigen Fragen der Nation geht, dann finden Öffentlich-Rechtliche und Private eben doch zusammen.
Rüpel-Raab hatte sich für „Unser Star für Oslo“ in den lieben Stefan verwandelt. Mit dunkelgrauem Anzug angetan, verteilte er serienweise Komplimente.
Kurz vor der Verkündung des Endergebnisses mutierte er endgültig zum Gutmenschen: „Es wird gleich jemand ausscheiden, der es auch verdient hätte.“
Gelobt sei, was zart macht. Auf die nicht gerade berauschenden Einschaltquoten angesprochen, erklärte er bei einer Pressekonferenz im Anschluss: „Glauben Sie nicht, dass wir nicht wissen, wie man mit der Sendung zehn Prozent mehr machen kann. Das wissen wir. Aber das machen wir aus Anstandsgründen nicht.“
Ein schöner Satz für die ARD-Oberen, die denn auch strahlten. Stefan Raab und der Anstand. Von Thomas Schreiber, dem ARD- Koordinator Unterhaltung, wurde der Klamaukarbeiter an diesem Abend mit Lob überschüttet: „Das war für mich der Traum einer Zusammenarbeit.“
Da wird wohl mehr kommen. Schreibers Lob „verschlechtert die Verhandlungsposition in keinem Fall“, stellte Raab vergnügt fest und fügte angesichts leicht beunruhigter Gesichter bei ProSieben schnell noch hinzu: „Sie wissen ja, ich bin ’ne treue Seele.“
Ob Stefans Lena für Deutschland die Erlösung aus dem Keller bringen wird, muss sich noch zeigen - „Wunder gibt es immer wieder“.
dpa
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