Sonntag, 14. März 2010
09. Februar 2010
Bild: protestsongcontest.at © 2010 Bild: protestsongcontest.at
Panorama

Protestsongcontest: Kleine, braune Würschtln und Fiona Swarovski

Am 12. Februar wird der Wiener Rabenhof zum siebten Mal Schauplatz des Protestsongcontests. Die zehn besten Interpreten der Vorausscheidungen stellen sich dem Urteil der sechsköpfigen Jury.

Umwelt, Rechtsextremismus und die Wirtschaftskrise sind Themen, die dieses Jahr von den Finalisten musikalisch interpretiert wurden. Moderiert wird das Spektakel von Dirk Stermann.

Politisch wird es in der „Würschtlpolka“ von Rotzpipn & Das Simmeringer Faustwatschenorchester. Der Hauptprotagonist, ein kleines, braunes Würschtl, warnt am Viktor-Adlermarkt vor der drohenden Überfremdung.

Karin Rabhansl verarbeitet in ihrem Lied „Arbeitsamt“ ihre persönliche Erfahrung. Vertonten Aussagen zufolge wie „Musiker sind asozial. Dirndl host du des net g’wisst“ war es wohl kein erfreulicher Besuch.

„Lokalverbot“ erhält die Austrobilly-Band (Rockabilly mit deutschen Texten) Mad Town Dogs bei einem Wirten, in dem rechte Meinungen vertreten werden. Recht anschaulich wird ihre Ansicht dazu mit Textzeilen wie „Was aus dem Mund kommt, kommt sonst aus dem Darm“ besungen.

Fiona Swarovskis viel verspotteter Vorschlag zur Wirtschaftskrise „Sollen die Leute halt ihren Salat und ihre Tomaten auf ihren Terrassen, sofern sie welche haben, selber anbauen“ wird im „Swarovski-Song“ von Maria Stern persifliert.

„sepp haT gesagT wir müssen alles anzünden“

Feurig wird es bei „sepp haT gesagT wir müssen alles anzünden“ von pauT, der laut eigenen Angaben 100 Prozent geschminkte und verlogene Popmusik produziert.

Die Schlagerband Cremeschnitten muss gar „Nichts“ was sie nicht will und protestiert mit viel Ironie gegen aufgezwungene Konventionen.

Der Beschwerdechor St. Pölten hat auf der Straße Beschwerden über St. Pölten gesammelt und daraus ein Lied geformt: In der rund 13-minütigen Tirade ist es in St. Pölten grau, „Wenn in Wien die Sonne scheint“.

ROTZ ist beim Protestsongcontest nicht unbekannt, schließlich kam die Band letztes Jahr unter die Top 25. Mit „Draußen vor der Stadt“ schafften sie es dieses Jahr in das Finale.

Garantiert feinstaubfrei ist die Performance von „Binder & Krieglstein“, die mit „Fahrradfahr’n ist schadstoffarm“ herrschende Umweltprobleme ansprechen.

Schrammelkunst auf höchstem Niveau bietet Café Olga Sànchez. Der Text ist zwar schwer zu verstehen, eine Frage ist aber deutlich herauszuhören: Wer hat Angst vorm „schwarza Ma“?

FM4-Urgestein Martin Blumenau wird genau wie Kurier-Kolumnistin und Autorin Doris Knecht als Mitglied der Jury beim Finale seinen Senf dazugeben. Auch Ex-Kulturgewerkschaftsvorsitzender Peter Paul Skrepek und ÖHlerin Sigrid Maurer haben für Proteste ein offenes Ohr, während die Musiker Birgit Denk und Peter Hein ihre langjährige Erfahrung mit einbringen werden.

Der Protestsongcontest wurde 2004 zum 70. Jahrestag der Februarunruhen des Jahres 1934 ins Leben gerufen. Bei den Einsendungen sind sowohl Eigenkompositionen als auch Coverversionen willkommen, der Text muss jedoch original vom Teilnehmer kommen.

apa

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