Samstag, 13. März 2010
09. Februar 2010
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Panorama

Der Wecker im Handyzeitalter - überflüssig?

Schlaue Handys können nicht nur Musiktitel erkennen oder Restaurants empfehlen. Sie werden auch zu banaleren Zwecken genutzt: als Wecker.

Das Handy liegt neben dem Bett und reißt den Schlummernden mit elektronischen Sphärenklängen aus dem Schlaf. Das wirft die Frage auf, ob der Wecker auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Dinge landet. Der Computer hat schließlich auch die Schreibmaschine ersetzt. Hat es sich ausgetickt?

Beim für sein Design berühmten Hersteller Braun, der heute zu Procter & Gamble gehört, fehlt der Wecker auf der Sortimentsliste im Internet. Der Klassiker mit dem analogen Zifferblatt ist seit 2009 „auslizenziert“: Der Braun-Wecker wird von einer britischen Firma vermarktet. Was steckt dahinter?

„Dieses Business gehört nicht mehr zum Kerngeschäft“, sagt Braun-Sprecher Lars Atorf, der betont, dass die Wecker weiter erhältlich sind. Atorf denkt nicht, dass die Produktgattung im Handyzeitalter verschwindet.

Aber der Braun-Wecker ist zum Stück für den Manufactum-Katalog geworden, der auf Retro und Handwerkskunst setzt. Dort findet sich außerdem ein mechanisches Modell für 268 Euro. Der runde, silberne „Looping“-Wecker kommt aus einem kleinen Betrieb aus dem Schweizer Jura - „ein Produkt ernsthaften Uhrenbaus“ (Katalog) wie anno 1932 und sicher in einer Nische in der digitalen Welt angesiedelt.

„Die Mechanik ist vermehrt gefragt“, sagt Firmenchef Edgar Sutter. Bei Weckern zum Aufziehen könne jeder Uhrmacher den Service übernehmen, wenn mal was kaputt ist. „Bei Quarz sind sie aufgeschmissen.“

Sutter kaufte das Unternehmen 1982 aus der Konkursmasse und kann mittlerweile über Arbeitsmangel nicht klagen. Bis 2012 sind die Auftragsbücher voll. Der Uhrmacher sieht sich mit seinen sieben Mitarbeitern weltweit als einziges Unternehmer, der noch mechanische Wecker in dieser Qualität herstellt. Und das Ticken sei gar nicht so laut.

Auch zum Berliner Händler Friedrich Bischoff kommen noch Leute, die sich gern altmodisch wecken lassen. Das sei ähnlich wie bei Menschen, die eine Armbanduhr zum Aufziehen statt mit Batterie haben wollen. „Es gibt immer Gegenbewegungen“, sagt Bischoff.

In der Fachliteratur ist zu erfahren, dass der Wecker eine amerikanische Erfindung aus dem 18. Jahrhundert ist und besonders im Zeitalter der Industrialisierung wichtig wurde, damit die Fabrikarbeiter pünktlich am Band standen. Der Kenner unterscheidet zwischen Tisch- und Reisewecker. Die Radiowecker mit digitalen Ziffern dürften in den 80er Jahren ihre Hochzeit gehabt haben. Heute laufen solche Geräte unter „Uhrenradio“ und dienen auch als Abspielstation für den MP3-Player.

Wecker werden immer noch verkauft

„Natürlich werden nach wie vor Wecker verkauft“, beteuert Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (Köln).

2009 sei mit ihnen ein Umsatz von 75 Millionen Euro gemacht worden - Tendenz steigend. Der Branchenmann glaubt nicht, dass das Gerät vom Aussterben bedroht ist. „Nicht viele Leute legen das Handy neben das Bett.“

Nachfrage bei der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg, die Zahlen zu Uhrenradios kennt: „Wir gehen von einem stabilen Markt aus“, sagt Marketingmanager Arndt Polifke. 1,3 Millionen Geräte wurden 2009 verkauft.

Ob die Menschen aber statt Omas Klapp-Wecker oder auf Reisen lieber das Handy bimmeln lassen, sagen solche Zahlen nicht.

Caroline Bock, dpa

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