Werbung - Redaktion - Mittwoch, 23. Mai 2012
17. Dezember 2011
Archivbild: FAZ-Journalist und ausgezeichneter Südtirol-Kenner Reinhard Olt © 2011 D Archivbild: FAZ-Journalist und ausgezeichneter Südtirol-Kenner Reinhard Olt
Lokal

Reinhard Olt fragt in FAZ: „Los von Rom“?

Die politische Situation in Südtirol beschäftigt immer wieder auch ausländische Medien: In der Freitag-Ausgabe der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) greift der renommierte Journalist Reinhard Olt die Selbstbestimmungsdebatte auf und fragt in seinem Titel ganz provokant „Los von Rom?“.

Die Schuldenkrise in der EU zeitige Folgen anderer Art: „So gewinnt, sozusagen im Schatten, den die Lichtquellen der europäischen Öffentlichkeit werfen, unterm Brenner eine Diskussion darüber an Breite, ob der Ende des Ersten Weltkriegs von Italien annektierte und diesem im Friedensvertrag von St.-Germain-en-Laye zugeschlagene südliche Landesteil Tirols im Stiefelstaat verbleiben oder seine Zukunft anderswo suchen sollte“, fasst Olt seine Bestandsaufnahme zu Beginn seines Artikels zusammen.

Bereits im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands und anlässlich der Andreas-Hofer-Feiern 2009 habe die Frage Auftrieb erhalten – ohne konkrete Folgen.

Vor allem auch deshalb, da die seit 1945 in Bozen regierende Sammelpartei SVP nicht in der Ausrufung des – obwohl in ihrem Parteistatut verankerten – Selbstbestimmungsrechts, sondern in der „Dynamisierung seiner Autonomie“ die Zukunft des Landes sehe, so Olt.

Olt: Die Lage hat sich geändert

Die Lage habe sich nun aber geändert: Der FAZ-Journalist ortet zum einen eine geschwächte Position der SVP seit den Landtagswahlen 2008, zum anderen sei die SVP bereit auf „Händel mit italienischen Parteien“ einzugehen, die ihr – so Olt – früher nicht in den Sinn gekommen wären und die den Oppositionsparteien neuen Zulauf bescheren würden. Auch den SEL-Skandal bringt Olt als Indiz für die geschwächte SVP ins Spiel.

Der Ruf der „Süd-Tiroler Freiheit“ nach Selbstbestimmung und jener der Freiheitlichen nach einem „Freistaat Südtirol“ bleibe nicht ohne Echo, hält der FAZ-Journalist und ausgezeichnete Südtirol-Kenner fest.

„Auch unter der Südtiroler Jugend finden separatistische Anwandlungen Gehör, und sogar in Verbänden Wirtschaftstreibender wird die Option eines selbstbewussten, eigenständigen ‚Südtirol außerhalb Italiens‘ nicht (mehr) verworfen. Ganz offen sprechen Handeltreibende, Touristiker, Industrielle und Handwerker darüber, dass sie, je mehr sich die ‚Krise Italiens auswächst‘, ihre unternehmerische Zukunft ‚anders ausrichten‘. Nicht wenige investieren vermehrt in Österreich und Deutschland“, so Olt.

Auch zitiert er einen unlängst gefassten Landtagsbeschluss, in welchem ausdrücklich festgehalten worden sei, dass sich Südtirol gegen jede weitere finanzielle Belastung seitens Rom zur Wehr setze und alles versuchen werde, um nicht in den „‘Sog der Krise Italiens‘“ zu geraten.

Außerdem verweist Olt auf die Forderung nach der doppelten Staatsbürgerschaft, die nicht nur Bozen, sondern vor allem auch Wien beschäftigt.

Olt warnt davor, das Ergebnis des Referendums zu negieren

Vor einem warnt der FAZ-Journalist ganz strikt: Das  Referendum zur Selbstbestimmung, durchgeführt von der „Süd-Tiroler Freiheit“ im Ahrntal, zu negieren.

„Dabei sprachen sich 95 Prozent derer, die daran teilnahmen, für die Einforderung und Anwendung des Selbstbestimmungsrechts aus. Bei einer Beteiligung von nur 31 Prozent der Wahlberechtigten kann von Repräsentativität nicht gesprochen werden (…)“, betont Olt.

Das Ergebnis abzuerkennen sei jedoch fahrlässig: Es sei ein Stimmungsbarometer.

Olt zeigt sich überzeugt davon, dass die SVP ebenfalls unweigerlich in den Sog des Begehrens „Los von Rom“ geriete, würden auch die beiden anderen Oppositionsparteien (BürgerUnion und Freiheitliche, A. d. R.) bei einem landesweiten Referendum mitmachen.

Für den FAZ-Journalist steht eines fest: „(…) wenn die SVP in diesem politischen Gärungsprozess nicht mehr zu bieten hat als die Proklamation der ‚Vollautonomie‘, womit sie eingesteht, dass es sich im stets angepriesenen ‚Modell Südtirol‘ allenfalls um eine Halb- oder Teilautonomie handelt, so dürfte sie womöglich ein ‚blaues Wundes‘ erleben.“

joi




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