Startseite » Politik im Überblick » Lokal

Artikel vom 07. August 2012

„Jetzt bei Frauenquote keine Ausreden mehr"

In von drei Jahren, also 2015, dürfte es in den Verwaltungs- und Aufsichtsräten der lokalen öffentlichen Gesellschaften ganz anders aussehen. Bis dahin wird mindestens ein Drittel der Vertreter weiblich sein.

Frauenquote

Die Zukunft: mindestens ein Drittel Frauen in den Verwaltungs- und Aufsichtsräten - Foto: shutterstock

Martha Stocker: „Frauenquote für Vorstände ein Muss“

Landtagsabgeordnete Martha Stocker stellte das neue Landesgesetz vor. - Foto: APA/AFP

weitersagen drucken

Dies garantiert das Landesgesetz vom 19. Jänner 2012, das ab dem morgigen Mittwoch in Kraft tritt.

„Es ist wichtig, dass es klare Regeln gibt“, unterstrich Regionalassessorin und Landtagsabgeordnete Martha Stocker am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Bozen.

Laut dem neuen Gesetz darf in den Verwaltungs- und Aufsichtsräten der lokalen öffentlichen Gesellschaften in Südtirol keines der beiden Geschlechter mit mehr als zwei Dritteln vertreten sein. Das bedeutet: Mindestens ein Drittel muss weiblich bzw. männlich sein.

„Ansonsten ist die Bestellung als nichtig zu betrachten“, betonte Stocker.

Die Landtagsabgeordnete bezeichnet diese Sanktion als das „stärkste Druckmittel“, das gewährleiste, dass die Regelung umgesetzt werde.

In drei Jahren alles umgekrempelt

Die normale Laufzeit von solchen Organen beträgt in der Regel drei Jahre.

Da das Gesetz bei der nächste Erneuerung bzw. Einsetzung der Räte angewandt werden muss, dürfte es etwa genauso lange dauern, bis die Änderung in den Verwaltungs- und Aufsichtsräten umgesetzt ist.

Frauenquote „ein für alle Mal“ klar geregelt

Auf die Frage, wie sie die derzeitige Situation beschreibe, meint Stocker gegenüber STOL: „Wir sind auf dem Weg.“ Nun sei es wichtig, dass dieser weitergegangen werde.

Bereits mit dem Gleichstellungsgesetz von 2010 seien die Weichen gestellt worden. „Jetzt ist eine Präzisierung gemacht worden.“ Nun sei die Frauenquote „ein für alle Mal“ klar geregelt.

Für das Gleichstellungsgesetz habe sie drei Jahre lang – auch parteiintern – kämpfen müssen, erklärte Stocker. Es bestimmt, dass in den Gremien von Gesellschaften mit Landesbeteiligung ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis bestehen muss.

„Jetzt kann es keine Ausreden mehr geben“, so Stocker. Bisher hätten einige Südtiroler Gemeinden – so etwa auch Bozen – die Frauenfrage „sehr kreativ geregelt“.

Derzeit rund zehn Verwaltungs- und Aufsichtsräte ganz ohne Frauen

In den insgesamt 25 Kapitalgesellschaften des Landes gibt es laut Stocker neun Verwaltungs- und zehn Aufsichtsräte ohne Frauen.

„Es gibt aber auch Räte mit mehr Frauen – das ist sehr lobenswert“, so die Landtagsabgeordnete: In vier Verwaltungsräten und zehn Aufsichtsräte seien mehr als ein Drittel Frauen vertreten.

Zum Vergleich: Vor dem Gleichstellungsgesetz (vor dem 8. März 2010) seien landesweit drei Frauen in Verwaltungsräten vertreten gewesen, lediglich eine Frau saß in einem Aufsichtsrat.

Seitdem habe man den Frauenanteil massiv steigern können: Im Juli 2012 sei er bei den Verwaltungsräten bei zwölf Prozent (18 Frauen) und bei den Aufsichtsräten bei 20 Prozent (14 Frauen) angelangt.

„Da hat sich inzwischen doch einiges getan“, findet Stocker.

Die Zukunftsvision: „In den Verwaltungsräten müssen mindestens 48 und in den Aufsichtsräten mindestens 70 Frauen sitzen.“ Dies wären jeweils 33 Prozent.

Braucht es die Quote?

Aber: Braucht es die Quote wirklich, damit die Frauen einen Platz in den Verwaltungs- und Aufsichtsräten bekommen?

Erst am Montag hatte die freiheitliche Landtagsabgeordnete Ulli Mair wieder unterstrichen, die Frauenquote strikt abzulehnen.

