Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist bei einer Veranstaltung seiner Mitte-Rechts-Partei „Popolo della Libertá“ am heutigen Sonntag in Mailand durch einen Faustschlag verletzt worden. Er erlitt einen Nasenbeinbruch.
Wie der Arzt des Ministerpräsidenten, Alberto Zangrillo, mitteilte, erlitt Berlusconi auch eine Unterlippenverletzung, die genäht werden musste, zwei Zähne wurden beschädigt. Der Premierminister wird die nächsten 24 Stunden unter medizinischer Beobachtung in der Mailänder San Raffaele-Klinik verbringen.
Von TV-Kameras war Berlusconi mit blutbeschmiertem Gesicht gefilmt worden, während Polizisten dem 73-Jährigen wieder auf die Beine halfen und ihn in sein Auto führten.
„Berlusconi ist mitgenommen und niedergeschlagen“, erklärte der Arzt, der sich mit dem TV-Unternehmer auf der Parteiveranstaltung befunden hatte, nach der der Angriff stattfand.
Der 42-jährige Angreifer, Massimo Tartaglia, ist ein unvorbestrafter Grafiker, der seit zehn Jahren wegen psychischer Probleme behandelt wird. Er arbeite in dem Unternehmen seines Vaters und führe ein normales Leben, sagte die Polizei.
Minister, Freunde und Parteianhänger Berlusconis versammelten sich in der Mailänder Privatklinik San Raffaele, um sich über den Zustand des Premierministers zu informieren. Berlusconi wurde unter anderem von seinem Sprecher Paolo Bonaiuti und von Tourismusministerin Michela Vittoria Brambilla besucht.
Schon seit Monaten hegten die Sicherheitskräfte Sorgen wegen eines möglichen Angriffs auf den Premierminister, wie jenes das am Silvesterabend 2004 stattgefunden hatte.
Damals hatte ein 28-jähriger Maurer Berlusconi mit einem Kamerastativ verletzt. Die Sicherheitsvorkehrungen um den 73-jährigen Medienzaren waren erhöht worden, doch bei der Menschenmenge, die sich am Sonntag bei der Parteiveranstaltung in Mailand versammelt hatte, konnte der Angriff nicht abgewendet werden.
Der Angriff auf Berlusconi löste lebhafte Diskussionen aus.
Staatspräsident Giorgio Napolitano verurteilte den Angriff und sprach Berlusconi seine volle Solidarität aus. Napolitano plädierte für Selbstkontrolle bei der politischen Diskussion. Die Gefahr seien gewaltsame Entartungen, warnte der Präsident. Die mit Berlusconi verbündete Lega Nord sprach von einem „faschistischen Klima“.
Für Aufsehen sorgten hingegen die Worte des Vorsitzenden der Oppositionspartei „Italia dei Valori“, Antonio Di Pietro.
„Wir verurteilen den Angriff auf Berlusconi, das kann aber nicht die zunehmende Empörung tausender Familien wegen des Mangels an einer sozialen und wirtschaftlichen Politik der Regierung überdecken. Schon vor einigen Tagen hatte ich vor der Gefahr gewarnt, dass jemand die Nerven verlieren könnte“, so Di Pietro.
Der Präsident der Abgeordnetenkammer Gianfranco Fini reagierte entrüstet. „Di Pietros Worte sind inakzeptabel. Man kann auf keinerlei Weise einen gewalttätigen Akt rechtfertigen. Es handelt sich um einen äußerst gravierenden Angriff, das von allen politischen Kräften geschlossen verurteilt werden muss“.
apa

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