Werbung - Redaktion - Mittwoch, 23. Mai 2012
09. November 2011
Maximilian Rainer © 2011 D Maximilian Rainer
Lokal

Erst ab Februar in Wartestand

Der Verwaltungsrat der SEL AG sowie Mitglieder des Überwachungsrates haben am Dienstagabend auf einer Sitzung überraschend beschlossen, Generaldirektor Maximilian Rainer erst im kommenden Jahr einen unbezahlten dreimonatigen Wartestand zu genehmigen.

Rainer hatte am Montag selbst um den sofortigen Wartestand gebeten, da gegen ihn die Bozner Staatsanwaltschaft ermittelt. Er wolle den Ausgang der Ermittlungen abwarten, hatte Rainer in einem Brief an den Verwaltungsrat geschrieben.

Die Staatsanwaltschaft will klären, ob Rainer in seiner Funktion als SEL-Direktor Interessen seines Arbeitgebers vernachlässigt oder verletzt und dabei privat davon profitiert hat.

Laut Energie-Landesrag Michl Laimer gibt es im Arbeitsvertrag von Rainer eine Exklusivitätsklausel.

Rainer hat wiederholt erklärt, sich in keiner Hinsicht schuldig gemacht zu haben. 

Die Erklärung der SEL

„Rainer hat beantragt, den Wartestand mit sofortiger Wirkung anzutreten. Der Verwaltungsrat hat diesem Wunsch allerdings nicht entsprochen und den Beginn des Wartestandes einstimmig auf den 1. Februar 2012 festgelegt“, schreibt die SEL AG am heutigen Mittwoch in einer Aussendung.

Dies mit der Begründung, „dass es unabdingbar ist, dass der Generaldirektor bis dahin in der Gesellschaft weiterhin aktiv bleibe, und dass durch seinen Wartestand der SEL AG kein Schaden erwachse und man der Verantwortung gegenüber den über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der SEL-Gruppe gerecht wird“, heißt es seitens der SEL.

Die landeseigene Gesellschaft führt derzeit mit dem internationalen Energiekonzern Edison Verhandlungen über den Kauf von Anteilen an acht Wasserkraftwerken in Südtirol. Diese Verhandlungen, die derzeit laufen, soll SEL-Generaldirektor Rainer weiterführen. Einen Vize-Direktor, der diese Aufgabe übernehmen könnte, gibt es nicht.

"Dem Wunsch des Generaldirektors, in den unbezahlten Wartestand zu treten, konnte einzig unter dieser zeitlichen Verzögerung entsprochen werden, da ansonsten irreversible Schäden zu Lasten der gesamten SEL-Gruppe nicht auszuschließen waren", erklärte Josef Vieider am Mittwoch "im Namen des Überwachungsrates der SEL AG und der SEL GmbH" die brisante Entscheidung.

Ein sofortiger Wartestand könne "nicht wieder gut zu machende Schäden für die Gesellschaften der gesamten Gruppe hervorrufen", so Vieider in der Stellungnahme. Bei der Entscheidung über den Antrag des Generaldirektors hätten "ausschließlich die Interessen des Unternehmens im Mittelpunkt zu stehen."

Die Grünen sprechen angesicht der Entscheidung der SEL AG zum Wartestand von Rainer von einem Skandal.

Die SEL steht derzeit ohne Führung da: Den Rücktritt von SEL-Präsident Klaus Stocker hat die Landesregierung am Dienstag auf einer außerordentlichen Sitzung angenommen und SEL-Aufsichtsrat Franz Pircher ist am Dienstag zurückgetreten.

Verhandlungen mit Energiekoloss Edison

In den Verhandlungen geht es um die Übernahme der Anteile der Edison an der Hydros GmbH sowie an der SELEDISON AG.

An letzterer Gesellschaft - sie betreibt derzeit die beiden Großwasserkraftwerke von Kastelbell und Glurns mit einer Jahresproduktion von rund 650 Millionen Kilowattstunden - hält Edison 42 Prozent der Anteile, während sich die Beteiligung der Edison an der Hydros auf 40 Prozent beläuft.

Der Hydros gehören wiederum die Kraftwerke Laas/Martell, Graun, Marling, Barbian/Waidbruck, Wiesen/Pfitsch, Prembach sowie Bruneck/Olang, die jährlich rund eine Milliarde Kilowattstunden Energie erzeugen.

„Bis zum Antritt des Wartestandes sollen die notwendigen Dispositionen und Maßnahmen getroffen und die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die operative Tätigkeit und die Verwaltung des Unternehmens auch im Wartestand gewährleistet bleiben und in der Umsetzung der Agenden der Gesellschaft kein Vakuum entsteht“, heißt es abschließend in der Stellungnahme der SEL.




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