Griechenland ist trotz des größten Staatsschuldenschnitts aller Zeiten aus Sicht seiner Geldgeber noch lange nicht über den Berg.
In einer vertraulichen Analyse warnten der Internationale Währungsfonds (IWF), die Europäische Zentralbank (EZB) und die EU-Kommission, die Schulden könnten leicht wieder aus dem Ruder geraten, und die wirtschaftliche Erholung werde Jahre dauern.
In der Analyse heißt es, das Reformprogramm bleibe gefährdet und werde von Fragen nach seiner Nachhaltigkeit überschattet. So könnten weitere Verzögerungen bei den unpopulären Strukturreformen und Privatisierungen die Rezession verschärfen.
Das zweite Hilfsprogramm sieht bis 2014 Kredite und andere Hilfen im Umfang von 130 Milliarden Euro vor. Es schreibt ein erstes Programm von 110 Milliarden Euro aus dem Frühjahr 2010 fort.
Ziel ist es, den Schuldenberg des Landes von derzeit über 160 Prozent des BIP bis 2020 auf 120,5 Prozent zu verkleinern.
Mit Spannung wird nun darauf gewartet, wie viele Banken und andere private Gläubiger bei dem Schuldenerlass mitmachen. Denn die angestrebte Entlastung kommt nur zustande, wenn sich mehr als 90 Prozent der Gläubiger an dem Umtausch beteiligen.
Um das sicherzustellen, will die griechische Regierung bereits am Donnerstag über ein Gesetz abstimmen lassen, um die Konditionen der alten Staatsanleihen rückwirkend so ändern, dass eine Teilnahme erzwungen werden kann, wie aus dem Finanzministerium in Athen verlautete.
Endgültig verabschiedet werden kann das zweite Paket erst im März, wenn feststeht, wie viele private Gläubiger sich an dem Forderungsverzicht beteiligt haben.
Ähnliche Operationen wie in Griechenland soll es in anderen Problemländern nicht geben, wie europäische Politiker versicherten.
„Griechenland ist ein besonderer Einzelfall, das wird nirgends wiederholt“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn.
Ministerpräsident Mario Monti beteuerte, die Gefahr einer Ausbreitung der Krise sei deutlich gesunken.
Die Börsen zündeten nach der Einigung kein Feuerwerk ab. Analysten warnten, dass ein Programm für eine Erholung der griechischen Wirtschaft eine Herkules-Aufgabe sei. Der Dax verlor 0,6 Prozent auf 6908 Punkte.
dpa
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