Werbung - Redaktion - Mittwoch, 23. Mai 2012
20. Februar 2012
Joachim Gauck © 2012 APA/EPA Joachim Gauck
Politik

Gauck wird Bundespräsident

Joachim Gauck wird als Nachfolger von Christian Wulff neuer deutscher Bundespräsident. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel gab am Sonntag nach einem stundenlangen dramatischen Ringen ihren Widerstand gegen den Favoriten von SPD und Grünen auf.

Sie wendete damit in höchster Not einen drohenden Koalitionsbruch ab.

Die FDP hatte überraschend Gauck unterstützt und das schwarz-gelbe Bündnis zeitweise in eine schwere Krise gestürzt.

Der Gründungschef der Stasiunterlagen-Behörde, der in einem ersten Anlauf aufs Schloss Bellevue 2010 Wulff unterlegen war, kann sich nun auf eine breite Unterstützung in der Bundesversammlung stützen. Damit werden bald zwei Ostdeutsche an der Spitze des Staates stehen.

Merkel bezeichnete bei einem gemeinsamen Auftritt der Parteichefs den 72-jährigen früheren DDR-Bürgerrechtler als „wahren Demokratielehrer“, der wichtige Impulse für Globalisierung, die Lösung der Schuldenkrise und mehr Demokratie geben könne.

Der sichtlich bewegte Gauck kündigte an, er wolle den Deutschen vermitteln, dass sie „in einem guten Land leben, das sie lieben können“.

Gauck war in Umfragen klarer Favorit der Bürger. Rund jeder Zweite hält ihn für geeignet.

Gauck sagte auf der Pressekonferenz, er sei kein „Supermann“ und müsse sich die Vorschusslorbeeren erst verdienen. Er sei überwältig und verwirrt. Der Anruf der Kanzlerin habe ihn im Taxi erreicht, sagte der aus Rostock stanmende und jetzt in Berlin lebende Pastor.

Bei der Annahme der Kandidatur für das Staatsoberhaupt habe ihm unglaublich geholfen, dass die Koalition, SPD und Grüne sich zusammengefunden hätten. An Merkel persönlich gerichtet sagte Gauck, das Wichtigste für ihn sei immer gewesen, dass sie ihm Vertrauen und Hochachtung gezollt habe.

Zuvor stand die Koalition – mitten in der Euro-Schuldenkrise – am Rande eines Scheiterns. Merkel machte bis zum Abend innerhalb der Unionsspitze deutlich, dass sie Gauck, der 2010 gegen den am Freitag zurückgetretenen Wulff erst im dritten Wahlgang verloren hatte, nicht unterstützen wolle. Merkel hatte 2010 Gauck verhindert und auf Wulff gesetzt.

In der Bundesversammlung hat Schwarz-Gelb nur eine hauchdünne Mehrheit. Die Bundesversammlung muss bis zum 18. März ein neues Staatsoberhaupt wählen.

dpa


Video: Joachim Gauck wird neuer deutscher Bundespräsident
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