© 2010 LaPresse Regionenminister Raffaele Fitto sorgt in Südtirol für Unverständnis
Regionenminister Raffaele Fitto zeigt sich unnachgiebig. „Südtirol ist Italien, und einsprachige Schilder sind nicht hinnehmbar“, so Fitto im Interview.
Herr Minister Fitto, wie aus unseren Recherchen hervorgeht, hat bis jetzt noch keine römische Regierung je diesen Artikel 120 der Verfassung angewandt. Finden Sie diesen Schritt angemessen?
Fitto: Das stimmt nicht, wir haben diesen Artikel kürzlich zwei Mal angewandt: Einmal um in Kalabrien das Wohnbauprogramm weiterzubringen, und im Gesundheitswesen ebenfalls in Kalabrien, im Latium u.a.m.. Und zur Frage der Angemessenheit: Ich habe mir nach dem Treffen mit Landeshauptmann Durnwalder gewünscht, dass es zu einer Einigung kommt, aber dem war leider nicht so, und deshalb ist dieser Schritt richtig.
Was hat dieser Beschluss zur Folge?
Fitto: Wir haben Durnwalder aufgefordert, innerhalb 60 Tage dafür zu sorgen, dass diese 36.000 einsprachigen Schilder weggenommen werden. Ab dem 61. Tag werden wir alles in die Wege leiten, um dies umzusetzen. Es wird jemand nominiert, um den Beschluss umzusetzen.
Landeshauptmann Durnwalder bringt dieser Beschluss nicht aus der Ruhe. Hätten Sie ihn nicht zur Ministerratssitzung einladen müssen?
Fitto: Nein, weil wir heute nur den Verweis (diffida, A.d.R.) an Durnwalder erteilt haben. Die gesamte Prozedur läuft erst in 60 Tagen an.
Durnwalder sieht es auch deshalb gelassen, weil die Wegweiser von einem privaten Verein auf meist privatem Grund aufgestellt worden sind. Ist das Land nicht der falsche Adressat?
Fitto: Auf wessen Boden die Schilder aufgestellt wurden und von wem, das ist derzeit Gegenstand von Ermittlungen der Justiz. Mir wurde mitgeteilt, dass der Großteil auf öffentlichem Grund steht. Und was den Adressaten angeht, zuerst will man die Kompetenzen und dann übt man sie nicht richtig aus. Ihre Provinz liegt in Italien. Wir leben in Italien und es ist unvorstellbar und nicht hinzunehmen, dass es in der Provinz Bozen nur deutsche Wegweiser gibt. Das sage ich Ihnen als Minister, als Italiener und als Gast ihres Landes.
Durnwalder hat den Kompromiss nicht unterzeichnet, weil sie angeblich sämtliche Flurnamen übersetzt wissen wollten. Das wären 300.000. Tolomei hat 8000 Ortsnamen „übersetzt“...
Fitto: Da hat man Sie falsch informiert. Wir hätten eine Kommission einsetzen wollen, die darüber entscheidet, welche Namen unübersetzbar sind.
Ein Spiel mit dem Feuer, und Südtirol gibt Rom die Schuld dafür. Sind Sie sich dessen bewusst?
Fitto: Die, die keine zweisprachigen Schilder aufstellen, zündeln mehr. Und in der Provinz Bozen scheint es gar einige zu geben, denen der Umstand entgangen zu sein scheint, dass Südtirol Italien ist.
Interview: Luise Malfertheiner/D
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