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Artikel vom Donnerstag, 7. März 2013

Echo: Frei.Wild in Deutschland stark unter Beschuss

Am 21. März wird der Echo, der wichtigste deutsche Musik-Preis, in Berlin in 27 Kategorien verliehen. Die ARD überträgt live ab 20.15 Uhr, die Gala wird von Helene Fischer moderiert.

Foto: APA

Zu den Nominierten gehören neben den Kastelruther Spatzen, die den Preis bereits 13 Mal erhalten haben, auch Frei.Wild.

Die Brixner Band ist in der Kategorie „Künstler/Künstlerin/Gruppe/Kollaboration Rock/Alternative National“ zusammen mit Die Ärzte, Unheilig, Mia und Kraftclub nominiert.

Die Nominierung von Frei.Wild in der gleichen Kategorie stößt der Band Kraftclub aber sauer auf.

„Wir haben unsere Plattenfirma gebeten, dafür zu sorgen, dass unsere Nominierung für den Echo in der Kategorie 'Rock/Alternativ National' zurückgezogen wird. Wir möchten nicht weiter in einer solchen Reihe genannt werden. Obwohl wir uns gefreut haben, zusammen mit Mia, den Toten Hosen, Unheilig und Die Ärzte nominiert gewesen zu sein. Schade um die schöne Aftershowparty...“, schreibt die Band auf ihrer Facebook-Seite.

Kraftclub distanziert sich damit öffentlich von einer Band, die in Deutschland ihren Ruf, rechts zu sein, nicht los wird.

„Deren Texte gelten vielen Kritikern als nationalistisch!“, schreibt die „Bild-Zeitung“ über Frei.Wild.

„Die Ärzte“, in der gleichen Kategorie wie Frei.Wild und Kraftclub nominiert, meldeten sich am Mittwoch ebenfalls zur Polemik zu Wort.

„Hey Leute, beim 'Wichtigsten Deutschen Musikpreis' ist mal wieder eine politisch fragwürdige Band nominiert. Da uns der Echo sowieso nie interessiert hat und unsere politische Einstellung hinreichend bekannt sein sollte, liegt der Rest in den Händen der sicherlich weisen Juroren. Liebe Grüße, eure Lieblingsband“, schreiben die Ärzte auf ihrer Homepage.

"Spiegel Online": Frei.Wild aus Italien

Auch "Spiegel Online" greift das Thema auf. Die meistgelesene deutsche Nachrichten-Website schreibt, man könne die Nominierung von Frei.Wild "durchaus fragwürdig finden, nicht nur aus politischen Gründen."

Sei es "wirklich logisch, wenn eine Band aus dem italienischen Brixen in der Kategorie 'Rock/Alternative national' auftaucht? Und wird daraus nicht erst recht ein Fehlgriff, wenn diese Band gerne betont, zur deutschen Minderheit in Südtirol zu gehören?", so "Spiegel Online" zur Polemik rund um die Echo-Nominierung.

Frei.Wild reagiert relaxed

Die Band selbst reagierte gelassen: „Wir haben nach langem Überlegen unsere Plattenfirma, die wir selber sind :) gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass nach der Nominierung für den Echo in der Kategorie "Rock/Alternativ National" genug Bier auf der Aftershowparty steht. Wir freuen uns auf die großartige Liste unserer Kategorie und hoffen, dass wir nicht als einzige übrig bleiben und den Echo trotz kleinerer Verkaufszahlen jetzt doch noch kriegen könnten“, schreibt Frei.Wild auf Facebook.

Auf die Vorwürfe, die Band sei rechts und nationalistisch, hat die Band mit einer eigenen "Frage-Antwort"-Seite auf ihrer offiziellen Website reagiert.

Für den Echo nominiert wurde Frei.Wild aufgrund der Verkäufe des äußerst erfolgreichen Albums „Feinde deiner Feinde“, das in den deutschen Charts auf Platz zwei landete. Vier Frei.Wild-Singles kamen in die Top 100.

Im Februar Shitstorm

Die Brixner standen bereits im Februar im Focus der deutschen Medien.

Die Musiker rund um Sänger Philipp Burger sagten nach einem sogenannten "Shitstorm" einen Auftritt beim "With Full Force Festival" im sächsischen Löbnitz/Roitzschjora ab – vier Tage nach der Zusage.

Die Organisatoren des Festivals in Ostdeutschland hatten zuvor stolz vermeldet, „die momentan angesagteste, zugkräftigste und umjubelste, aber auch eine der umstrittensten Bands des Streetpunk-Sektors, Frei.Wild“, verpflichtet zu haben.

Die Boykott-Aufrufe einiger Fans ignorierten die Organisatoren dabei anfangs ebenso wie die Drohung einiger Konzertbesucher, ihre Tickets zurückzugeben, sollte Frei.Wild auftreten.

Die Band habe immer eindeutige Aussagen gegen Rechts getroffen, die frenetisch vom anwesenden Publikum beklatscht worden seien, so Sven Borgers, Chef der „With Full Force Veranstaltungs GmbH“, gegenüber der Leipziger Volkszeitung.

Doch die Protestwelle ging weiter. Weil Frei.Wild "dem Rechtspopulismus zu sehr in die Hände spielt, um als unpolitisch gelten zu können", beendete das Alternative-Rock-Magazin "Visions" die Zusammenarbeit.

"Den Auftritt einer solchen Band wollen wir nicht unterstützen und ziehen uns deshalb aus der Präsentation des With Full Force zurück", erklärte die "Visions"-Redaktion.

Frei.Wild spreche mit „doppelter Zunge“. Deutschtümelnde wie nationalstolze Texte würden nun mal nicht besser oder gar relativiert, wenn es bei Konzerten der Band "Nazis raus!"-Sprechchöre gebe.

Schließlich erreichte die Protestwelle auch die Sponsoren. Jägermeister, ein Tätowier-Magazin und der Medienpartner Festivalguide distanzierten sich und forderten von der Festivalleitung eine Entscheidung. Sonst werde man sich zurückziehen.

Der wachsende öffentliche Druck zeigte schließlich Wirkung. Die Band selbst sagte den Auftritt schließlich ab.

rb

Parus

Hitler würde die Band vermutlich lieben, sind ja alle Österreicher.....

07.03.2013 11:07

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1 Kommentar