In einer Aussendung – als Reaktion auf den Beschluss der italienischen Regierung, eine Frauenquote für börsennotierte Gesellschaften und Unternehmen mit staatlicher Beteiligung einzuführen – schreibt sie, es müsse vielmehr auf „auf Kompetenz, Zivilcourage und Selbstbewusstsein gesetzt werden“.

Für Martha Stocker ist die Frauenquote aber unumgänglich: „Die Kompetenzen stehen außer Frage“, deren habe man im Lande genug. „Nur müssen sich die Frauen zutrauen, Führungspositionen zu übernehmen.“

Frauen würden sich oft nicht stark genug vermarkten, „sie sind nicht so sichtbar“.

Ob es an den Frauen selbst liege oder jenen, die die Räte ernennen? „Ich will niemandem etwas unterstellen“, so Stocker, „aber es ist bisher in den Köpfen noch nicht drinnen. Denkzugänge müssen verändert werden.“

„Die Frauenquote ist eine Krücke für die Gerechtigkeit. Wenn diese erreicht ist, können wir sie auch wegwerfen.“

Barbara Raich

sterni76

07.08.2012 19:52

@mr.spok!
Kein totaler Blödsinn,habe eine Nichte in Badenwürtenberg,bekommt ende August ihr 6.Kind.Sie hat alle Kinder sehr lange gestillt,7-8 Monate.Ihr Mann ist bei der Post angestellt.Ab den 10.Monat,teilen sie sich die Babypause,sie hat von Anfang an in der Woche 2 Tage gearbeitet,in der Zeit hat ihr Mann alles im Hause erledigt.Alle Kinder sind mit 3 Jahren in den Kindergarten gekommen.Ich zieh jedesmal den Hut ab,von der Familie wenn ich sie besuche.Auch den Firmen muss ein großes Lob ausgesprochen werden,dass sie dies für Familien ermöglichen.

jfreak

07.08.2012 19:23

Ich frage mich, ob diese Kampfemanzen noch zeitgemäß die Interessen der Frauen repräsentieren. Bin mir ziemlich sicher, dass die Frauenquote nicht das Ziel unserer tüchtigen weiblichen Führungspostion-Ambitionierten war. Das Prinzip: der beste bekommt den Job ist heilig. Alles andere ist absoluter Schwachsinn. Frage: wenn sich eine Frau nicht zutraut eine Führungsposition einzunehmen, ist nicht alleine das eine Grund ihre Führungsfähigkeiten anzuzweifeln?

Lipophobia

07.08.2012 18:47

Frauenquote? Bitte dann auch überall. Bei der Müllabfuhr scheint mir eine nahezu 100%ige Männerquote vorzuherrschen. Im Übrigen werden die Chefideologen des Gender Mainstreaming sicher auch schon eine Lösung dafür haben, wie 50% der Kinder von Männern zur Welt gebracht werden sollen. Vermute durch eine Quotenregelung. Für mehr amtliche Gerechtigkeit in der schönen neuen Welt.

mr.spok

07.08.2012 17:53

Totaler Blödsinn!!

kielratte

07.08.2012 17:00

Kinderbetreuung ausbauen?? Da wär ja mal am Richtigen Ort angesetzt!! Das ist ja viel zu viel Arbeit für unsere Regierungspartei hier.... Da müssten sie dann sicher auch noch irgendwelche drastischen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen oder so machen um das andere finanzieren zu können... Sorry, aber diese Leute sind einfach nur noch peinlich... Das blöde Frauenquoten-Gesetz bringt nur haufenweise Probleme für die größere Unternehmen und in der Hoffnung, dass es nicht alle rechtzeitig schaffen, diese Quote zu erreichen, kann man dann gleich noch Strafen in Millionenhöhe einstreichen.... um die gehts hier doch eigentlich, nicht war?

miprant

07.08.2012 16:33

Keine qualifizierte Frau ist mit der Frauenquote einverstanden, da sie dadurch nur mehr auf die Quote reduziert wird - schlimmer gehts gar nimmer... Da sollten schon andere Wege beschritten werden, um Frauen zu fördern, wie z. B. der Ausbau der Kinderbetreuung! Was das anbelangt, befinden wir uns in der Steinzeit... vielleicht sollten Stocker&Co sich damit mal auseinandersetzen.

MKompatscher

07.08.2012 16:32

so ein Krampf Frau Stocker!

kielratte

07.08.2012 15:41

Ich frag mich auch, wo wollen die ganzen Unternehmen jetzt in der kurzen Zeit so viele kompetente weibliche Nachfolger hernehmen?? Wachsen die irgendwo?? ;-)