© 2012 LaPresse Italiens Expräsident Oscar Luigi Scalfaro
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Italiens Expräsident Oscar Luigi Scalfaro sei zwar „kein ausgewiesener Südtirolfreund“ gewesen, erklärt Landeshauptmann Luis Durnwalder. Dennoch habe er aber das Land stets respektiert und auch für eine Premiere hierzulande gesorgt.
Oscar Luigi Scalfaro ist in der Nacht auf Sonntag im Alter von 93 Jahren in Rom gestorben (STOL hat berichtet).
Landesregierung im Landhaus besucht
„Er war der erste Staatspräsident, der offiziell unser Land besuchte und die Landesregierung nicht ins Regierungskommissariat bestellte, sondern zu uns ins Landhaus kam“, erklärt Landeshauptmann Luis Durnwalder gegenüber den „Dolomiten“.
Dieser Besuch fand am 22. und 23. März 1997 statt und sollte dem Staatspräsidenten vor Augen führen, dass in Südtirol drei Sprachgruppen friedlich zusammenlebten.
Scalfaro sprach bei seinem Besuch von Südtirol als „Modellfall für Europa“ und als „italienisches Staatsgebiet, das seit jeher von verschiedenen Volksgruppen bewohnt wird, die das Recht haben, sich hier zu Hause zu fühlen“.
Er habe den offiziellen Südtirol-Besuch „herbeigesehnt“, so Scalfaro.
28 Südtirol-Aktivisten begnadigt
Obwohl der Staatspräsident im Jahre 1996 24 Südtirol-Aktivisten der 1960er-Jahre, die allesamt lange Haftstrafen abgesessen hatten, begnadigt hatte und sie somit nach Jahrzehnten wieder ihre Bürgerrechte zurückerhielten, wurden Scalfaro hierzulande auch Vorbehalte entgegengebracht:
Scalfaro war nämlich Sekretär des damaligen Innenministers Mario Scelba, dem vorgeworfen wird, die Folterungen der Südtirol-Aktivisten gedeckt zu haben.
So erklärte etwa der ÖVP-Politiker Andreas Khol 1998, dass Scalfaro „in der Südtirolpolitik immer engherzig“ gewesen sei. „Ich nehme an, dass ihn die Vergangenheit einholt. Er war ja Sekretär von Innenminister Scelba und kann nicht über seinen Schatten springen“, so Khol damals in einem „Dolomiten“-Interview.
Dennoch unterzeichnete Scalfaro ein knappes Jahr nach seinem Südtirol-Besuch am 22. Jänner 1998 vier weitere Begnadigungsdekrete für die ehemaligen Südtirol-Aktivisten Heinrich Klier, Wolfgang Pfaundler, Peter Matern und Gerhard Pfeffer.
Und Scalfaro war es auch, der am 22. November 1996 das Dekret zur Verleihung des Banners für das Land Südtirol unterzeichnete, erinnert Durnwalder.
Das Südtirol-Banner war erst nach zähen Verhandlungen mit Rom genehmigt worden und zeigt neben den alten Tiroler Landesfarben Weiß-Rot die älteste Darstellung des Tiroler Adlers sowie die Landesbezeichnung in den drei Landessprachen.
wib/D
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